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Arvel

Arvel
Materialgruppen:
Gesteine > Ablagerungsgesteine > Kalkstein Materialbeschrieb Arvel ist ein mittel- bis grobkörniger, massiger Kalkstein, der vorwiegend aus grobkristallinem Kalzit mit spiegelnden Spaltflächen besteht und in grauen, rötlichen, rosafarbenen und violetten Varietäten vorkommt. Arvel wurde am östlichen Ende des Genfersees bei Villeneuve an den Hängen des Mont d'Arvel abgebaut. Ein Steinbruch ist noch heute in Betrieb und produziert dort Schotter, Kies und Sand. Das Gestein enthält viele, meist rekristallisierte Reste von Seeigeln und Seelilien, sogenannte Echinodermen. Daher wird es auch Echinodermenkalk oder, wegen der grobspätig rekristallisierten Seelilienreste, Spatkalk genannt. Arvel ist in grossen Mengen in der Westschweiz an Gebäuden, Quaimauern, Brücken und Bahnanlagen verbaut, insbesondere in dem den Abbaustellen am nächsten gelegenen Villeneuve, wo man zahlreiche Fenster- und Portaleinfassungen, Brunnen und Fassaden aus dem lokalen Gestein findet. Die graue Varietät des Arvel ist sehr kompakt, fest und wetterbeständig, die rosafarbene etwas weniger. Beide Varietäten des Arvel sind gut polierbar und allgemein gut zu bearbeiten. Arvel kam im Aussen- und Innenraum zu Konstruktions- und Dekorationszwecken als Quader- und Haustein zur Anwendung, auch diente er als Ausgangsmaterial für die Bildhauerei. Beliebte Anwendungen des Gesteins in polierter Form waren Bodenplatten (u. a. für Kamine) und Brunnen. Andere Bezeichnungen/Synonyme:
Marbre d'Ervel, Marbre chocolat Französische Bezeichnung:
Pierre d'Arvel, Marbre rose d'Arvel, Marbre gris d'Arvel Petrographische Bezeichnung:
Kalkstein Hintergrund Etymologie:
Arvel ist nach dem Berg benannt, an dessen Hängen er vorkommt, dem Mont d'Arvel bei Villeneuve. Geschichte:
Arvel wurde vermutlich bereits von den Römern abgebaut, mit Sicherheit aber im Mittelalter. Im 15. Jh. nutzte man das Gestein für den Wiederaufbau der Chapelle de l'Hôpital in Vevey, im 16. Jh. für die Chapelle Aymon de Montfalcon in Lausanne. Lange Zeit diente Arvel ausschliesslich als Haustein. Im 19. Jh. war dann die rosafarbene und violette Varietät in polierter Form als sogenannter Buntmarmor populär, in wenigen Fällen auch die graue. Auf der Schweizer Landesausstellung 1883 in Zürich war der Stein an einem aufwendig gestalteten Stand der Firma Doret ausgestellt, den damaligen Besitzern des Steinbruchs. Nach dem Bau einer Eisenbahntrasse nach Villeneuve und der Eröffnung einer neuen Abbaustelle 1858 in Arvel entwickelte sich diese zu einer der grössten und bedeutendsten der Schweiz. 1922–1950 war die rötliche Varietät durch einen Felssturz verschüttet und nicht lieferbar. In dieser Zeit begann man mit der Gewinnung von Bahn- und Strassenschotter. Kunst, Handwerk, Design:
Im 18. Jh. verwendete die Werkstatt Funk Arvel vereinzelt für Cheminée-Bodenplatten. Herstellung Herkunft, geografische Region:
Villeneuve, Kanton Waadt, CH Entstehung:
Arvel entstand vor rund 170 Mio. Jahren mehrheitlich aus kalkigen Skelettresten von Seelilien in einem flachen Meer. Durch Überlagerung mit weiteren Sedimenten und zunehmende Verdichtung verfestigten sich diese zu Kalkstein. Im Zuge von Hebungs- und Erosionsprozessen während der Alpenbildung wurde das Gestein an die Erdoberfläche gebracht. Gewinnung:
Arvel wird zwar heute noch abgebaut, aber nicht mehr zur Werksteingewinnung. Eigenschaften Erscheinung:

Farbe: Grautöne, Rosatöne, Violetttöne


Bearbeitung

Oberflächenbearbeitung: flächen, polieren, scharrieren, schleifen, spitzen, stocken
Trennen und Subtrahieren: diamantblattsägen, diamantseilsägen, spalten, wasserstrahlschneiden

Anwendung Anwendungsgebiete:
Bauwesen, Bildhauerei, Innenaustattung, Tiefbau Anwendungsbeispiele:
- Bahnanlagen der SBB in den Kantonen Waadt und Wallis
- Bahnhof Lausanne, Sockel
- Bogenschützenhaus, Bern, Thormannstrasse, Kaminbodenplatte (Werkstatt Funk)
- Château d'Ouchy, Lausanne (Francis Isoz, 1889–1893)
- Erlacherhof, Bern, Junkerngasse 47, Kaminbodenplatte (Werkstatt Funk, 1747–1752)
- Kathedrale Genf, rennovierte Fassade
- Kathedrale Lausanne, Chapelle Aymon de Montfalcon (1505–1506)
- Kirche von Attalens, nördlich von Villeneuve, neogotischer Seitenaltar (David Doret aus Vevey, 1863), Arvel rosé
- Musée Ariana, Genf (Emile Grobéty, 1877–1884), Sockelmauer und Treppenbrüstung, Arvel rosé
- Parlamentsgebäude, Bern (Wilhelm Auer, 1894–1902), Sockel der Säulen & Pfeiler sowie Unterbau der Besuchergalerie im Ständeratssaal, Marmorböden im Hochparterre und im 1. OG, Rückwand beim Sockel der Rütligruppe
- Pont Butin (Bolliger & Cie, Garcin & Bizot, 1925), Eisenbahnbrücke über die Rhône bei Genf
- Universität Bern, Hauptgebäude, Hochschulstrasse 4 (Alfred Hodler & Eduard Joos, 1900–1903), quadratische Bodenplatten in der Eingangshalle, Arvel rosé im Schachbrettmuster mit Carrara-Marmor
- Viaduc du Day (1925), Eisenbahnbrücke über die Orbe bei Le Day, Kanton Waadt
- Viaduc de la Paudèze (1923), Eisenbahnbrücke der Simplonlinie zwischen Paudex und Pully, Kanton Waadt
- Villa Mon-Repos, Lausanne, Vestibül, Säulen (Jean Daniel-Turel, 1824/25), Fussboden im kleinen Vestibül im 1. OG und Kamineinfassung im 2. OG, Arvel rosé Sammlungen

Muster in folgenden Sammlungen: ETH Zürich Baubibliothek
Standort in der Sammlung: ETH Zürich Baubibliothek:
ST-AB-KA | Ablagerungsgesteine > Kalksteine Bezugsquelle Bezugsquelle Sammlungsmuster:
Schenkung des Verbands der Schweizerischen Bildhauer- und Steinmetzmeister an die Baumaterialiensammlung der Abteilung für Architektur der ETH Zürich, 1960, seit 1968 im Besitz der Erdwissenschaftlichen Sammlung der ETH Zürich, seit 2016 Leihgabe an die Materialsammlung der ETH Zürich Quellennachweis Verwendete Quellen:
Grote, M. & Streiff, B. (2005). Les carrières d'Arvel. Une société centenaire. Villeneuve: Carrières d'Arvel.
Kündig, R. u. a. (1997). Die mineralischen Rohstoffe der Schweiz. Zürich: Schweizerische Geotechnische Kommission, S. 191–192.
Labhart, T. & Zehnder, K. (2018). Steine Berns. Eine geologische Entdeckungsreise durch die gebaute Stadt. Basisband. Bern: Haupt Verlag, S. 93.
Meyer, J. (2017). Die Gesteine der Schweiz. Der Feldführer. Bern: Haupt Verlag, S. 170, S. 256.
Niggli, P. u. a. (1915). Die natürlichen Bausteine und Dachschiefer der Schweiz, hrsg. v. der Schweizerischen Geotechnischen Kommission. Bern: Francke, S. 247 und 378.
Quervain, F. de (3. Auflage 1969). Die nutzbaren Gesteine der Schweiz, hrsg. v. der Schweizerischen Geotechnischen Kommission. Bern: Kümmerly & Frey, Geographischer Verlag, S. 119–121. Expertin / Experte:
Fachgruppe Georessourcen Schweiz Material-Archiv-Signatur:
GES_ABL_KAL_30 Text verfasst von:
ETHZ, KB, 2018 Bilder

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