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Marbre de Roche

Marbre de Roche
Materialgruppen:
Gesteine > Ablagerungsgesteine > Kalkstein Materialbeschrieb Marbre de Roche ist ein Sammelname für eine Gruppe dunkelgrauer, grau-roter und braunrot-gelblicher, brekziöser, von weissen Kalzitadern durchzogener Kalksteine, die versteinerte Korallenstöcke enthalten. Marbre de Roche wird heute nicht mehr abgebaut. Obwohl aufgrund seiner guten Polierbarkeit als Marmor (frz. marbre) bezeichnet, handelt es sich bei dem Gestein aus petrographischer Sicht um eine varietätenreiche Gruppe von Kalksteinen. Bis in die ersten Jahrzehnte des 20. Jh. erfolgte der Abbau in mehreren Steinbrüchen zwischen Roche und Yvorne am östlichen Ausläufer des Genfersees. Die nutzbaren Gesteinsschichten waren zum Teil über 10 m mächtig, so dass grosse Blöcke abgebaut werden konnten.
Man unterscheidet im wesentlichen drei Varietäten:
1) Gris de Roche/Gris suisse: ein dunkelgrauer, weiss geaderter und fossilienreicher Kalkstein mit sichtbaren Korrallenüberresten, abgebaut in Roche;
2) Rouge de Roche/Rouge suisse: ein grauer, weiss geaderter Kalkstein mit mehr oder weniger ausgeprägten roten Flecken und Adern, abgebaut in Roche am Rande der alten Strasse von Villeneuve nach Aigle;
3) Rouge jaspé: ein braunroter, weiss geaderter Kalkstein mit dunkelroten, gelben und grauen Partien, abgebaut in Truchefardel, heutiger Name La Coche, auf dem Gebiet der Gemeinde Yvorne. Marbre de Roche ist trotz seiner brekziösen Struktur relativ druckfest und von geringer Porosität. Er ist sehr gut wetterbeständig, allerdings gehen Politur und Farbe wie bei allen polierten Kalksteinen relativ schnell verloren, wenn das Gestein ungeschützt im Aussenbereich eingesetzt wird. Marbre de Roche lässt sich sehr gut polieren und mit den gängigen Methoden bearbeiten. Marbre de Roche kam im Innen- und Aussenraum zur Anwendung, zum Beispiel als Wandverkleidung und Schaufenstereinfassung, für Treppenstufen und Sockel in Form von Hausteinen, als Möbelplatte und für Kirchenausstattungen (Altäre, Säulen usw.). Andere Bezeichnungen/Synonyme:
Viviser Marmor, Vivisier-Marmor und Marmor von Yvorne (für Rouge jaspé), Marmor von Roche (für Rouge de Roche und Gris de Roche) Petrographische Bezeichnung:
Kalkstein, Kalksteinbrekzie Hintergrund Etymologie:
Marbre de Roche ist nach dem Ort seines Vorkommens benannt und wurde aufgrund seiner guten Polierbarkeit als Marmor bezeichnet. Geschichte:
Marbre de Roche wurde in einem Zeitraum von ca. 250 Jahren bis 1930 an mehreren Orten zwischen Roche und Yvorne abgebaut. Seine älteste bekannte Anwendung sind die Säulen am Portal des Rathauses von Lausanne aus dem Jahr 1674. Nennenswerte Verbreitung erfuhr das Gestein erst ab Mitte des 18. Jh., als die Kunsthandwerkerdynastie Doret mehrere Steinbrüche, eine Steinmetzwerkstatt in Vevey und eine Marmorsägerei in Truchefardel (Gemeinde Yvorne) eröffnete. Zwischen 1820 und 1830 existierten neben der Marmorsägerei der Doret noch drei weitere im Besitz von Charles Girard, Frédéric Maison und François Mottier. Marbre de Roche war 1883 auch auf der Schweizer Landesausstellung in Zürich vertreten, wo die Firma Doret einen eigenen Stand mit den von ihr abgebauten Steinsorten präsentierte. Kunst, Handwerk, Design:
Die Kunsthanderwerkerfamilie Doret schuf bedeutende Werke, in denen Marbre de Roche zur Anwendung kam, darunter den Hauptaltar der Abteikirche von Saint-Maurice (David Doret II., 1722–1727) südlich von Montreux und den Hauptaltar von Saint-Michel in Fribourg (David Doret III, 1766–1768). Zwischen 1735 und 1761 bezog die Werkstatt Funk in Bern von Doret in Vevey Rouge jaspé, um daraus Deckplatten von Kommoden und Konsoltischen, Cheminée-Bodenplatten und teils auch Cheminée-Einfassungen anzufertigen. Aus jener Zeit stammt auch die Bezeichnung «Viviser Marmor» (Vivis = lat. Name von Vevey). Herstellung Herkunft, geografische Region:
Gegend zwischen Roche und Yvorne, Kanton Waadt, CH Entstehung:
Marbre de Roche entstand vor rund 150 Mio. Jahren aus kalkigen Ablagerungen wie Fossilbruchstücken und Kalkschlamm in einem flachen Meer. Durch Überlagerung mit weiteren Sedimenten und durch zunehmende Kompaktion verfestigten sich diese zu einem Kalkstein. Durch Hebungs- und Erosionsprozesse während der Alpenbildung wurde Marbre de Roche wieder an die Erdoberfläche gebracht. Gewinnung:
Marbre de Roche wird nicht mehr abgebaut. Eigenschaften Erscheinung:

Farbe: Brauntöne, Gelbtöne, Grautöne, Rottöne

Beständigkeit: Marbre de Roche ist gut witterungsbeständig. Bearbeitung

Oberflächenbearbeitung: polieren, schleifen, spitzen, stocken
Trennen und Subtrahieren: sägen

Anwendung Anwendungsgebiete:
Bauwesen, Bildhauerei, Innenausbau, Möbelbau Anwendungsbeispiele:
- Abteikirche, Saint-Maurice, Hauptaltar (David Doret II, 1722–1727)
- Anna-Seiler-Brunnen, Marktgasse, Bern, Säule (1545/46)
- Bundeshäuser in Bern, Türgewände und Bodenbeläge (Wilhelm Auer, 1858–1904), Parlamentsgebäude: Türgewände der Hauswartlogen und der Eingänge zu den Wendeltreppen, Gris de Roche, Marmorboden vor der Rütligruppe, Gris de Roche und Rouge jaspé
- Collège lac, Villneuve (1918–1921), Südfassade, Einfassung des inneren Portals, Rouge de Roche
- Erlacherhof, Bern, Cheminée
- Kunsthalle Bern, Helvetiaplatz 1 (Klauser & Streit, 1917), Tischplatten, Treppenstufen, Handläufe
- Kunsthaus Zürich, Treppe (Karl Moser, 1910), Gris de Roche
- Rathaus Bern, Kommode, Rouge jaspé
- Schloss Jegenstorf, Deckplatten von Funk-Kommoden und -Konsoltischen sowie Cheminée-Bodenplatten
- Schweizerhoflaube, Bern, Wandverkleidungen
- Saint-Michel, Fribourg, Hauptaltar (David Doret III, 1766–1768), Gris de Roche, Rouge de Roche, Rouge jaspé
- Saint-Pierre, Genf, Säulen (1752–1756), Rouge jaspé Sammlungen

Muster in folgenden Sammlungen: ETH Zürich Baubibliothek
Standort in der Sammlung: ETH Zürich Baubibliothek:
ST-AB-KA | Ablagerungsgesteine > Kalksteine Bezugsquelle Bezugsquelle Sammlungsmuster:
Schenkung des Verbands der Schweizerischen Bildhauer- und Steinmetzmeister an die Baumaterialiensammlung der Abteilung für Architektur der ETH Zürich, 1960, seit 1968 im Besitz der Erdwissenschaftlichen Sammlung der ETH Zürich, seit 2016 Leihgabe an die Materialsammlung der ETH Zürich Quellennachweis Verwendete Quellen:
Bissegger, P. (1980). Noir, brun, rouge, violet et jaspé: les marbres du Chablais vaudois. In: Von Farbe und Farben. Albert Knoepfli zum 70. Geburtstag, hrsg. v. M. Hering-Mitgau u. a. Zürich: Manesse Verlag, S. 79–84.
Bissegger, P. (2009). Doret. In: Historisches Lexikon der Schweiz: www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D47230.php (Stand 15.08.2018).
Kündig, R. u. a. (1997). Die mineralischen Rohstoffe der Schweiz. Zürich: Schweizerische Geotechnische Kommission, S. 193.
Labhart, T. (2002). Steinführer Bundeshaus Bern. Bern: Gesellschaft für Schweizer Kunstgeschichte, S. 42.
Labhart, T. & Zehnder, K. (2018). Steine Berns. Eine geologische Entdeckungsreise durch die gebaute Stadt. Basisband. Bern: Haupt Verlag, S. 89–92
Quervain, F. de (3. Auflage 1969). Die nutzbaren Gesteine der Schweiz, hrsg. v. der Schweizerischen Geotechnischen Kommission. Bern: Kümmerly & Frey, Geographischer Verlag, S. 123–124. Links:
Rohstoffinformationssystem RIS (2017). Fachgruppe Georessourcen Schweiz: map.georessourcen.ethz.ch/purl/obid/3239 (Stand 26.11.2018). Expertin / Experte:
Fachgruppe Georessourcen Schweiz, Zürich Material-Archiv-Signatur:
GES_ABL_KAL_26 Text verfasst von:
ETHZ, KB, 2018 Bilder

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