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Würenloser Muschelkalk

Würenloser Muschelkalk
Materialgruppen:
Gesteine > Ablagerungsgesteine > Sandstein Materialbeschrieb Würenloser Muschelkalk ist ein überwiegend aus Muschelfragmenten zusammengesetzter, grobkörniger Kalksandstein, der in blaugrauen und braungelblichen Varietäten vorkommt. Neben Muscheln kann Würenloser Muschelkalk Haifischzähne (glatte, schwarze, 1–8 cm lange Spitzchen) sowie Reste von Seeigeln und Schnecken enthalten. Mineralogisch besteht er überwiegend aus Kalzit (Fossilbruchstücke und Zement) sowie untergeordnet aus einem variierenden Anteil an Quarz und Glaukonit. Würenloser Muschelkalk wird nicht mehr abgebaut. Würenloser Muschelkalk ist ein hartes Gestein. Seine Grobkörnigkeit sowie die unvollständig zementierten und mit Sediment verfüllten Muschelbruchstücke führen dazu, dass es zahlreiche grobe und wenig feine, wasserziehende Poren aufweist. Dies macht es – in Kombination mit seinem hohen Kalkgehalt – witterungsbeständig und frostresistent. Auftretender Pyrit, ein Eisensulfid (FeS2), kann bei der Anwendung im Aussenbereich zu Rostläufen führen. Würenloser Muschelkalk ist gut zu bearbeiten und daher auch für Steinmetz- und Bildhauerarbeiten geeignet. Er hat einen rauhen, unregelmässigen Bruch und ist weder polier- noch beflammbar. Würenloser Muschelkalk kann man für Fassadenverkleidungen, Bodenbeläge, Mauerquader, Sockelränder, Portale, Fenstereinfassungen, Säulen, Brunnen und Skulpturen verwenden. Französische Bezeichnung:
grès coquillier de Würenlos Ähnliche Materialien:
Mägenwiler Muschelkalk, Estavayer-Muschelkalk Petrographische Bezeichnung:
Kalksandstein Hintergrund Etymologie:
Würenloser Muschelkalk ist nach dem Ort seines Vorkommens benannt. Geschichte:
Würenloser Muschelkalk bauten bereits von den alten Römern ab; 1937 entdeckte man beim Abtragen von Gehängeschutt die Reste eines römischen Steinbruchs. Die Dimensionen der Gesteinslücken passen zu den erhaltenen römischen Inschriftensteinen, Säulenbasen und Grabsteinplatten aus Würenloser Muschelkalk, die sich in Museen in Baden und Brugg befinden. Die Steinbrüche bei Würenlos versorgten über das gesamte Mittelalter hinweg und in den darauffolgenden Jahrhunderten das Limmattal mit Baumaterial. Am Bruggertor und am Turm der katholischen Kirche in Baden finden sich Kantensteine aus Würenloser Muschelkalk aus dem 15. Jh. Zahlreiche Bauten in Baden weisen Treppenstufen, Gesimse, Fenster- und Türumrahmungen aus dem Gestein auf. Aus einem Werkstück gehauene Brunnentröge aus Würenloser Muschelkalk, verziert mit Wapen und Jahreszahl (meist 1750–1790), finden sich fast in jedem Dorf an der Limmat von Baden bis Altstetten. Heute gibt es allein im Kanton Zürich noch rund 300 Brunnenbecken aus Muschelkalkstein, grösstenteils aus Würenlos. In Zürich setzte man den Stein vor allem in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts für Fassadenverkleidungen ein. Herstellung Herkunft, geografische Region:
Würenlos, nordwestlich von Zürich, Kanton Aargau, CH Entstehung:
Würenloser Muschelkalk ist ein Sedimentgestein der Oberen Meeresmolasse. Er entstand vor knapp 20 Mio. Jahren in einem flachen Meer im Gebiet des heutigen Schweizer Mittellandes aus Fossilbruchstücken und vom Festland durch Flüsse eingetragenen Sandkörnern. Nach zunehmender Überlagerung mit weiteren Sedimenten verfestigten sich diese Ablagerungen mittels Kalkzement. Durch Hebungs- und Erosionsprozesse während der Alpenbildung wurde Würenloser Muschelkalk wieder an die Oberfläche gebracht. Gewinnung:
Würenloser Muschelkalk wird nicht mehr abgebaut. Eigenschaften Erscheinung:

Farbe: Grautöne

Beständigkeit: Würenloser Muschelkalk ist witterungsbeständig und frostresistent. Bearbeitung

Oberflächenbearbeitung: bürsten, flächen, sandstrahlen, scharrieren, schleifen, spitzen, stocken
Trennen und Subtrahieren: diamantseilsägen

Anwendung Anwendungsgebiete:
Bauwesen, Bildhauerei, Gartenbau, Hochbau, Tiefbau, Restaurierung Anwendungsbeispiele:
- Amtshaus IV, Zürich
- Geiserbrunnen, Zürich, Bürkliplatz (Jakob Brüllmann, 1911)
- Geschäftshaus Grieder, Zürich, Bahnhofstrasse
- Hauptsitz Neue Zürcher Zeitung, Zürich, Altbau neben der Oper
- Kantonale Verwaltung Zürich, Neumühlequai/Walcheplatz (Otto & Werner Pfister, 1934–1935)
- Neue Reformierte Kirche, Zürich Wollishofen (Walter Henauer & Ernst Witschi, 1936)
- Schweizerische Nationalbank, Zürich, Bürkliplatz, Fassade (Otto & Werner Pfister, 1919–1922)
- Schweizerische Unfallversicherungsanstalt, heute AXA, Winterthur
- VITA-Lebensversicherungsgesellschaft, heute Zurich, Zürich, Mythenquai (1932) Sammlungen

Muster in folgenden Sammlungen: ETH Zürich Baubibliothek
Standort in der Sammlung: ETH Zürich Baubibliothek:
ST-AB-SA | Ablagerungsgesteine > Sandsteine Bezugsquelle Bezugsquelle Sammlungsmuster:
Schenkung des Verbands der Schweizerischen Bildhauer- und Steinmetzmeister an die Baumaterialiensammlung der Abteilung für Architektur der ETH Zürich, 1960, seit 1968 im Besitz der Erdwissenschaftlichen Sammlung der ETH Zürich, seit 2016 Leihgabe an die Materialsammlung der ETH Zürich Quellennachweis Verwendete Quellen:
Kündig, R. u. a. (1997). Die mineralischen Rohstoffe der Schweiz. Zürich: Schweizerische Geotechnische Kommission, S. 185.
Niggli, P. u. a. (1915). Die natürlichen Bausteine und Dachschiefer der Schweiz, hrsg. v. der Schweizerischen Geotechnischen Kommission. Bern: Francke, S. 99.
Quervain, F. de (3. Auflage 1969). Die nutzbaren Gesteine der Schweiz, hrsg. v. der Schweizerischen Geotechnischen Kommission. Bern: Kümmerly & Frey, Geographischer Verlag, S. 182–188.
www.wuerenlos.ch/uploads/tx_ttproducts/datasheet/wuerenloser_stein.pdf (Stand 20.07.2018). Expertin / Experte:
Fachgruppe Georessourcen Schweiz, Zürich Material-Archiv-Signatur:
GES_ABL_SAN_22 Text verfasst von:
ETHZ, KB, 2018 Bilder

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