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Smalte

Smalte
Materialgruppen:
Farbmittel > Pigmente > Anorganische Pigmente > Synthetische anorganische Pigmente Materialbeschrieb Unter dem Begriff Smalte werden verschiedene Verbindungen eines blauen Glases, bestehend aus Silizium und Kobalt zusammengefasst. Durch qualitativ und quantitativ variable Beimengungen von Kobalterzen während der Glasherstellung sowie durch die Korngrösse des Pigments entstehen unterschiedliche Blautöne. Das Pigment Smalte wird aus einem mit Kobalt blau gefärbten Glas hergestellt. Es wurde sowohl als Künstlerpigment als auch zum Streichen von Architekturoberflächen eingesetzt. Ab dem 11., 12. Jh. kann es nachgewiesen werden. Wichtig war es vor allem in der Barockmalerei. Ab dem 18. Jh. wird dieses blaue Kobaltsilikat durch Berliner Blau und Kobaltblau verdrängt. Das Pigment Smalte behält seine Farbigkeit nur bei grosser Korngrösse, feiner zermahlene Partikel verlieren ihre Farbintensität und erscheinen durchsichtig. Da grobe Pigmentkörner schwierig zu streichen sind, wurde Smalte nicht nur mit dem Pinsel aufgetragen, sondern zum Teil auch auf eine klebrige Oberfläche aufgestreut. Wie Azurit oder Malachit findet sich auch dieses Pigment zum Teil auf einer grauen oder schwarzen Untermalung, womit die Leuchtkraft des Blaus erhöht werden konnte. Smalte ist alkalibeständig, weshalb es auch in der Wandmalerei Verwendung fand. Zudem wurde das Pigment wegen seiner Wirkung als Sikkativ in Öl auch anderen Blaupigmenten beigemischt. Historische Varianten sind meist heller als moderne Smalten und können einen Grünstich aufweisen. Je nachdem, ob Smalte mittels Soda oder Pottasche hergestellt wurde, können Farbveränderungen hin zu einem Grauton beobachtet werden. Smalte wurde vor allem in wässrigen Maltechniken eingesetzt. Heute wird Smalte kaum noch verwendet. Grund dafür dürfte sein, dass es im Gegensatz zu den modernen synthetischen Blaupigmenten sehr viel schwieriger zu streichen und zudem sehr viel teurer ist. Andere Bezeichnungen/Synonyme:
Streublau, Strooi blauw, Zaffer, Kaiserblau, Königsblau, Azurblau, Sächsischblau, Couleur, Eschel-, Böhmisch-, Halbestädter-, Insenburger-, Schlesisch-, Dumonts- und Schwäbischblau Chemische Formel:
Co(Sio2) (Berke, 403). Chemische Bezeichnung:
Kobaltsilikat.Der Hauptbestandteil des Pigmentes besteht aus SiO2 (66-72%) und K2O (10-21%). Lediglich kleine Mengen finden sich von CoO (2 – 18%). Colour Index Number:
P.B. 32 Constitution Number:
77365 Italienische Bezeichnung:
azzurro di smalto, smaltino Französische Bezeichnung:
smalt (m.), azur à poudrer, bleu d’émail, émail Englische Bezeichnung:
smalt, starch blue Ähnliche Materialien:
Smalte grün, Smalte violett, Smalte gelb Hintergrund Etymologie:
Im Italienischen bedeutet „smaltare“ schmelzen. Der Begriff Kobalt ist von Kobold abgeleitet worden und war ursprünglich ein Schmähwort. Denn im Mittelalter hielt man Kobalterze häufig für wertvolle Silber- oder Kupfererze. Da sie sich aber nicht zu Metall verarbeiten liessen und zudem wegen des Arsengehalts beim Erhitzen gesundheitsschädigende und schlechte Gerüche abgaben, glaubte man, dass Kobolde diese Erze verhext hätten. Geschichte:
Kobalterz wurde bereits im alten Ägypten für das Färben von Glas eingesetzt. Der frühste Einsatz der blauen Glasschmelze Smalte als Pigment findet sich in Khara Khoto, innere Mongolei, auf Wandmalereien, die wohl aus dem 11. – 13. Jh. stammen. In einer byzantinischen Buchmalerei (13. Jh.) sowie auf dem Gemälde „Das Kreuz tragend“ eines wohl schwäbischen Meisters (um 1400), konnte Smalte ebenfalls nachgewiesen werden. Jedoch erst ab der 2. Hälfte des 16. (Stege, 125-126) und bis zu Beginn des 18. Jh. gehörte Smalte zu den wichtigsten Blaupigmenten in der europäischen Malerei. Es gilt als Ersatz für das teurere Lapis lazuli und Azurit (Eastaugh 345). Ab 1704 wird Smalte von Berliner Blau und später vom synthetischen Ultramarin und Kobaltblau verdrängt. Kunst, Handwerk, Design:
Da sich Smalte nur bedingt für die Ölmalerei eignet, wurde es vor allem in wässrigen Techniken und in der Wandmalerei eingesetzt. Ebenfalls nachgewiesen werden konnte es in der Hinterglasmalerei und der sogenannten Tüchleinmalerei. Herstellung Herkunft, geografische Region:
In Europa kann Kobalt in Sachsen, D, Frankreich und Spanien abgebaut werden. Gewinnung:
Als chemisches Element wurde Kobalt erst 1735 durch den schwedischen Chemiker Georg Brand entdeckt. Häufigste Quelle, aus der Kobalt gewonnen wurde, war im Mittelalter das Mineral Skutterudit (CoAs3, auch Smaltit genannt), das nach der norwegischen Ortschaft Skutterud benannt ist. Im 17. und 18. Jh. wurden vermutlich auch die Mineralien Erythrin und Kobaltit zur Herstellung von Smalte verwendet. Fertigung:
Die wohl beste Beschreibung, wie früher Smalte hergestellt wurde, stammt von Kunckel (1689): „Kobalterze wurden geröstet, um arsenhaltige Bestandteile zu entfernen. Anschliessend wurde das Erz gesiebt, mit Steinpulver gemischt, befeuchtet und für den Verkauf verpackt. Um Smalte herzustellen, wurde das gereinigte Eisenerz mit Quarzsand und Pottasche vermischt und erhitzt, bis die Masse geschmolzen war. Die entstandene Glasmasse wurde dann in kaltes Wasser getaucht, damit sie in kleine Stücke zerfiel.“ Anschliessend wurden die Glasstücke auf die gewünscht Korngrösse gemahlen. Als Zusatz wird immer die billigere Pottasche (Kaliumcarbonat) erwähnt, obwohl die damit hergestellte Glasfritte weniger stabil ist als Glas, welches mit dem teureren Soda als Fliessmittel hergestellt wurde. Eigenschaften Beimischungen, Art:
Historisch: As2O3 (0 – 8%), BaO, CaO, NaO, MgO, NiO, FeO, CuO, MnO Gefüge/Mikrostruktur:
Bei der Betrachtung durchs Mikroskop sind auffällige, splittrige, hellblaue Körnchen zu sehen. Besonderheiten:
Bei historischen Pigmenten sind Verunreinigungen durch As2O3 (0 – 8%), BaO, CaO, NaO, MgO, NiO, FeO, CuO, MnO bekannt (Mühlethaler, Thissen, 115). Wird neben SiO2 und K2O noch Eisen oder Chrom beigegeben, entsteht ein grünlicher Farbton (Stege, 121). Erscheinung:

Farbe: Blautöne
Die Farbe hängt einerseits ab vom Kobaltgehalt, andererseits von der Grösse der Pigmentkörner. Je feiner das Pigment gemahlen ist, desto blasser erscheint die blaue Farbe. Beständigkeit: Mit Pottasche hergestellte Smaltepigmente sind erfahrungsgemäss nicht farbecht. Entfärbungen von Blau zu Grau konnten in den Werken von Murillo, El Greco und Veronese nachgewiesen werden. Dies kann auf zwei verschiedene Ursachen zurückgeführt werden:
1. Auf die Farbveränderung des Bindemittels. Der Brechungsindex von Smalte und trocknenden Ölen ist fast identisch, sodass die Farbe von Smalte bei Farbverschiebungen des Bindemittels anders erscheinen.
2. Auf die Unbeständigkeit von Smalte. Diese kann mit überschüssigem, austretendem Kalium- und/oder Kobaltionen zusammenhängen, welche mit dem Öl eine Seife bildet und danach gelb bis braun erscheinen kann. Feuchtebeständigkeit: bedingt beständig
Laugenbeständigkeit: beständig
Smalte kann in der Freskotechnik eingesetzt werden und ist somit alkalienbeständig. Lösungsmittelbeständigkeit: beständig
Säurenbeständigkeit: bedingt beständig
Smalte gilt als säurebeständiges Pigment. Trotzdem konnten an einigen Smaltepigmentkörnern nach einer Behandlung mit verdünnter Chloridsäure Abbauerscheinungen beobachtet werden. Der Grund ist laut Mühlethaler, dass diese Smaltepigmente einen hohen Anteil an Pottasche enthalten. Temperaturbeständigkeit: beständig
Je nach Zusammensetzung der Fritte beständig bis 800-1000 oC UV-Beständigkeit: beständig
Witterungsbeständigkeit: beständig

Mechanische Eigenschaften: Bindemittelbedarf:
niedrig Optische Eigenschaften:

Brechungsindex: 1.46 bis 1.55 n
Lichtechtheit: beständig
Farbechtheit: mittel
Mit Pottasche hergestellte Smaltepigmente sind erfahrungsgemäss nicht farbecht. Siehe dazu auch den Abschnitt „Beständigkeit“. Maltechnische Eigenschaften:

Bindemittelechtheit: gut
Kann in allen Bindemitteln verwendet werden. Deckvermögen: schlecht
Da es sich bei Smalte um ein Glas handelt, ist seine Deckkraft gering. Dispergierbarkeit: schlecht
In Öl setzt sich das Pigment gerne ab. Es lässt sich nur schwer anreiben und ist aufgrund der Teilchengrösse in Öl und den wässrigen Medien schwierig zu streichen. Färbevermögen: schlecht
Das Färbevermögen ist sehr gering. Smalte wurde deshalb in der Wandmalerei oft auf eine schwarze oder graue Untermalung aufgetragen, wodurch seine Farbkraft erhöht werden konnte. Lasurfähigkeit: gut
Smalte weist einen ähnlichen Brechungsindex wie Öl auf. Das Pigment kann deshalb in diesem Medium sehr gut für Lasuren eingesetzt werden. Migrationsechtheit: gut
Trockenwirkung: gut
Fördert die Trocknung in Öl. Verträglichkeit: Kompatibilität:
In allen Bindemitteln einsetzbar. In Öl ist ein Absetzen des Pigments im Bindemittel zu beobachten. Gefahrgut und Sicherheitshinweise: P-Sätze:
enfällt S-Sätze:
entfällt Quellen der Kennwerte: Eastaugh, Mülethaler, Welthe, Wülfert Bearbeitung Lieferformen:
Pulver Arbeitsschutz:
Das Produkt ist nach EG-Richtlinien/GefStoffV nicht kennzeichnungspflichtig (Kremer). Beim Arbeiten mit losem Pigmentpulver ist das Tragen einer Staubmaske empfehlenswert. Lagerung und Aufbewahrung:
Pigment trocken lagern Anwendung Anwendungsgebiete:
Historisch in der Emailkunst und in der Porzellanherstellung. Ab dem 15. Jh. häufig in der Wandmalerei und in Malschichten mit wässrigen Medien. Im 16. und 17. Jh. in der Hinterglasmalerei. Heute in der Rekonstruktion von historischen Architekturoberflächen. Anwendungsbeispiele:
Byzantinische Buchmalerei aus dem 13. Jh., Tafelmalerei wie z. B. Dieric Bouts „Grablegung“ (1455), Jan Vermeer „Strasse in Delft“ (um 1659). Architekturoberflächen: Deckenmalerei Bibliothek Schloss Wildegg (1616, Marmorimitation auf Balkendecke) sowie die Eckquader des Hauses „Zum Schanzengarten“, Winterthur. Beliebt war das Pigment bei den Hinterglasmalern Hans Jakob Sprüngli („Stehende Venus mit Cupido“, um 1600) oder Hans Conrad Gyger („Vulkan überrascht Venus“, 1631). Eingesetzt wurde Smalte oft auch in der Lüstertechnik des 17. und 18. Jh. zur Imitation von Materialien wie Lapis lazuli (Haff 239 – 240, Stege, 125, Mühlethaler, 126, Wanner, Richter 117 - 121). Sammlungen

Muster in folgenden Sammlungen: Gewerbemuseum Winterthur, HSLU D+K Luzern Sentimatt
Standort in der Sammlung: Gewerbemuseum Winterthur:
Farbmittel > Schublade 13 Spezialmuster: Gewerbemuseum Winterthur:
Pigmente, Anstrichmuster HSLU D+K Luzern Sentimatt:
Ansrichmunster in den Bindemitteln Öl, Acryl, Reissträrke (Hinterglasmalerei), Eitempera, Gummi arabicum (Aquarell) und a fresco auf Kalkputz Bezugsquelle Bezugsquelle Sammlungsmuster:
Kremer Pigmente GmbH & Co. KG, Aichstetten / D Quellennachweis Verwendete Quellen:
Mühlethaler, Bruno, Thissen, Jean (1993). Smalt. In: Artists’ Pigments, A Handbook of Their History and Characteristics. Volume 2. Ashok Roy Editor. S. 131–130. New York, Oxford: Oxford University Press. Gewinnung, Geschichte und Herkunft, S. 113, Beständigkeit, S. 120, Kompatibilität, S. 116.

Stege, Heike. (2004). Out of the blue? Considerations on the early use of smalt as blue pigment in European easel painting. In: ZKK, Zeitschrift für Kunsttechnologie und Konservierung. Worms: Wernersche Verlagsgesellschaft. S. 121, 142. Weitere Quellen:
Boon, Jaap J.: Smalt, in Conservation Tate, Conservation Science, www.tate.org.uk/conservation/science/smalt.htm

Berke, Heinz. (2004). Blau und Purpur. Die Erfindung von Farbpigmenten im Altertum. In : Restauro, Zeitschrift für Kunsttechnien, Restaurierung und Museumsfragen. Callway Verlag : München. S. 401–405.

Eastaugh, N., Walsh, V., Chaplin, T., Siddall, R. (2005). Pigment Compendium. A Dictionary of Historical Pigments. Oxford: Elsevier Butterworth-Heinemann. Ethymologie, Herkunft, Fertigung und Gewinnung, S. 345.

Haff, Corinna: Pigmente und Bindemittel der Hinterglasmalerei nach 1600 und deren Analysen. In: Farbige Kostbarkeiten aus Glas, Kabinettstücke der Zürcher Hinterglasmalerei 1600–1650. S. 220–242. München, Zürich: Sellier Druck, Freising. Kunst, S. 225.

Harley, R., D. (2001). Artists’ Pigments c. 1600-1835. A Study in English Documentary Sources. London: Archetype Publications. Chemische Formel, S. 53.

Klocke, Jens, Lehmann, Jirina. (2001). Technik des Unterlegens von grobkörnigen Pigmenten. Die « Veneda » des Theophilus. In: Restauro, Zeitschrift für Kunsttechniken, Restaurierung und Museumsfragen. München : Callway Verlag. S. 373–375.

Kühn, Hermann (1984). Farbmaterialien, in Reclams Handbuch der künstlerischen Techniken. Band 1. Stuttgart: Reclam Verlag. S. 11–54.

Ludwig. R. (1851). Über die Eigenschaften von Smalte. Journal für praktische Chemie. Über: dingler.culture.huberlin.de/article/pj119/ar119091http://pse.merck.de/merck.php?lang=EN, (Ethymologie, Gewinnung)

Richter, M. (2005). Art of the Past: Sources and Reconstructions. Proceedings of the First Symposium of the Art Technological Source Research, Study Group. London: Archetype Publication. S. 117-121.

Welthe, Kurt (1967). Werkstoffe und Techniken der Malerei. Ravensburg: Otto Maier Verlag.Wülfert, Stefan (1999). Der Blick ins Bild. Ravensburg: Ravensburger Buchverlag. Expertin / Experte:
Dr. Stefan Wülfert, HKB Material-Archiv-Signatur:
FAR_PIG_ANO_SYN_33 Text verfasst von:
HSLU D&K, WA, 2013 Bilder

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