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Hanfpapier

Hanfpapier
Materialgruppen:
Papier > Handgefertigtes Papier > Geschöpftes Papier Materialbeschrieb Hanfpapier besteht aus der Faser des Nutzhanfs Cannabis sativa. Zu den ersten Papieren, die in China um 100 v. Chr. aus Faserbrei hergestellt wurden, gehören solche aus Hanffasern und Seidenabfällen, woraus bereits sehr feines Papier gemacht wurde. In der Heian-Periode (710-794 n. Chr.) wurde Hanf als Rohstoff allmählich von Kozo und Gampi, welche fortan für die Produktion von Washi verwendet wurden, verdrängt. Die Kunst der Papierherstellung gelangte erst im 12. Jh. über die Karawanenwege der Seidenstrasse nach Westen und schliesslich nach Europa, wo bis ins 19. Jh. hauptsächlich Hanf und Flachs als Rohstoff dienten. Heute spielt Hanf in der Papierproduktion eine Nebenrolle und wird eher für Spezialpapiere im Künstlerbedarf oder in der Industrie für Filter- oder Zigarettenpapiere verwendet. Für Letzteres kommt jedoch oft Manilahanf zum Einsatz, was zu Begriffsverwirrungen führt, da dieser aus den Blattscheiden der Bananenstaude Abacá oder Musa textilis stammt. Hanffasern haben eine Länge zwischen 15 und 55 mm und im Vergleich zu Baumwollfasern eine 9-fache Reissstärke. Der Ligninanteil ist bedeutend geringer als bei Holzzellstoff. Handgeschöpftes Hanfpapier weist eine raue Oberfläche und eine lebhafte Faserstruktur auf. Trotz der Stärke der Fasern ist es heute eher von niedriger Qualität. Oft werden Hanffasern mit anderen Fasern gemischt, wie z. B. mit Lokta, Kozo oder Holzzellstoff. Je nach Zusammensetzung kann das Papier säurefrei sein. Handgeschöpftes Hanfpapier wird vor allem in gestalterischen Bereichen eingesetzt, meist für dekorative Zwecke. Hintergrund Ökonomie:
Hanf ist eine schnell wachsende, jährlich wiederkehrende Pflanze, die äussest genügsam ist. Allerdings ist der Aufwand für die industrielle Produktion relativ hoch, da sich der Zellstoff zwar leicht mahlen, in der Papiermaschine aber schwer entwässern lässt. Ökologie:
Hanfpflanzen benötigen weder Pestizide noch Dünger. Sie haben starke Wurzeln, was in gewissen Anbaugebieten auch die Erosion des Bodens verhindern kann. Recycling:
Hanfpapier lässt sich gut rezyklieren, da es über lange und starke Fasern verfügt, die in den Wiederaufbereitungsprozessen wenig beschädigt werden. Herstellung Gewinnung:
Hanffasern werden aus den Stängeln von Cannabis sativa gewonnen. Die Stängel werden geschnitten, gewaschen und die Bastfasern aus der Rinde in einem langwierigen Prozess zu Brei geklopft. Die Rohmasse der Hanffasern wird je nach Papier mit anderen Fasern vermischt. Fertigung:
Für die Herstellung von Hanfpapier gibt es keinen typischen Vorgang. Je nach Region werden unterschiedliche Techniken angewendet. In Nepal erfolgt heute beispielsweise der Schöpfprozess in einem schwimmenden Sieb, das mit einem Baumwoll- oder Seidengewebe bespannt ist. Eine bestimmte Menge Faserbrei wird in den Schöpfrahmen gegeben und verteilt. Bewegt man nun den Rahmen im Wasser, setzen sich die Fasern gleichmässig auf dem Gewebe ab. Die Bogen werden zum Trocknen mit dem Rahmen in die Sonne gestellt und anschliessend vorsichtig herausgelöst. Eigenschaften Kennwerte beziehen sich auf:
In Bogen mit der flächenbezogenen Masse von 60 g/m2. Zusammensetzung/Analyse:
70% Hanffasern (Cannabis sativa), 30% Lokta/Seidelbastfasern. Erscheinung:

Farbe: Beigetöne, Brauntöne
Haptik: rau

Beständigkeit: Da Hanffasern einen geringen Ligninanteil haben, weist das Papier eine hohe Alterungsbeständigkeit auf. Mechanisch sind die Fasern vor allem auf Zug stark belastbar, wobei die Stärke des Papiers aber von der Qualität der Verarbeitung abhängt. Mechanische Eigenschaften:

Flächengewicht: 60.00 bis 120.00 g/m2


Bearbeitung Lieferformen:
In Bogen von ca. 50x75 cm, in den beiden flächenbezogenen Massen von 60 und 120 g/m2. Lieferbare Materialqualitäten:
Bei Hanfpapieren ist auf die Zusammensetzung zu achten, da selten zu 100% Hanffasern aus Cannabis sativa verarbeitet werden. Je nach Zugabe von Holzschliff oder anderen Planzenfasern wie Lokta unterscheiden sich bei den Produkten sowohl die Oberflächenqualität als auch der Säuregehalt. Der Begriff Hanfpapier wird zuweilen auch bei Verwendung von anderen Hanffasern wie z. B. Manilahanf, Sisalhanf, Bombay- oder Aloehanf benutzt. Fügen und Verbinden: kleben
Oberflächenbehandlung: bemalen, bedrucken
Trennen und Subtrahieren: schneiden, stanzen

Anwendung Anwendungsgebiete:
Buchbinderei,
Kunsthandwerk,
Bastelbedarf. Sammlungen

Muster in folgenden Sammlungen: ETH Zürich Baubibliothek, Gewerbemuseum Winterthur, HKB Bern Fellerstrasse, HSLU T+A Campus Horw, ZHdK Medien- und Informationszentrum
Standort in der Sammlung: ETH Zürich Baubibliothek:
ZP-PH | Papiere, handgefertigt Gewerbemuseum Winterthur:
Papier > Schublade 52 HKB Bern Fellerstrasse:
KuR Bezugsquelle Bezugsquelle Sammlungsmuster:
boesner Künstlerbedarf Quellennachweis Verwendete Quellen:
Weber, Th. (2004). Die Sprache des Papiers. Eine 2000-jährige Geschichte. Bern, Stuttgart, Wien: Haupt Verlag.
Göttsching, L. & Katz, C. (1999). Papier Lexikon. Gernsbach: Deutscher Betriebswirte Verlag GmbH. Weitere Quellen:
Boesner, (2008/2009). Produktekatalog. Witten: Westerwege GmbH. Material-Archiv-Signatur:
PAP_HAN_GES_8 Bilder

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