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Kokosfasern

Kokosfasern
Materialgruppen:
Pflanzliche Werkstoffe > Pflanzliche Fasern Materialbeschrieb Als Kokosfasern oder Coir bezeichnet man die Fasern der äusseren Umhüllung (Mesocarp) einer Kokosnuss. Kokosfasern gehören zu den Hartfasern. Die verwertbaren Fasern der Kokosnuss liegen zwischen der äusseren Faserhülle und der Steinschicht, die das Fruchtfleisch (Kopra) und das Fruchtwasser umschliesst. Für eine Tonne Kokosfasern werden ca. 13000 Kokosnüsse benötigt. Die 15-30 cm langen Fasern sind hohl, elastisch und stark verholzt. Sie sind beständig gegen Feuchtigkeit und Fäulnis und gelten zu Recht als strapazierfähig, scheuer- und verrottungsfest. Kokosfasern sind formbeständig, insektensicher und diffusionsoffen, wirken also feuchteausgleichend, und sind elektrostatisch nicht aufladbar. Die aus den Fasern hergestellten Produkte sind langlebig, pflegeleicht, schalldämmend, antibakteriell und antistatisch. Nach dem Röstvorgang im Wasser werden die Fasern in Handarbeit oder auch maschinell voneinander getrennt. Noch im feuchten Zustand erfolgt die Sortierung nach Farbe und Feinheit. Anschliessend folgt die natürliche (Sonne) oder maschinelle (Trockenstrasse) Trocknung. Erneutes Sortieren dient der Trennung der kämmbaren Fasern von den Wirrfasern. Kokosfasern von unreifen Früchten eignen sich für Anwendungen im Textil- oder Wohnbereich und werden zu Schnüren, Seilen oder Teppichwaren verarbeitet. Fasern von reifen Früchten haben einen höheren Holzanteil und lassen sich nicht verspinnen. Sie werden als Füllmaterial für Matratzen und Polster oder zur Wärmedämmung verwendet. Im Baubereich werden Kokosfasern vor allem als Dämmstoff eingesetzt. Abkürzung:
CC Andere Bezeichnungen/Synonyme:
Coir Lateinische Bezeichnung:
Cocos nucifera Italienische Bezeichnung:
Fibra di cocco Französische Bezeichnung:
Fibre de Coco Englische Bezeichnung:
Coir fibre oder coco fibre Hintergrund Etymologie:
Kokos als Begriff für die Produkte der Kokospalme geht auf das spanische Wort coco mit der Bedeutung Samen zurück. Ökonomie:
Da die meisten Hartfasern in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts durch Chemiefasern ersetzt worden sind, machen Kokosfasern im Welthandel nur noch einen kleinen Prozentsatz aus. Ökologie:
Kokosfasern sind ein nachwachsender Rohstoff, der ausreichend vorhanden ist, und man kann die Fasern kompostieren. Dagegen stehen die langen Transportwege sowie die in den Anbaugebieten entstehenden Monokulturen. Weiterhin sind die heutigen, hybriden Plantagenpflanzen sehr anfällig und nur mit Kunstdüngern und Pestiziden zu betreiben. Auch die Röstung direkt im Meer ist nach heutigem Stand umweltbelastend, da durch diese Methode Faulstoffe und toxische Stoffe ins Meerwasser freigesetzt werden. Herstellung Herkunft, geografische Region:
Sri Lanka (Zentrum der Kokosfaserindustrie), Indien, Indonesien, Thailand, Malaysia, Vietnam, Papua Neuguinea sowie tropische Regionen Afrikas, Mexikos und Brasiliens Gewinnung:
Die Faserschicht wird direkt nach der Ernte vom Steinkern getrennt. Um die Fasern vom umliegenden Gewebe zu trennen, macht man sich den Pektinabbau von Mikroorganismen zunutze. Dazu werden die Faserbündel zur Verrottung des Pektins einer Wasserröste unterzogen und 6-9 Monate, von oben beschwert, unter Meerwasser in Brackwasser oder Tanks gelagert. Danach werden die Fasern mit klarem Wasser abgespült und per Hand oder maschinell ausgeklopft. Eigenschaften Zusammensetzung/Analyse:
Kokosfasern bestehen zu 45 % aus Lignin und zu 44 % aus Zellulose. Besonderheiten:
Kokosfaserdämmplatten bestehen in der Regel aus Kokosfasern, denen Brandschutzmitteln zugegeben wurden. Im Baubereich sollten bituminierte Kokosfaserdämmplatten vermieden werden. Erscheinung:

Farbe: Brauntöne
Geruch: neutral
Haptik: rau, handwarm

Beständigkeit:

Feuchtebeständigkeit: unbeständig
Witterungsbeständigkeit: beständig

Mechanische Eigenschaften:

Dichte [ρ]: 75.00 bis 120.00 kg/m3
Der Wert bezieht sich auf Kokosfasern als Wärmedämmstoff, d.h. auf die Rohdichte der Menge aller Fasern (inklusive Hohlräumen). Hygrische Eigenschaften:

Wasserdampfdiffusionswiderstandszahl [µ]: 1.00 bis 2.00

Thermische Eigenschaften:

Wärmeleitfähigkeit/-zahl [λ]: 0.040 bis 0.050 W/mK

Brandverhalten:

Rauchentwicklung (EN 13501-1:2002): s1 keine / kaum Rauchentwicklung
Brennendes Abtropfen (EN 13501-1:2002): gering


Bearbeitung Lieferformen:
Gepresst oder ungepresst werden Kokosfasern in Ballen, Matten oder Rollen geliefert. Lieferbare Materialqualitäten:
Man unterscheidet im Handel meist zwischen drei Fasertypen von Kokosfasern: Bristle (lang und kräftig), Omat (liegt in ihrer Länge und Stärke zwischen Mattress und Bristle) und Mattress (kurze Wirrfasern). Besonderheiten:
Je nach späterer Nutzung verwendet man unreife Früchte für möglichst feine Fasern, reife für grobe Fasern. Veredelung:
Um aus den Fasern Dämmstoffe herzustellen, werden sie nach dem Verrottungsprozess zu einem Vlies verarbeitet. Zu Brandschutzzwecken werden Borsalze und Ammoniumsulfat zugegeben. Kokosfaserdämmstoffe werden als Filz, Matten oder Platten angeboten und mitunter mit Bitumen imprägniert. Kokosfasern werden zum Teil gebleicht und gefärbt, da sie eine Tendenz zum Nachdunkeln aufweisen Arbeitsschutz:
Bei der Verarbeitung von Rollen, Ballen oder Matten aus Kokosfasern kann sich Staub entwickeln. Um Beschwerden der Atemwege zu vermeiden, wird das Tragen von Atemschutzmasken empfohlen. Konservierung: Schutz und Pflege:
Beim Transportieren der Kokosfasern ist es wichtig, dass sie keine Feuchtigkeit aufnehmen, da sonst Flecken entstehen oder sich Schimmelpilze bilden können. Anwendung Anwendungsgebiete:
Innenausbau, Wohnen: Heimtextilien, Gartenbedarf
Bausektor: Dämmmaterial Anwendungsbeispiele:
Innenausbau, Wohnen: Seile, Matten, Teppiche, Füllmaterial für Matratzen
Bausektor: Ausstopfen von Restflächen, Zwischenwand-/Hohlraumdämmung, Trittschalldämmung, Hohlraumdämmung, Vorsatzschalen, Luftschalldämmung Sammlungen

Muster in folgenden Sammlungen: ETH Zürich Baubibliothek, Gewerbemuseum Winterthur, HSLU T+A Campus Horw, Sitterwerk St. Gallen, ZHdK Medien- und Informationszentrum
Standort in der Sammlung: ETH Zürich Baubibliothek:
ZV-CC Gewerbemuseum Winterthur:
Pflanzliche Werkstoffe > Schublade 2 Spezialmuster: HSLU T+A Campus Horw:
Kokos Füllfasern, Kokosfasermatte Bezugsquelle Bezugsquelle Sammlungsmuster:
Toggenburger & Co. AG (Schweiz), Marthalen Quellennachweis Verwendete Quellen:
Holzmann, G. (2009). Natürliche und pflanzliche Baustoffe. Wiesbaden: Vieweg und Teubner.
Schenek, A. (2000). Naturfaserlexikon. Frankfurt am Main, Deutschland: Deutscher Fachverlag GmbH.
Satlow, G., Zaremba, S., Wulfhorst, B. (1994). Faserstoff-Tabelle: Flachs sowie andere Bast- und Hartfasern. Aachen, Deutschland: Sonderdruck. Weitere Quellen:
www.waermedaemmstoffe.com/htm/kokos.htm
www.toggenburger.com/de/index.php?cont=produkte/traditionell.htm&nav=produkte.php&act=21 Expertin / Experte:
Gerhard Holzmann, Klostergasse 27, D-86465 Welden Material-Archiv-Signatur:
PFL_FAS_8 Bilder

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