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Reisstrohpapier

Reisstrohpapier
Materialgruppen:
Papier > Handgefertigtes Papier > Geschöpftes Papier Materialbeschrieb Reisstrohpapier ist ein handgeschöpftes Papier aus der Grasfaser der Reispflanze. Nicht zu verwechseln mit Reispapier aus dem Mark des Reispapierbaumes oder dem essbaren, oblatenartigen Material aus Reiskörnern, das ebenfalls unter dem Namen Reispapier in der asiatischen Küche verwendet wird. Reisstrohpapier findet in Asien, vor allem in Indonesien, immer noch eine grosse Verbreitung, da durch den Reisanbau grosse Mengen an Stroh anfallen. Die ästhetisch und haptisch eher geringe Qualität entspricht jedoch nicht der westlichen Vorstellung von asiatischem, handgeschöpftem Papier. Deshalb dient es vor allem als preiswertes Verbrauchsmaterial. Das eher gelbliche Papier ist dick und fühlt sich tuchartig an. Seine Oberfläche ist rau und stark strukturiert. Je nach Produktion können die Bogen sogar Reste von Reiskörnen aufweisen. Trocknet das Papier auf einer beheizten Metallplatte, wird die unten liegende Seite sehr glatt. Wegen seiner rauen und strukturierten Oberfläche eignet sich Reisstrohpapier wenig für die Kalligraphie. Es lässt sich jedoch leicht bedrucken und mit Metallfolien laminieren. Für den kaiserlichen Hof Chinas wurde im 14. Jh. Reisstrohpapier in grossen Mengen produziert, u. a. als parfümiertes Toilettenpapier. Noch heute kommt es vor allem als Hygienepapier und Verpackungsmaterial zum Einsatz, oder als aufkaschiertes Basispapier von Grastapeten. Beim Goldblatthandwerk in Burma dienen die reissfesten Reisstrohpapiere und ebenso Bambuspapiere als Zwischenlagen, wenn die Goldschichten hauchdünn geschlagen werden. Die Blätter werden bis zu 70 Mal verwendet. In Indonesien dient Reisstrohpapier zudem zum Ausbügeln des Wachses nach dem Färben durch Batikverfahren. Hintergrund Mythologie:
Bedruckt und mit Metallfolien laminiert, dienen Reisstroh- und Bambuspapiere im asiatischen Raum sowohl Buddhisten als auch Taoisten als Geister- oder Opferpapier. In Zeremonien und Ritualen werden Ahnen, die in das Leben ihrer Nachkommen einzugreifen versuchen, mit solchen Opferpapieren wohlgestimmt, seien es durch Grabbeigaben oder Feueropfer. Diese Papierscheine lösten Metallmünzen oder Geistergeld aus quadratischen Zinnfolien ab, die seit dem 10. Jh. als Opfergabe dienten. Noch anfangs des 20. Jh. gehörte die Anfertigung von Opferpapieren zu den grössten Aufträgen der Handpapiermacherei in China. Herstellung Gewinnung:
Reisstroh ist ein Abfallmaterial aus dem Reisanbau, das in grossen Mengen anfällt und somit ein billiger Rohstoff ist, der auch als Füllstoff für minderwertige Japanpapiere verwendet wird. Durch das Schlagen oder Stampfen des Strohs bildet sich der benötigte Faserbrei für die Bogenproduktion. Fertigung:
Vergleichbar mit dem Herstellungsverfahren der handgeschöpften Papiere Japans oder Europas, werden die zu einem Brei gestampften Fasern in Wasser aufgelöst. Mit einem schwimmenden oder einem Schöpfsieb werden die Bogen einzeln aus der Fasersuspension geschöpft, in Stapeln gepresst und schliesslich getrocknet. Einige Hersteller trocknen die Bogen auf beheizten Metallplatten. Eigenschaften Kennwerte beziehen sich auf:
In Bogen oder Rollen Zusammensetzung/Analyse:
Reisstrohfasern Erscheinung:

Farbe: Beigetöne
Haptik: rau, weich


Bearbeitung Lieferbare Materialqualitäten:
Je nach Hersteller sehr unterschiedliche Qualitäten, von rauh bis einseitig sehr glatt. Verschiedene Dicken. Anwendung Anwendungsgebiete:
Druckgewerbe,
Innenausbau. Anwendungsbeispiele:
Toilettenpapier in Asien
Zigarettenpapier,
Verpackungsmaterial,
Basispapier für Grastapeten,
Lampenschirme und Lampions,
Papiergeld für Zeremonien. Quellennachweis Verwendete Quellen:
Weber, Th. (2004). Die Sprache des Papiers. Eine 2000-järige Geschichte. Bern, Stuttgart, Wien: Haupt Verlag.
Turner, S. (1998). The Book of Fine Paper. London: Thames and Hudson.
Kühn, H., & Michel, L. (1986). Papier. München: Deutsches Museum. Material-Archiv-Signatur:
PAP_HAN_GES_6

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