MATERIALARCHIV

Büttenpapier handgeschöpft

Büttenpapier handgeschöpft
Materialgruppen:
Papier > Handgefertigtes Papier > Geschöpftes Papier Materialbeschrieb Ursprünglich ist Büttenpapier ein handgeschöpftes Papier aus Hadern, dessen typisches Merkmal der unregelmässige, faserige und 4-seitige Büttenrand ist. Die Bütte, die dem Papier den Namen gibt, ist ein Holzbottich für den wasserverdünnten Faserstoff, aus dem die Papierbogen geschöpft werden. Die für Büttenpapier noch heute verwendete Technik greift auf die Anfänge der europäischen Papierherstellung seit dem 12. Jh. zurück. Bis zum Beginn des 19. Jh., als die industrielle Massenproduktion von Papier einsetzte, deckte in den westlichen Ländern dieses handgeschöpfte Papier den gesamten Bedarf an bedruck- und beschreibbaren Papier ab. Qualitativ hochstehende Büttenpapiere bestehen aus Hadern oder holzfreien Zellstoffen und sind somit säurefrei und alterungsbeständig. Diese Rohstoffe sind langfaserig, weshalb das Büttenpapier keine Dehn- und Laufrichtung hat. Durch verschiedene Zusätze wie Leim oder Füllstoffe, z. B. Stärke oder Kreide, werden unterschiedliche Qualitäten erreicht. Ein qualitatives Merkmal für die Handarbeit ist der 4-seitige, echte Büttenrand. Das getrocknete Büttenpapier kann nachträglich geglättet, geleimt oder versiegelt werden.
Zu Dekorationszwecken werden dem handgeschöpften Büttenpapier verschiedene Materialien wie Blütenblätter, Gräser oder Tierhaare beigemischt. Büttenpapier eignet sich für alle Drucktechniken im Kunstdruckbereich. Es kann auch für Zeichen- und Maltechniken verwendet werden, je nach Leimung des Papiers. Beliebt ist es auch für Urkunden oder als Briefpapier gehobeneren Standards mit Büttenumschlag. Englische Bezeichnung:
hand made paper Hintergrund Ökonomie:
Bevor im 19. Jh. die industrielle Papierherstellung Einzug hielt, war die Produktion von handgeschöpftem Papier von grosser Bedeutung. Davon zeugen die zahlreichen, als Papiermühlen bezeichneten Produktionsstätten, die vor allem im 15. Jh. errichtet wurden. Während früher das Büttenpapier einen grossen Bedarf an Druck- und Dokumentenpapier zu decken hatte, wird heute ausschliesslich für den Künstlerbedarf produziert. Herstellung Gewinnung:
Bis ins 19. Jh. waren Hadern, also alte Lumpen aus Leinen, Hanf oder Baumwolle, der einzige Rohstoff für die Papierherstellung in Europa. Heute sind es bei Büttenpapier von hoher Qualität grösstenteils Abfälle aus der Textilindustrie. In der Lumpenstampfe wird das Material schrittweise von eisenbewehrten Hämmern zerfasert und zur Erhöhung des Weissgrades durch zugeführtes Frischwasser gereinigt. Nach etwa 24 Stunden Stampfarbeit sind keine Gewebereste mehr sichtbar. Die Einzelfasern werden in Wasser zu einem Brei, auch Fasersuspension oder Ganzzeug genannt, aufgelöst. Heute kommt in der Büttenpapierherstellung vermehrt auch Zellstoff zum Einsatz. Fertigung:
In der Schöpfbütte wird die Fasersuspension stark verdünnt. Die Schöpfform, bestehend aus Sieb und begrenzendem Formatrahmen, wird nach dem Schöpfen leicht geschwenkt, um den Papierstoff regelmässig zu verteilen. Das nasse Papiervlies kommt zum Gautschen stapelweise zwischen Filzmatten zu liegen und verliert unter der Spindelpresse den grössten Teil seines Wassergehalts. Nach einem weiteren Pressvorgang trocknen die Bogen an Wäscheleinen. Zur Nachbearbeitung werden sie gepresst und mit einem Glättstein geglättet. Da die Fasern leicht benetz- und quellbar sind, können sie mittels einer Leimung versiegelt werden. Dies geschah bis Anfang des 19. Jh. durch Eintauchen der Papiere in Tierleim, wird heute aber durch eine Masseleimung, d. h. durch Zugabe von Leim zur Fasersuspension gelöst. Eigenschaften Kennwerte beziehen sich auf:
Bogen Zusammensetzung/Analyse:
Bei hoher Qualität zu 100% Hadern (Lumpen) oder Baumwollfaserstoff (Linters), sonst unter Beimischung von Zellstoff. Erscheinung:

Farbe: Weisstöne
Haptik: samtig

Beständigkeit: Qualitativ hochstehendes Büttenpapier, allen voran solches aus 100% Hadern, ist sowohl optisch als auch mechanisch sehr beständig. Im Verlauf des 19. Jh. kam in der Büttenpapierherstellung auf Grund des Hadernmangels vermehrt auch Zellstoff zum Einsatz, was die Blätter jedoch schneller altern lässt. Das Papier wird ebenfalls geschwächt durch Masseleimung anstelle der Oberflächenleimung durch Eintauchen. Der Masse beigemischtes Alaun bzw. Aluminiumsulfat hydrolisiert mit Wasser aus der Umgebungsluft zu Schwefelsäure, welches die Cellulose im Papier zersetzt. Bearbeitung Lieferformen:
In Bogen, von Kleinformaten bis ca. 80 x 120 cm (produkteabhängig). Lieferbare Materialqualitäten:
Lieferqualitäten
Der Name Büttenpapier allein ist kein verlässlicher Qualitätsbegriff. Die Bezeichnung Echt-Bütten darf nur bei handgeschöpftem oder auf einer Rundsiebmaschine hergestelltem Büttenpapier angewandt werden. Einzig bei diesen beiden Verfahren entsteht der typische Büttenrand organisch während der Bildung des Bogens. Imitierte Büttenpapiere werden auf Langsiebmaschinen in Bahnen hergestellt und erhalten den sogenannten unechten Büttenrand durch Quetschen, Stanzen, Abspritzen oder unregelmässiges Beschneiden. Anwendung Anwendungsgebiete:
Buchdruck (v.a. historisch)
Kunstdruck
Zeichen- und Maltechniken
Kunsthandwerk Sammlungen

Muster in folgenden Sammlungen: ETH Zürich Baubibliothek, Gewerbemuseum Winterthur, HKB Bern Fellerstrasse, HSLU T+A Campus Horw, Sitterwerk St. Gallen, ZHdK Medien- und Informationszentrum
Standort in der Sammlung: ETH Zürich Baubibliothek:
XMC 2.01 Gewerbemuseum Winterthur:
Papier > Schublade 21 HKB Bern Fellerstrasse:
KuR Quellennachweis Verwendete Quellen:
Kühn, H., & Michel, L. (1986). Papier. München: Deutsches Museum.
Göttsching, L. & Katz, C. (1999). Papier Lexikon. Gernsbach: Deutscher Betriebswirte Verlag GmbH. Weitere Quellen:
Franzke, J. (Hrsg.). (1990). Zauberstoff Papier - Sechs Jahrhunderte Papier in Deutschland. München: Hugendubel.
Boesner. (2008/2009). Produktekatalog. Witten: Westerwege GmbH. Expertin / Experte:
Bruna Lanfranchi Material-Archiv-Signatur:
PAP_HAN_GES_2 Bilder

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