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Überfangglas

Überfangglas
Materialgruppen:
Glas > Glaswerkstoffe > Flachglas > Ziehglas Materialbeschrieb Überfangglas ist - im Gegensatz zu einfach durchgefärbtem Glas - ein im Mundblasverfahren hergestelltes, farbloses oder farbiges Glas, bei dem vom Glasbläser eine oder mehrere farbige Glasschichten auf einen klaren Glaskern aufgeschmolzen werden. Bei der Überfangtechnik wird der an der Glasmacherpfeife angesetzte flüssige Glasballon (Kölbel) in einem nächsten Schritt mit einer dünnen, farbigen Glasschicht überfangen und in Form geblasen.
In der Herstellung von Überfangglas als Flachglas sind die Variationsmöglichkeiten nahezu unbegrenzt. So gibt es z. B. mehrfarbige Überfänge, gleichmässige Verläufe, unterschiedliche Schattierungen, wolkige oder aufgerissene Farbmuster. Form- und Farbgebung sind dabei in erheblichem Mass vom Können und der Erfahrung des Glasbläsers abhängig. Mittels verschiedener Schleiftechniken lassen sich bei Überfanggläsern die Farbschichten beliebeig durchtrennen, sodass die darunterliegende Farbschicht zum Vorschein kommt. Die insgesamt gesehen arbeitsaufwändigen Gläser sind in ihrer Form und ihren verschiedenen Farben kunstvolle Luxusgläser. Das Milchüberfangglas ist im Bauwesen am bekanntesten. Es wird z. B. für blendfreie Raumausleuchtung oder durchscheinende Fenster in Sanitärräumen verwendet. Andere Bezeichnungen/Synonyme:
Mehrschichtfarbglas Französische Bezeichnung:
verre de camée Englische Bezeichnung:
cameo glass, flashed glass Hintergrund Geschichte:
Bereits in der Antike war die Überfangtechnik bei der Herstellung von Hohlgläsern bekannt, geriet in der Folge jedoch in Vergessenheit. Im 18. Jh. erlebte das Überfangglas zuerst in der ostasiatischen Glaskunst, im 19. Jh. dann auch in Europa eine neue Blütezeit. Hier fand es vor allem im Biedermeier und im Jugendstil bei der Herstellung von Hohlgläsern Verwendung. Zentren der Herstellung befanden sich im 19. Jh. in Böhmen, in der Niederlausitz und im französischen Saint-Louis. Herstellung Fertigung:
Bei der heute gebräuchlichen Herstellung von Überfangglas wird ein Posten aus flüssigem Glas an der Spitze der Glasmacherpfeife angebracht und zu einem Glasballon (Kölbel) aufgeblasen. Je nach Kölbelform entstehen beim späteren Überfang verschiedene Farbverläufe und Schattierungen. Ein runder Kölbel ergibt einen gleichmässigen Farbüberzug, ein birnenförmiger einen Farbverlauf, während kleine Kerben im Glasballon eine abgerissene Farbstruktur erzeugen.
Beim Überfangprozess wird der Kölbel in eine flüssige, farbige Glasmasse eingetaucht oder mit der farbigen Glasmasse übergossen und dann aufgeblasen. Dann werden beide Enden des Ballons abgetrennt und geweitet, sodass ein Zylinder entsteht. Nach Durchlaufen einer Kühlstrasse wird der Zylinder der Länge nach aufgeschnitten, erneut erhitzt, aufgeklappt und flachgelegt.
Alternativ kann Überfangglas als Flachglas auch durch das Verschmelzen von aus benachbarten Schmelzwannen gezogenen Klarglas- und Trübglasbändern hergestellt werden. Auf diese Weise wird z. B. das sogenannte Milchglas produziert. Eigenschaften Zusammensetzung/Analyse:
Erdalkalisilikatglas Erscheinung:

Farbe: mehrfarbig
Die gezielte Steuerung der Farbe ist immer vom jeweiligen Glasbläser abhängig und ermöglicht dadurch eine beinahe unbegrenzte Möglichkeit der Farbgebung. Geruch: neutral
Haptik: glatt


Bearbeitung Lieferformen:
Überfangglas wird in Tafeln von ca. 60x90 cm geliefert. Die Stärke der Glastafeln beträgt durchschnittlich 3 mm. Je nach Strukturierung und Anzahl farbiger Schichten kann die Stärke jedoch variieren. Oberflächenbearbeitung: gravieren, schleifen
Mit verschiedenen Schleif- und Gravurtechniken kann man bei Überfanggläsern (Hohlglas) die Farbschichten durchtrennen und durch den Kontrast zur darunterliegenden Farbschicht interessante Muster erzielen. Trennen und Subtrahieren: schneiden
Konservierung: Schutz und Pflege:
Verunreinigungen der Glasoberfläche, die durch Einbau und Verglasung sowie Aufkleber oder Distanzplättchen entstanden sind, können mit einem weichen Schwamm oder einem glatten Kunststoffspachtel mit viel warmer Seifenlauge vorsichtig abgelöst werden. Sind alkalische Baustoffe wie Zement, Kalkmörtel o. Ä. auf die Glasoberfläche gelangt, so müssen diese, solange sie noch nicht abgebunden haben, mit viel Wasser abgespült werden. Anwendung Anwendungsgebiete:
Innenarchitektur, Kunsthandwerk, Design. Anwendungsbeispiele:
Leuchtabdeckungen, Gebrauchs- und Ziergläser, blendfreie Raumausleuchtung, durchscheinende Fenster in Sanitärräumen, Glasfiguren. Sammlungen

Muster in folgenden Sammlungen: ETH Zürich Baubibliothek, Gewerbemuseum Winterthur, HSLU T+A Campus Horw, Sitterwerk St. Gallen
Standort in der Sammlung: ETH Zürich Baubibliothek:
GL-FG-FM | Flachgläser > Mundgeblasene Flachgläser Gewerbemuseum Winterthur:
Glas > Schublade 13 HSLU T+A Campus Horw:
Ebenau 22 Spezialmuster: HSLU T+A Campus Horw:
diverse Farben auf Assistenz D401 Bezugsquelle Bezugsquelle Sammlungsmuster:
Glashütte Lamberts Waldsassen GmbH Quellennachweis Verwendete Quellen:
Glashütte Lamberts (2011). www.lamberts.de/produkte/ueberfangglas.html#content. 04.04.2018. Weitere Quellen:
Hartmann, P. W. (1996). Kunstlexikon. Wien: Beyars GmbH. Material-Archiv-Signatur:
GLA_WER_FLA_ZIE_4 Text verfasst von:
HSLU T+A, HS, 2013 Bilder

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