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Tapa

Tapa
Materialgruppen:
Papier > Handgefertigtes Papier > Geklopftes > Gepresstes Papier Materialbeschrieb Tapa bedeutet soviel wie geklopft oder gehämmert. Der Name ist phonetischer Herkunft und beschreibt das Geräusch des Prozesses, bei dem das Innere des Rindenbasts von Brotfrucht-, Maulbeer- oder Feigenbäumen zu einem Faservlies geklopft wird. Trotz seiner papierähnlichen Erscheinung unterscheidet sich Tapa in den Verarbeitungsprozessen von Papier und wird deshalb als Pseudopapier bezeichnet. Das Alter der einfachsten Tapa-Technik wird auf etwa 15'000 Jahre geschätzt. Wie Papyrus gilt Tapa als ein Vorläufer des Papiers, da es nicht geschöpft oder gegossen ist, sondern aus zusammenhängenden Pflanzenfasern zu einer Fläche geklopft wird. Diese Herstellung war weit verbreitet, im sogenannten Tapa-Gürtels entlang des Äquators, ursprünglich in Polynesien und Indonesien, von wo es sich nach Mittel- und Südamerika sowie Zentralafrika ausbreitete.
Amate wird in einer verfeinerten Tapatechnik erzeugt, die bei den meisten Stämmen von Bolivien bis nach Chiapas und Yucatan verbreitet war. In der aztekischen Sprache bedeutet amatl sowohl Papier als auch Feigenbaum. Tapa und Amate sind tuchähnliche Materialien, die sehr strapazierfähig sind, da ihre starken Fasern vliesartig miteinander verbunden sind. Die Oberfläche von Tapa ist eher grobfaserig, während Amate so fein erzeugt werden kann, dass es sich sehr gut als Gewänderrohstoff eignet. Die für Tapa und Amate verwendeten Rinderbaste enthalten ein Latexextrakt, das die Papierbogen imprägniert. Durch Verkleben der übereinander gelegten Seitenränder mit natürlichen Harzen können aus einzelnen Bogen beliebig grosse Flächen geschaffen werden. Tapa und Amate wurden nicht nur als Beschreibstoff oder Malunterlage verwendet, sondern dienten aufgrund ihres textilen Charakters auch zur Herstellung von Kleidern, Kostümen oder Fahnen. Heute werden sie vorwiegend für Dekorationen verwendet. Aufgrund seiner Strapazierfähigkeit eignet sich Tapa auch für Bucheinbände und Überzüge. Alternative Schreibweise(n):
Amate oder Amatl Ähnliche Materialien:
[[Rindentuch|Rindentuch]] Hintergrund Ökonomie:
Heute werden Tapa und Amate nur noch in kleinen Handwerksstätten wie z. B. der Otomi-Indianer in Südmexiko hergestellt und kommen in Form von bunt bemalten Papieren auf den Touristenmarkt. Mythologie:
Amate diente nicht nur als gewöhnlicher Beschreibstoff oder als Träger für den Stempeldruck. Es galt als heilig, weswegen es bereits im 1. Jh. v. Chr. in religiösen und magischen Kulten eingesetzt wurde. Ausgeschnittene Figuren aus hellem und dunklem Papier symbolisierten gute oder böse Geister in Ritualen zur Heilung von Krankheiten, für die Fruchtbarkeit und Göttersegen. Herstellung Gewinnung:
Verwendet werden bis zu 2 m lange astfreie Stämme von Brotfrucht-, Maulbeer- oder Feigenbäumen, von denen die Rinde über das dünnere Ende abgezogen wird. Von der noch feuchten Rinde wird die äussere Bastschicht abgeschabt, bis die innere, weichere Rindenschicht übrig bleibt. Im Wasser gelagert sind die Fasern vor dem Austrocknen geschützt. Fertigung:
Vor der Verarbeitung können die Fasern bis zu 8 Stunden gekocht werden. Die Zugabe von Holz- oder Kalkaschenlauge beschleunigt den Prozess, die Fasern geschmeidig zu machen. In einem arbeitsintensiven Prozess werden nun die Faserstreifen auf einer Stein- oder Holzunterlage in kreuzweisen Lagen angeordnet und mit einem Tapaklopfer, z. B. dem Muini-to, einem gerippten Stein, geklopft. Dabei trennen sich die Fasern zunehmend voneinander und verbinden sich gleichzeitig. Das Material kann mehrere Male gefaltet und geschlagen werden, so dass es sich bis zu seinem Zehnfachen auf eine Fläche von ca. 50 cm vergrössert. Das so entstandene Vlies ist in sich stabil und wird zum Trocknen auf ein Brett aufgezogen oder ausgelegt. Eigenschaften Kennwerte beziehen sich auf:
In Bogen Zusammensetzung/Analyse:
Fasern des Brotfrucht-, Maulbeer- oder Feigenbaums Erscheinung:

Farbe: Beigetöne, Grautöne, Grüntöne
Haptik: glatt, samtig


Bearbeitung Lieferformen:
In Bogen Lieferbare Materialqualitäten:
Verschiedene Stärken, je nach Anzahl der Lagen.
Verschiedene Farben, je nach Herkunft und Rohstoffen. Anwendung Anwendungsgebiete:
Mode, Schneiderei,
Buchbinderei,
Druckgewerbe.

Künstlerbedarf Anwendungsbeispiele:
Papeteriewaren,
Polstermöbelüberzüge,
Touristenartikel,
Souvenierartikel. Sammlungen

Muster in folgenden Sammlungen: ETH Zürich Baubibliothek, Gewerbemuseum Winterthur, HKB Bern Fellerstrasse, Sitterwerk St. Gallen, ZHdK Medien- und Informationszentrum
Standort in der Sammlung: ETH Zürich Baubibliothek:
ZP-PS | Pseudopapiere (papierähnliche) Gewerbemuseum Winterthur:
Papier > Schublade 12 HKB Bern Fellerstrasse:
KuR Spezialmuster: Gewerbemuseum Winterthur:
A4 Bezugsquelle Bezugsquelle Sammlungsmuster:
Tapa Atelier, Uster Quellennachweis Verwendete Quellen:
Bericht der Schweizerischen Papierhistorischen Sammlung in Basel. (1961). Älteste Papierbereitungsverfahren in Mittelamerika [Broschüre]. Basel: W. Tschudin.
Weber, Th. (2004). Die Sprache des Papiers. Eine 2000-järige Geschichte. Bern, Stuttgart, Wien: Haupt Verlag.
Turner, S. (1998). The Book of Fine Paper. London: Thames and Hudson. Expertin / Experte:
Bruna Lanfranchi Material-Archiv-Signatur:
PAP_HAN_GEK_3 Bilder

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