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Berner Sandstein

Berner Sandstein
Materialgruppen:
Gesteine > Ablagerungsgesteine > Sandsteine Materialbeschrieb Berner Sandstein ist ein feinkörniger, homogener Sandstein, der in grau-grünlichen, grau-gelblichen und grau-bläulichen Varietäten vorkommt. Fast die gesamte Berner Altstadt ist geprägt durch den Berner Sandstein. Dieser wird noch heute in Spiegel am Gurten im Süden von Bern sowie in Krauchthal und Ostermundigen nordöstlich von Bern abgebaut. Berner Sandstein ist porenreich, hat somit eine hohe Wasseraufnahme und ist von geringer Druckfestigkeit. Er gilt als weiches Gestein. Insgesamt ist er mässig wetterfest, je nach Vorkommen und Varietät gibt es allerdings bedeutende Unterschiede. Die besten und härtesten Qualitäten liefert der Steinbruch am Gurten. Berner Sandstein besteht vorwiegend aus Quarzkörnern, reichlich Glaukonit – der dem Sandstein die bläulich-grünliche Färbung verleiht – sowie etwas Glimmer. Der teilweise lose Kalk macht rund ein Viertel des Mineralbestands aus. Berner Sandstein lässt sich sehr gut vom Steinmetz bearbeiten. Wie die Mehrheit der Sandsteine ist er nicht polierbar. Berner Sandstein wurde in der Vergangenheit vor allem als Mauerstein wie auch für Steinmetzarbeiten im Innen- und Aussenbereich verwendet. Während der Stein vom Gurten heute fast ausschliesslich für den Erhalt des Berner Münsters reserviert ist, wird der Stein aus Ostermundigen und Krauchthal sowohl in der Denkmalpflege als auch für architektonische Zwecke im Innen- und Aussenbereich und für den Ofenbau verwendet. Ähnliche Materialien:
Molasse de Massonnens, Molasse de Villarlod Petrographische Bezeichnung:
Kalksandstein Bezeichnung EN 12440:
Berner Sandstein Hintergrund Etymologie:
Berner Sandstein ist nach dem Ort seines Vorkommens benannt. Geschichte:
Berner Sandstein wurde schon lange vor der Gründung der Stadt Bern für den ländlichen Hausbau verwendet. Damals gab es noch keine kontinuierlich betriebenen Steinbrüche, sondern man baute an verschiedenen Orten je nach Bedarf Stein ab. Eine erste Erwähnung von Sandsteinbrüchen im Besitz der Stadt Bern findet sich 1269 in einem Schenkungsbrief der Dominikaner. Nach dem Berner Stadtbrand von 1405, der sich aufgrund der zahlreichen, leicht brennbaren Holzfassaden nahezu ungehindert ausbreiten konnte, wurden Steinfassaden per Ratsbeschluss obligatorisch, und so begann der Aufschwung des Berner Sandsteins als Baumaterial der Stadt. Während der Berner Sandstein bis etwa Mitte des 19. Jahrhunderts nur lokal Verwendung fand, eröffneten sich diesem mit dem Anschluss Berns an das Eisenbahnnetz 1857 und vor allem mit dem Anschluss des Steinbruchs am Ostermundigenberg an den Bahnhof Ostermundigen mithilfe einer 1,6 km langen Zahnradbahn 1871 neue Einsatzbereiche. Berner Sandstein wurde nach Basel, Zürich, Winterthur, Lausanne und Genf geliefert und zum Teil sogar aufgrund seines relativ günstigen Preises lokalen Steinsorten vorgezogen. In Bern selbst hingegen begann man fast zeitgleich, den Berner Sandstein an besonders exponierten Stellen durch haltbarere, widerstandsfähigere Steinsorten aus dem In- und Ausland zu ersetzen. Der Nachfrageeinbruch nach Berner Sandstein um die Jahrhundertwende und in Folge des Ersten Weltkriegs führte zur Schliessung mehrerer Steinbrüche. Da der Berner Sandstein aber weiterhin zum Erhalt der Berner Altstadt inklusive des Münsters benötigt wurde und zudem baubehördlich vorgeschrieben ist, kam der Abbau des Gesteins nie ganz zum Erliegen. In Ostermundigen und Krauchthal wurde die Steinproduktion nie vollkommen eingestellt, der Steinbruch am Gurten in Spiegel 1954 wiedereröffnet. Herstellung Herkunft, geografische Region:
Ostermundigen, Krauchthal und Spiegel bei Bern, CH Entstehung:
Berner Sandstein ist ein Sedimentgestein der Oberen Meeresmolasse. Er entstand vor knapp 20 Mio. Jahren aus sandig-mergeligem Material, das durch Meeresströmungen in ein Flachmeer im Gebiet des heutigen Schweizer Mittellandes transportiert und dort abgelagert wurde. Aufgrund des als Bindemittels fungierenden Kalks verfestigten sich diese Ablagerungen nach zunehmender Überlagerung mit weiteren Sedimenten zu einem Sandstein. Gewinnung:
Berner Sandstein wird heute noch in zwei Steinbrüchen über Tage und in einem weiteren unter Tage abgebaut. Eigenschaften Zusammensetzung/Analyse:
ca. 55–65% Quarz, 20–30% Kalk, 10–20% Feldspat, 4–8% Glimmer Erscheinung:

Farbe: Blautöne, Gelbtöne, Grautöne, Grüntöne

Beständigkeit: Berner Sandstein gilt allgemein als wenig wetterbeständig. Er ist mässig beständig gegenüber Frost und Salzen. Mechanische Eigenschaften:

Dichte [ρ]: 2 170.00 bis 2 300.00 kg/m3
Druckfestigkeit: 32.00 bis 50.00 N/mm2

Hygrische Eigenschaften:

Wasseraufnahme Vol.: 12.00 bis 14.00 Vol. %

Quellen der Kennwerte: Kündig, R. u. a. (1997). Die mineralischen Rohstoffe der Schweiz. Zürich: Schweizerische Geotechnische Kommission, S. 252. Bearbeitung

Oberflächenbearbeitung: flächen, scharrieren, schleifen, spitzen
Trennen und Subtrahieren: diamantblattsägen, diamantseilsägen, gattersägen, wasserstrahlschneiden

Anwendung Anwendungsgebiete:
Bauwesen, Bildhauerei, Gartenbau, Hochbau, Innenausbau, Ofenbau, Restaurierung Anwendungsbeispiele:
- Berner Münster (Baubeginn 1421)
- Bundesgericht, Lausanne (1886)
- Bundeshäuser, Bern (Wilhelm Auer, 1854–1904)
- Burgerspital, Bern (1734–1742)
- Hauptbahnhof, Zürich (1861–1864)
- Hauptgebäude ETH, Zürich (1861–1864, zu Beginn der 1920er-Jahre aufgrund der starken Verwitterung durch Kunststein ersetzt, in überdachten Bereichen sind wenige Stellen aus Originalgestein erhalten)
- Kornhaus, Bern (1711)
- Obergericht, Bern (1908–1910)
- Restaurant du Théatre, Bern (1767–1770)
- Rathaus, Bern (1406–1415)
- Stadthaus Winterthur (Gottfried Semper, 1865–1868), Fassade
- Stadttheater, Bern (1899–1903) Sammlungen

Muster in folgenden Sammlungen: ETH Zürich Baubibliothek
Standort in der Sammlung: ETH Zürich Baubibliothek:
ST-AB-SA | Ablagerungsgesteine > Sandsteine Bezugsquelle Bezugsquelle Sammlungsmuster:
Berner Münsterstiftung, Bern (Gurtensandstein)
Carlo Bernasconi AG, Bern (Krauchthaler Sandstein, Ostermundiger Sandstein) Abbauende Betriebe:
Berner Münsterstiftung, Bern (Gurtensandstein)
Carlo Bernasconi AG, Bern (Krauchthaler Sandstein, Ostermundiger Sandstein) Quellennachweis Verwendete Quellen:
Kündig, R. u. a. (1997). Die mineralischen Rohstoffe der Schweiz. Zürich: Schweizerische Geotechnische Kommission, S. 184, 229–231.
Labhart, T. P. (2002). Steinführer Bundeshaus Bern. Bern: Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, S. 44.
Labhart, T. P. (2007). Berner Sandsteinbrüche – eine Geschichte mit Hochs und Tiefs. In: Trachsel, H. (Hrsg.). Sandstein. Eine überraschende Vielfalt. Bern: Stämpfli Verlag AG, S. 32–35.
Labhart, T. & Zehnder, K. (2018). Steine Berns. Basisband. Bern: Haupt Verlag.
Labhart, T. & Zehnder, K. (2018). Steine Berns. Exkursionsführer. Bern: Haupt Verlag.
Quervain, F. de (3. Auflage 1969). Die nutzbaren Gesteine der Schweiz, hrsg. v. der Schweizerischen Geotechnischen Kommission. Bern: Kümmerly & Frey, Geographischer Verlag, S. 213–216.
Quervain, F. de (1970). Der Stein in der Baugeschichte Berns. Bern: Kommissionsverlag Kümmerly & Frey, S. 10–14. Weitere Quellen:
Blaeuer, C. (1987). Verwitterung der Berner Sandsteine. Diss. Universität Bern. Bern: Eigenverlag.
Gerber, M. E. (1982). Geologie des Berner Sandsteins (Das Burdigalien zwischen Sense und Langete, Kanton Bern). Diss. Universität Bern. Bern: Universitäts-Druckerei.
Hotz, T. (2006). Ölen von Sandstein als Witterungsschutz am Berner Münster. Diplomarbeit Berner Fachhochschule. Bern: Hochschule der Künste, Fachbereich Konservierung und Restaurierung. Expertin / Experte:
Schweizerische Geotechnische Kommission, Zürich Material-Archiv-Signatur:
GES_ABL_SAN_14 Text verfasst von:
ETHZ, KB, 2017 Bilder

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