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Carnaubawachs

Carnaubawachs
Materialgruppen:
Wachs > Pflanzenwachse Materialbeschrieb Carnaubawachs ist ein Pflanzenwachs, das von der in Nordbrasilien beheimateten Fächerpalme (Copernicia prunifera) gewonnen wird. Die Blätter der Carnaubawachspalme bilden in einem gewissen Stadium einen Wachsüberzug, welcher der tropischen Pflanze als Verdunstungsschutz dient. Die Menge der ausgeschiedenen Wachsschüppchen ist relativ gering, ein Blatt liefert lediglich 2g, der Baum im Jahr durchschnittlich 120-160g, wobei die Ernte bei ca. fünfzig jährigen Bäumen am ertragreichsten ausfällt. Die Wachserzeugung ist massgebend von dem Klima und der Bodenbeschaffenheit abhängig. Die Züchtung von Carnaubawachspalmen zum Zweck der Wachsgewinnung in anderen tropischen Gebieten verlief erfolglos. Carnaubawachs ist das härteste und höchstschmelzende natürliche Wachs. Es hat ein gutes Glanz- und Haftungsvermögen. Im rohen Zustand ist es gelb bis grüngelb, gebleicht und gereinigt ist es gelblich. Carnaubawachs wird häufig zur Herstellung von Kosmetikartikeln verwendet und aufgrund der Festigkeit und des guten Glanzvermögens zudem als Zusatzstoff von Pflegemitteln eingesetzt. Insbesondere für die Oberflächenbehandlung von Fussböden, Möbeln und Autos kommen Politur- und Reinigungsmittel zum Einsatz, die Carnaubawachs enthalten. Weiter dient Carnaubawachs auch zur Kerzen- und Seifenherstellung. Andere Bezeichnungen/Synonyme:
Cearawachs Alternative Schreibweise(n):
Karnaubawachs CAS-Nummer:
8015-86-9 Lateinische Bezeichnung:
cera carnaubae, carnaubae cera, cera coperniciae, cera palmarum Französische Bezeichnung:
Cire de carnauba Englische Bezeichnung:
Carnauba wax Ähnliche Materialien:
Ouricurywachs, Montanwachs Hintergrund Etymologie:
Der Name lässt sich von den Carnaubeira-Indianern ableiten, die im Herkunftsgebiet der Carnaubawachspalme leben. Geschichte:
In Europa wurde Carnaubawachs nachweislich erstmals 1648 schriftlich erwähnt. Die Kenntnis vom Vorhandensein und von der Gewinnmöglichkeit des Wachses drang spät an die Aussenwelt, da die Palmenwälder im Innern des nur schwach bevölkerten Landes beschränkt zugänglich waren. 1811 begann im Hinterland von Fortaleza die Gewinnung und nach 1836 setzten die ersten Exporte nach England ein. 1852 begann die industrielle Nutzung des Carnaubawachses und an der Pariser Weltaustellung von 1867 wurde der neue Rohstoff schliesslich einem breiten Publikum bekannt gemacht. Ökonomie:
Trotz seiner aussergewöhnlichen Eigenschaften fand Carnaubawachs nur sehr langsam Eingang in Gewerbe und Industrie. Anfang des 19. Jh. spielte der Export für viele brasilianischen Orte einige Zeit eine zentrale wirtschaftliche Rolle. Die Entwicklung von synthetischen Hartwachsen hat das rezente Pflanzenwachs inzwischen mehrheitlich ersetzt. Herstellung Herkunft, geografische Region:
Mehrheitlich im Nordosten Brasiliens (Rio Grande do Norte, Paraiba, Nambuco und Bahia), ferner in Nordargentinien, Paraguay und Bolivien Entstehung:
Die Blätter der Carnaubawachspalme scheiden das Wachs auf ihrer Unterseite als Transpirationsschutz in feinen Schüppchen aus. Die in tropischen und subtropischen Gebieten beheimatete Palme, kann damit ihren Feuchtigkeitshaushalt regulieren. Gewinnung:
Carnaubawachs wird in der sechsmonatigen Trockenzeit geerntet. In gewissen Abständen werden pro Baum 6-8 Blätter abgeschnitten und einige Tage zum Trocknen ausgebreitet. Mit der Schrumpfung der Blätter löst sich die Wachsschicht und kann durch Schaben und Klopfen leicht abgetrennt werden. Dabei fällt ein pulverförmiges Rohmaterial an, das je nach Alter der Blätter unterschiedlich gefärbt ist. Fertigung:
Mit verschiedenen Reinigungsverfahren wie Schmelzen, Filtern oder der Lösungsmittelextraktion werden aus dem Rohwachs unterschiedliche Carnaubawachssorten hergestellt. Das Bleichen erfolgt mit Bleicherde und Wasserstoffperoxid. Eigenschaften Zusammensetzung/Analyse:
Cerotinsäuremyricylester, freie Carnaubasäure, Cerotinsäure, Cerotinsäuremelissylester, Melissylalkohol, Cerylalkohol Gefüge/Mikrostruktur:
kristallin Erscheinung: Aussehen:
Carnaubawachs weist eine glänzende Oberfläche auf. Farbe: Brauntöne, Gelbtöne, Grautöne, Grüntöne
Geruch: neutral
Beim Schmelzen tritt ein charakteristischer, heuartiger Geruch auf. Haptik: glatt, hart

Beständigkeit:

Lösungsmittelbeständigkeit: bedingt beständig
In Wasser ist Carnaubawachs praktisch unlöslich, in Ethanol nur schwer löslich. Löslich ist das Wachs in Benzol, Benzin, Chloroform, Schwefelkohlenstoff, Terpentinöl und Xylol. Mechanische Eigenschaften:

Dichte [ρ]: 990.00 bis 1 000.00 kg/m3
Dieser Wert gilt bei 20°C. Thermische Eigenschaften:

Erstarrungspunkt/-bereich: 79.00 bis 81.00 °C
Schmelzpunkt/-bereich [T_SM]: 82.00 bis 86.00 °C
Tropfpunkt: 81.00 bis 86.00 °C

Chemische Eigenschaften:

Säurezahl: 1.00 bis 10.00 mg KOH/g
Verseifungszahl: 78.00 bis 98.00 mg KOH/g

Verträglichkeit: Bioverträglichkeit:
Das Wachs ist unverdaulich, gilt jedoch als für Mensch und Umwelt unbedenklich. Die Bezeichnung als Lebensmittelzusatzstoff ist E903. Brandverhalten:

Flammpunkt: 280.00 °C

Quellen der Kennwerte: Büll, R. (1959-1977). Das grosse Buch vom Wachs. Frankfurt a.M.: Farbwerke Hoechst AG
Roth, L., & Kormann, K. (2000). Ölpflanzen Pflanzenöle. Landsberg: ecomed verlagsgesellschaft AG & Co. KG. Bearbeitung Lieferformen:
Schuppengranulat Lieferbare Materialqualitäten:
Carnaubawachs ist ungebleicht und gebleicht erhältlich. Formen und Generieren: giessen, schmelzen
Fügen und Verbinden: löten
Oberflächenbehandlung: bemalen, polieren
Trennen und Subtrahieren: schneiden, spalten
Lagerung und Aufbewahrung:
Carnaubawachs ist trocken, kühl und frostfrei zu lagern sowie vor direkter Sonneneinstrahlung und Staub zu schützen. Da es nicht hygroskopisch reagiert, muss keine bestimmte relative Luftfeuchtigkeit eingehalten werden. Anwendung Anwendungsgebiete:
Medizin, Kosmetikindustrie, Lebensmittelindustrie, Elektrotechnik, Alltagsprodukte, Papierindustrie, Autoindustrie, Reinigungswesen Anwendungsbeispiele:
Zusatz zur Stabilisierung von Lippen- und Mascarastiften, wasserfestem Make-up und Sonnencreme, Überzugsmittel zur Konservierung von Zitrusfrüchten, Inhaltsstoff von Politur- und Reinigungsmitteln zur Oberflächenbehandlung von Fussböden, Möbeln und Autos, Bestandteil der Kerzen- und Seifenherstellung Besonderheiten:
Carnaubawachs wird verschiedenen Wachsmischungen zugesetzt, um den Schmelzpunkt, Festigkeit und Glanz zu erhöhen. Sammlungen

Muster in folgenden Sammlungen: Gewerbemuseum Winterthur, Sitterwerk St. Gallen
Standort in der Sammlung: Gewerbemuseum Winterthur:
Wachs > Schublade 7 Quellennachweis Verwendete Quellen:
Bayerische Wachszieherinnung (1998). Fachbuch für den Wachzieher/Wachsbildner. Augsburg: Schroff Druck und Verlag GmbH
Büll, R. (1959-1977). Das grosse Buch vom Wachs. Frankfurt a. M.: Farbwerke Hoechst AG
Grün, A., & Halden, W. (1929). Analyse der Fette und Wachse. Berlin: Verlag von Julius Springer
Lüdecke, C., & Ivanovsky, L. (1958). Taschenbuch für die Wachsindustrie. Stuttgart: Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH.
Krist, S. (2013). Lexikon der pflanzlichen Fette und Öle. Wien: Springer Verlag
Roth, L., & Kormann, K. (2000). Ölpflanzen Pflanzenöle. Landsberg: ecomed verlagsgesellschaft AG & Co. KG. Weitere Quellen:
Kremer Pigmente GmbH. www.kremer-pigmente.com/media/files_public/62300shd.pdf (Stand 18.06.2013)
Uni Hamburg. www.biologie.uni-hamburg.de/bzf/museum/nutzpfl_a_z/carnaubapalme.htm (Stand 18.06.13) Material-Archiv-Signatur:
WAC_PFL_2 Text verfasst von:
Sitterwerk, JL, 2014 Bilder

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