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Rochenleder

Rochenleder
Materialgruppen:
Tierische Werkstoffe > Haut und Leder > Leder nach Tierarten > Fischleder Materialbeschrieb Galuchat bezeichnet die gegerbte Haut verschiedener Rochenarten (Batoidea, Syn.: Rajomorphii), seltener auch die Haut von bestimmter Haie. Galuchat ist ein sehr teures und exklusives Fischleder, das, ausgehend von Frankreich, im 18. Jahrhundert eine Modewelle auslöste. Es wird grundsätzlich zwischen fein- und grobkörnigem Leder unterschieden, wobei nur das Galuchat à gros grains als echtes gehandelt wird. Es stammt vom Stachel- oder Perlrochen. Galuchat à petits grains hingegen wird vom Seiden- oder vom Schlingerhai gewonnen und auch als falsches Galuchat gehandelt.
Verschiedene Rochenarten sind im [[Glossar:CITES|CITES]] Artenschutzabkommen geschützt, so dass der Handel mit Rochenleder nur unter kontrollierten Bedingungen legal ist. Die obere Hautschicht (Epidermis) besteht beim Rochen aus kleinen, perlmuttartigen und glänzenden Kuppen aus Horn. Im Unterschied zu Stachelrochenhaut weist Perlrochenhaut in der Rückenmitte eine erhöhte Zone auf, die durch auffällige grössere Perlen abgesetzt ist. Sie wird im Bearbeitungsprozess des Leders abgeschliffen und es entsteht ein rautenförmiger Fleck, der sich als Erkennungszeichen für Galuchat etabliert hat. Die Oberfläche von Rochenleder erinnert auch von der Härte an kleine Glasperlen und glänzt stark. Das Leder insgesamt ist sehr flexibel. Galuchat kann in verschiedenen Farbtönen eingefärbt werden, charakteristisch bleibt beim Perlrochenleder aber immer eine rautenförmige, helle Stelle in der Ledermitte, die durch das Wegschleifen der Perlenkuppen entsteht und keine Farbe annimmt. Rochenleder lässt sich sehr schwer schneiden und nur mit Spezialwerkzeugen bearbeiten. Aus Galuchat wurden Accessoires wie Börsen, Lederetuis oder Messerscheiden hergestellt. Besonders beliebt war es zur Bespannung von Kistchen und Schatullen, und es gibt auch ganze Möbel, die mit dem auffälligen Leder bezogen sind. Man findet es zudem an Transportbehältnissen für Instrumente, Operngläser oder Schmuck. Heutzutage spielt Galuchat noch im Haute-Couture- und Luxus-Bereich eine Rolle, für Uhrbänder und Armreifen zum Beispiel. Zudem wird es als exotische Verzierung in Kunsthandwerk und Design wiederentdeckt. Französische Bezeichnung:
Galuchat à petits grains, galuchat à gros grains Ähnliche Materialien:
Shagreen (angelsächsischer Begriff für ungegerbte Esel-oder Pferdehaut, der heutzutage auch für Perlrochenleder verwendet wird) Hintergrund Etymologie:
Der Name Galuchat geht auf den im Dienste des französischen Königs Ludwig XV. stehenden Gürtler Galluchat zurück, der Leder aus der Haut des Rochens und des Haifischs in der westlichen Welt einführte und zu einem Luxusmaterial stilisierte. Geschichte:
Galuchat wird seit Jahrhunderten dazu verwendet, kostbarste Gegenstände zu verzieren. Die ersten Zeugen der Verwendung von Rochenhaut als Material gehen auf das 8. Jahrhundert in Japan zurück, wo es wegen seiner elastischen Beschaffenheit für Brustplatten, Hüllen, Handgriffe von Samuraischwertern und anderen Klingen, für "inrôs" (kleine am Gurt hängende Medizinkisten), Messerscheiden und Säbelgriffe verwendet wurde. Im 18. Jahrhundert gelangte es nach Frankreich und wurde nach Jean-Claude Galluchat, dem Hofsattlermeister König Ludwigs XV., benannt, der dieses seltene und exotische Material virtuos verarbeitete. Kostbare Luxusartikel machten Galuchat zum Ausdruck einer Lebensart der französischen Aristokratie und Mitte des Jahrhunderts war es bereits in ganz Europa verbreitet. Ökologie:
Perlrochenleder gilt als Nebenprodukt der Speisefischgewinnung, weshalb es nicht dem Artenschutz unterliegt. Allerdings ist Galuchat ein Exotenleder, das von den bedrohten Tierarten Rochen und Hai gewonnen wird. Deren weltweiten Bestände sind bereits erheblich dezimiert. Rochen wie Haie zeichnen sich durch langsames Wachstum, eine sehr späte Geschlechtsreife und wenige Nachkommen nach einer langen Brutzeit aus. Aufgrund dieses Lebenszyklus reagieren sie empfindlich auf Befischung. Haie und Rochen können nicht für die Lederherstellung gezüchtet werden. Kunst, Handwerk, Design:
Der Kunsttischler, Dekorateur und Illustrator Paul Iribe stellte 1912 das erste Möbel, eine Kommode, aus Galuchat her. Im Art déco erlangte das Material seinen zweiten Aufschwung nach der Zeit um 1750, und es wurden damit Miniaturen und Schatullen sowie Möbel mit getöntem (grün, rosa, kastanienbraun, graublau) oder Naturgaluchat verziert. Herstellung Herkunft, geografische Region:
Asien Fertigung:
Galuchat entsteht aus den Häuten der Perlrochen, die eine breite Form haben, oder aus den langen, schmalen Häuten der Stachelrochen. Rochenleder durchläuft etliche Verarbeitungsschritte, bis es zu Galuchat wird. Zunächst wird die Haut des Fischs abgezogen, gewaschen und entwässert sowie anschliessend gereinigt, indem die Aussenseite abgestrahlt und die Innenseite abgeschabt wird. Je nach Verwendungszweck durchläuft sie danach weitere Vorbereitungsschritte, bevor sie geglättet und evtl. geschliffen und eingefärbt werden kann. Gerbung:
Perlrochenhaut wird vegetabil gegerbt. Eigenschaften Erscheinung: Aussehen:
Galuchat à gros grains, also echtes Rochenleder, ist leicht an der relativ groben perlartigen Struktur zu erkennen, die beim Perlrochen im zentralen Rückenbereich eine erhabene Zone aufweist. Farbe: Blautöne, Gelbtöne, Grüntöne, Orangetöne, Rottöne, Violetttöne
Galuchat kann in allen möglichen Farben eingefärbt werden, besonders häufig ist es in grüner Färbung anzutreffen. Geruch: neutral
Galuchat haftet - wie allen Fischlederarten - keinerlei Fischgruch an. Haptik: hart
Die Oberfläche von Perlrochenleder ist hart, die einzelnen Perlen sind glatt. Meist wird Galuchat geschliffen und ist dann weich und geschmeidig. Ungeschliffen wird es als scheuernd empfunden. Brandverhalten:

Rauchentwicklung (EN 13501-1:2002): s1 keine / kaum Rauchentwicklung


Bearbeitung

Gerbarten: Pflanzengerbung
Fügen und Verbinden: kleben
Oberflächenbearbeitung: schleifen
Trennen und Subtrahieren: sägen, schneiden
Lagerung und Aufbewahrung:
Um die Farben von eingefärbtem Galuchat zu schützen, sollte es dunkel gelagert werden. Direktes Sonnenlicht ist in Hinblick auf Austrocknung und Farbveränderungen strikt zu vermeiden. Wie für alle Lederarten sollte auch für Galuchat die relative Luftfeuchte im Lagerraum konstant gehalten werden und 50-70% betragen. Anwendung Anwendungsgebiete:
Mode, Accessoires, Kunsthandwerk, Design Anwendungsbeispiele:
Schatullen, Möbel, Uhrarmbänder, Messerscheiden und -griffe, Etuis, Armreifen, Portemonnaies, Schmuckobjekte, Schuhe Sammlungen

Muster in folgenden Sammlungen: Gewerbemuseum Winterthur, ZHdK Medien- und Informationszentrum
Standort in der Sammlung: Gewerbemuseum Winterthur:
Tierische Werkstoffe > Schublade 48 Quellennachweis Verwendete Quellen:
Perfettini, J. (1988). Le galuchat. Un matériau mystérieux, une technique oubliée. Paris: Éditions H. Vial.
De Caunes, L., & Perfettini, J. (1994): Galuchat. Paris: Les Éditions de l'amateur.
Fuchs, K., Fuchs, M., Derichs, L. (2008). Faszination Leder. Alltägliches und Exotisches unter der Lupe, Frankfurt a. M.: Chimaira Buchhandelsgesellschaft. Weitere Quellen:
Vilcinskas, A. (2011). Haie und Rochen. Köln: Komet Verlag.
Bopp, M. (2015). Die Körperhülle der Fische - nicht nur Schuppen, in: Kropp, R. (Hrsg.). Genial geschützt. Raffinierte Verpackungen der Natur, S.15-23, Darmstadt: Korad Theiss Verlag.
www.french-bag.com/s-designs/galuchat (Stand 1.2.2013). Expertin / Experte:
Brigit Naef Material-Archiv-Signatur:
TIE_HAU_FIS_7 Bilder

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