MATERIALARCHIV

Elfenbein

Elfenbein
Materialgruppen:
Tierische Werkstoffe > Zähne Materialbeschrieb Als Elfenbein wird die Stosszahn-Knochenmasse von Elefant und Mammut bezeichnet sowie im weiteren Sinne auch das Zahnmaterial des Narwals, des Walrosses, des Nilpferds und des Pottwals. Elfenbein zählt zu den ältesten und edelsten Werkstoffen in Kunst und Kunsthandwerk. Das helle, sanft schimmernde Material, dem zuweilen magische Kräfte zugeschrieben wurden, fasziniert den Menschen seit Jahrtausenden. Mit der Geschichte des Elfenbeins geht die Dezimierung des weltweiten Elefantenbestandes durch Wilderei einher. In manchen Ländern lagen die Verlustraten in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts bei über 80%. Deshalb wurde 1989 ein Handelsverbot (Washingtoner Artenschutzabkommen CITES, siehe www.cites.org) für Elfenbein eingerichtet. Elfenbein ist weiss bis cremefarben (auch rötliche und grünliche Töne kommen vor), kaum bis mässig gilbend, durchscheinend, gemasert bis strukturlos, elastisch bis spröde und fasrig brechend. Elfenbein kann man färben, bleichen und polieren. Die Verarbeitung erfolgt durch Elfenbeinschnitzer, Möbelbauer und Goldschmiede, ähnlich der Hartholzverarbeitung spanend (sägen, schnitzen, drechseln, fräsen, bohren, feilen) oder spanlos durch Biegen, nachdem das Material zwei Stunden in Wasser erwärmt wurde. Das Färben von Elfenbein erfolgt meist mit tierischen oder pflanzlichen Beizmitteln. Elfenbein wird seit jeher vor allem für Schnitzereien wie Figuren und Statuetten verwendet. Mit dem Aufkommen der Drechslerei fand es zunehmend auch Verwendung für Pokale, Gefässe und Dosen. Im Möbelbau benutzte man es für Intarsien und im Bereich der Schmuckherstellung geniesst es immer noch ein ähnliches Ansehen wie einige Edelsteine. Italienische Bezeichnung:
avorio Französische Bezeichnung:
ivoire Englische Bezeichnung:
ivory Gleiche Familie:
Auch die Stosszähne von Mammuts bzw. Mastodons werden der Werkstoffgruppe Elfenbein zugezählt. Das Mammut ist vor rund 10'000 Jahren ausgestorben, weshalb seine Stosszähne nur noch aus Ausgrabungen gewonnen werden können. Das Material wird unter der Bezeichnung "fossiles Elfenbein" gehandelt und ist härter, schwerer und auch ähnlich wertvoll wie Elfenbein der jetzigen Zeit. Unterarten:
Die beiden heute noch lebenden Elefantengattungen, der Asiatische Elefant (Elephas maximus) und der Afrikanische Elefant (Loxodonta africana) unterscheiden sich in etlichen Merkmalen, so auch in ihren Stosszähnen. Gemäss der Herkunft wird auch beim Werkstoff zwischen afrikanischem und asiatischem (oder indischem) Elfenbein unterschieden. Ähnliche Materialien:
Die Samen bestimmter Palmenarten, die sogenannten Tagua, stellen als "vegetabiles Elfenbein" einen Elfenbeinersatz für billigere und kleinere Drechselarbeiten dar. Vor allem zu Zeiten des Art déco war Bakelit ein beliebter Elfenbeinersatz. Als Ivoirine bezeichnet man ein Kunstelfenbein aus Pulver mit Kunststoffbindemitteln. Hintergrund Etymologie:
Die Bezeichnung Elfenbein leitet sich von griech. elephas und lat. ebur bzw. elephantus her. In den nördlicheren Ländern, wo man das Tier nicht kannte, stand elephantus lange Zeit für das Elfenbein selbst. Erst im Althochdeutschen wandelte sich die sprachliche Bedeutung und damit die genauere Bezeichnung. Das Lateinische trennte die beiden Begriffe viel früher; so wurde ebur (= Elfenbein) die Wurzel für das französische ivoire, das englische ivory und das italienische avorio. Geschichte:
Bereits in der Steinzeit wurden aus Mammutelfenbein kleine Skulpturen gefertigt, von denen einige bis heute erhalten sind. Die elf Tierfigürchen aus Mammutelfenbein aus den Vogelherdhöhlen gelten mit einem Alter von 32'000 Jahren als älteste bisher gefundene menschliche Kunstwerke überhaupt. Aus Elfenbein entstanden also schon in vorgeschichtlicher Zeit Gebrauchsgüter, Kunstgegenstände und Schmuck. Mit dem Rückgang und dem Aussterben des Mammuts am Ende der Eiszeit kam Elfenbein wieder für Jahrtausende völlig ausser Gebrauch. Abhängig von Verfügbarkeit und Nachschub des edlen Materials wurde dessen Bearbeitung in allen grossen Kulturkreisen mit wechselnder Beliebtheit und zeitlich unterschiedlicher Verbreitung ausgeübt. Ökonomie:
Der Wert von Elfenbein hat sich immer wieder stark verändert. Die Zähne des Narwals galten lange als das wertvollste Elfenbein und wurden zeitweise sogar mit Gold aufgewogen. In den letzten Jahren hat die steigende Nachfrage Chinas und Japans nach echtem Elefantenelfenbein zu einer Wertsteigerung geführt. Während 2002 ca. 100 $/kg Elfenbein bezahlt wurden, waren es 2010 ca. 1800 $/kg, was dem Schwarzmarkt und der Wilderei enormen Aufwind verliehen hat. Soziologie:
Dem schimmernden Material wurden zeitweise auch wundersame Heilkräfte nachgesagt. Eine heilende Wirkung liess sich von medizinischer Seite jedoch nie bestätigen. Ökologie:
Mit dem Aufkommen der Grosswildjagt in Afrika im 19. Jh. begann die Dezimierung des Elefantenbestandes in Afrika, der in den 1960er-Jahren einen vorläufigen Tiefpunkt erreichte. Das grosse Gemetzel begann jedoch in den 1970er-Jahren. Jahr für Jahr wurden Zehntausende Elefanten ihrer Stosszähne wegen umgebracht, meist von Wilderern. Insgesamt sank die Elefantenpopulation in Afrika von schätzungsweise 10 Mio. vor 500 Jahren auf weniger als 650'000 Tiere Ende der 1980er-Jahre. 1976 wurden Elefanten im CITES Anhang II erfasst. Der offizielle Elfenbeinhandel ging zwar deshalb stark zurück, der immer massivere illegale Handel mit Elfenbein liess sich jedoch nicht stoppen, weshalb Elefanten 1989 in den CITES Anhang I aufgenommen und der internationale Elfenbeinhandel damit verboten wurde. Die 10. Washingtoner Artenschutzkonferenz im Sommer 1997 lockerte dieses Verbot allerdings wieder etwas und seither dürfen Simbabwe, Botswana und Namibia unter strengen Bedingungen wieder Elfenbeinhandel betreiben. Aktuell nimmt der illegale Handel mit Elfenbein wieder stark zu; das Jahr 2011 stellt mit über 23 t beschlagnahmtem Elfenbein einen Negativrekord dar. Schuld dafür sind die steigende Nachfrage in Asien sowie immer professionellere Schmugglerbanden. Kunst, Handwerk, Design:
Die Bearbeitung von Elfenbein war seit vorgeschichtlichen Kulturen bis ins 19. Jh. unserer Zeit von grosser Kunstfertigkeit geprägt. Es gibt viele Meisterwerke aus verschiedensten Kulturen und Epochen, die hier nicht ansatzweise aufgeführt werden können. Im gesamten Kunstschaffen mit Elfenbein haben sich in verschiedenen künstlerischen Epochen handwerkliche Exzellenz und ein eigener Stil herausgebildet, wobei der Barock mit seinen Werken für die fürstlichen Kunst-und Wunderkammern am ehesten als Höhepunkt anzusehen ist. Das Material wurde zunächst mit Messern und Sticheln geschnitzt, ab dem 16. Jh. kamen Elfenbeinintarsien an Möbeln auf und man begann Elfenbein zu drechseln. Wichtige Kriterien bei der Beurteilung des künstlerischen Werts sind die Fertigung aus einem Stück und die Einbeziehung von Struktur und Maserung in die Formgebung. Aus Elfenbein entstanden Figuren, Statuetten, Reliquienschreine, Kruzifixe, Kabinettschränke, Bucheinbände, Besteck- und Waffengriffe. Als Beispiele seien die byzantinische Elfenbeinkunst, die Madonnen aus dem frühen europäischen Mittelalter, die Wunderkugeln aus China, die Elfenbeinschreine im Grazer Dom (15. Jh.) und die Figurengruppe „Furienreiter“ (17. Jh.) sowie die chryselefantinen Kombinationsfiguren des Art déco genannt. Herstellung Herkunft, geografische Region:
Zentral- bis Südafrika: Elfenbeinküste über Kenya, Tansania bis Simbabwe, Botswana und Namibia); Indien, Südostasien Eigenschaften Zusammensetzung/Analyse:
Elfenbein besteht zu ca. 56–59% aus Calciumphosphat (Zahnbein) und einem geringen Anteil Kalk; diese Bestandteile sind mit einer, der Knorpelmasse ähnlichen organischen Substanz verbunden, in der Wasser gebunden ist. Besonderheiten:
Der Stosszahn ist zu 1/3 massiv, doch wird und wurde auch der Rest, die sogenannte Hohlung, immer ebenfalls genutzt. Sie bietet sich zur Herstellung von Bechern oder Pokalen an. Teilweise ist die Wandung je nach Lage noch dick genug für Reliefs oder andere Kunstwerke. Alterungsverhalten:
Afrikanisches Elfenbein verfärbt sich allmählich milchweiss, südostasiatisches gelblich bis blassrosa. Altes vergilbtes Elfenbein kann durch die im Tageslicht enthaltenen UV-Strahlen wieder seine ursprüngliche Farbe zurückerhalten. Sehr dichtes, hartes Elfenbein ist oft auch sehr farbstabil, dunkelt also fast nicht nach. Erscheinung: Aussehen:
Bei echtem Elfenbein lässt sich im Längsschnitt eine feine, holzartige Struktur erkennen. Es wird dabei - wie bei Holz - von der Maserung gesprochen. Im Querschnitt zeigen sich kreuzende, rhomboidale Maschen, die sogenannten Schregerschen oder Retzius-Linien. Farbe: Beigetöne, Weisstöne
Geruch: neutral
Allen Elfenbeinarten ist eine gebrochen weissliche Farbe gemeinsam. Je nach Art und Herkunft sowie Aufbewahrungsort dunkelt Elfenbein leicht nach. Die Farbnuancen reichen hierbei von Rötlich und Blassrosa bis Grünlichbraun. Beständigkeit: Elfenbein reagiert auf Feuchtigkeits- und Temperaturschwankungen empfindlich, ist also nicht temperaturwechselbeständig. Biologische Schadensfaktoren:
Pilzbefall hinterlässt tief in das Material eindringende Verfärbungen. Mechanische Eigenschaften:

Dichte [ρ]: 1 700.00 bis 1 980.00 kg/m3
Härte nach Mohs: 2.00 bis 3.00 Mohs

Brandverhalten:

Brennbarkeitsgrad nach VKF: 3 leichtbrennbar
Rauchentwicklung (EN 13501-1:2002): s1 keine / kaum Rauchentwicklung


Bearbeitung Besonderheiten:
Nicht jeder Stosszahn eignet sich zur Verarbeitung, denn Verfärbungen und Risse können die Qualität des Materials erheblich mindern. Die verwertbare Menge Elfenbein aus einem einzelnen Stosszahn ist relativ gering, da im Innern ein Nervenkanal verläuft und der Zahn zu einem grossen Teil hohl ist. Elfenbein muss vor dem Verarbeiten über einen längeren Zeitraum möglichst behutsam getrocknet werden, um Rissbildung vorzubeugen. Beim Trocknen verliert Elfenbein rund 20% Gewicht. Formen und Generieren: drehen, spanabhebend, spanlos bearbeiten
Elfenbein kann ca. 20 Min. in Wasser gekocht werden und lässt sich dann biegen. Oberflächenbearbeitung: aufrauen, gravieren, polieren, raspeln, schleifen
Oberflächenbehandlung: bleichen, polieren
Trennen und Subtrahieren: bohren, drechseln, feilen, fräsen, raspeln, sägen, schnitzen, spanabhebend bearbeiten
Trocknung:
Um Risse zu verhindern, muss Elfenbein sehr sorgfältig getrocknet werden. Dabei verliert es ca. 20% Gewicht. Lagerung und Aufbewahrung:
Generell sind bei der Lagerung von Elfenbein Temperaturschwankungen zu vermeiden, da sie zu Materialrissen führen können. Deshalb sind eine gleichbleibende Temperatur von 18-22°C und eine Luftfeuchtigkeit von 50-55% einzuhalten. Elfenbein reagiert auf UV-Strahlung, indem es sich aufhellt. Direktes Sonnenlicht ist daher zu vermeiden; doch sollten Elfenbeinobjekte hell gelagert werden. Anwendung Anwendungsgebiete:
Kunst, Kunsthandwerk, Drechselarbeiten, Möbelbau, Instrumentenbau Anwendungsbeispiele:
Figuren, Statuetten, Schalen, Dosen, Tassen, Intarsien, Billardkugeln, Klaviertasten, Schnitzereien, Griffe, Knäufe, Schmuck, Bucheinbände, Kabinettschränke, Kästen, Reliquienschreine, Blasinstrumente Sammlungen

Muster in folgenden Sammlungen: ZHdK Medien- und Informationszentrum

Quellennachweis Verwendete Quellen:
Gröning, K., & Saller, M. (1998). Der Elefant in Natur und Kulturgeschichte. Köln: Könemann Verlag.
Steffan, R. Sammlung für Völkerkunde (St. Gallen) (1998). Glanz und Fluch des Elfenbeins. St. Gallen: Stiftung St. Galler Museen.
v. Philippowich, E. (1961). Elfenbein. Ein Handbuch für Liebhaber und Sammler. Braunschweig: Klinkhardt & Biermann. Weitere Quellen:
Schmucklexikon, www.froufrou.de/schmucklexikon/elfenbein (Stand 4.1.2012)
Elfenbeinkunst, www.beyars.com/de_elfenbeinkunst-inhaltsverzeichnis.html (Stand 4.1.2012)
www.wissen.de/lexikon/elfenbeinschnitzerei (Stand 4.1.2012)
www.rohm.ch/Lexikon/l_elfenbein (Stand 4.1.2012)
www.chemie.de/lexikon/Elfenbein (Stand 4.1.2012) Links:
www.phys.org/news193153872 (Stand 4.1.2012)
www.ngm.nationalgeographic.com/2012/10/ivory/christy-text (Stand 4.1.2012)
www.wwf.de/negativ-rekord-bei-beschlagnahmtem-elfenbein/ (Stand 4.1.2012)
www.umweltnetz-schweiz.ch/neuigkeiten/aktuelles/917-horn-und-elfenbeinhandel (Stand 4.1.2012)
www.bvet.admin.ch/themen/handel_wild/00976/00977/index (Stand 4.1.2012) Expertin / Experte:
Dr. Barbara Simon Material-Archiv-Signatur:
TIE_ZAE_4 Text verfasst von:
ZHDK, RT 2012 Bilder

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