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Ziegenhaar

Ziegenhaar
Materialgruppen:
Tierische Werkstoffe > Haare Materialbeschrieb Ziegenhaar bezeichnet die Haare gewöhnlicher Ziegenrassen und ist im Unterschied zu den feinen Haaren der Angora- (Mohair) und der Kaschmirziege (Kaschmirwolle) ein grobes Tierhaar und keine Wolle. Ziegenhaar gehört zu den ältesten natürlichen Spinnstoffen der Welt, den Haargarnen. Sie werden vom lebenden Tier geschoren oder fallen bei der Lederherstellung an. Bei der Herstellung von textilen Belägen werden sie oft mit Haaren anderer Tierarten und/oder mit Anteilen an Chemiefasern vermengt. Ziegenhaare sind glatt, lang, hart und griffig. Sie sind sehr strapazierfähig, weniger anfällig für Verfilzung und Schädlingsbefall als feine Ziegenwolle und daher in verarbeiteter Form äusserst langlebig. Aufgrund ihres guten Dämmverhaltens zeichnen sie sich bei Bodenbelägen durch gute Schallschluck- und Trittschalldämmwerte aus. Sie verfügen über eine Eigenfettschicht, die schmutzabweisend, aber auch staubbindend wirkt. Ziegenhaar ist hygroskopisch, d. h. es nimmt Feuchtigkeit auf und gibt sie wieder ab. Zu Garn verarbeitet und als Bodenbelag verwendet, beeinflusst es die Luftfeuchtigkeit des Raumes und damit das Raumklima positiv. Ziegenhaar lässt sich gut verspinnen und zu verschiedenen Textilien und Teppichen verarbeiten. Ziegenhaar eignet sich besonders zur Herstellung von Bodenbelägen, aber auch für Decken oder robuste Bekleidung wie Jacken. Aufgrund seiner staubbindenden Eigenschaften wird es auch für Bürsten, Wedel und Pinsel verwendet. Hintergrund Mythologie:
Im Alten Testament spielt Ziegenhaar eine gewisse Rolle in Form des sogenannten Sacktuchs (lat. cilicium, hebräisch: ßaq), das man für Getreidesäcke oder Zeltbahnen, aber auch als Gewandgewebe verwendete. Sacktuch wurde aus grobem, dunklem Ziegenhaar gewebt (Off 6:12; Jes 50:3); es war die traditionelle Trauerkleidung oder drückte Reue des Trägers aus (Büssergewand). Könige trugen es auch in schweren Krisenzeiten oder nachdem sie unheilvolle Botschaften erhalten hatten (2Kö 19:1; Jes 15:3; 22:12). Herstellung Herkunft, geografische Region:
Argentinien, Mongolei, China, Griechenland, Indien, Iran Eigenschaften Zusammensetzung/Analyse:
Ziegenhaare bestehen aus Keratin. Erscheinung: Aussehen:
Die raue Oberfläche steht dem Glanz der einzelnen Haare gegenüber, der das Aussehen von Garn oder Gewebe aus Ziegenhaar prägt. Farbe: mehrfarbig, Brauntöne, Grautöne, Rottöne, Schwarztöne, Weisstöne
Die Farbigkeit von Ziegenhaar ist breit gefächert. Es kann weiss oder schwarz sein sowie etliche Brauntöne aufweisen, die bis ins Rötliche changieren. Bereits das Fell einer Ziege kann bis zu vier verschiedene Farben aufweisen, weshalb Garne aus Ziegenhaar selten einfarbig, sondern häufig mehrfarbig sind. Geruch: würzig
Ziegenhaare verströmen einen angenehmen, natürlichen Geruch. Haptik: hart, rau
Ziegenhaar lässt sich wie alle groben Haare in seiner haptischen Erscheinung mit Worten nur unzulänglich zu beschreiben. Das einzelne Haar ist glatt, als Masse jedoch kratzig, und Garne aus Ziegenhaar können als rau bezeichnet werden. Bearbeitung Konservierung: Schutz und Pflege:
Staubiges Ziegenhaar lässt sich mit einem Metallkamm auskämmen und in lauwarmer Seifenlauge auswaschen. Anschliessend sollte es in einem Handtuch ausgedrückt und hängend an der frischen Luft oder bei Zimmertemperatur (nicht auf der Heizung!) kopfüber getrocknet werden. Lagerung und Aufbewahrung:
Wie alle keratinhaltigen Fasern sind Ziegenhaare anfällig für Motten- und Käferlarvenfrass. Gewebe und Objekte aus Ziegenhaar sind daher gut belüftet und kühl, aber aufgrund der Farbveränderungen, die durch UV-Licht auftreten können, auch dunkel zu lagern. Anwendung Anwendungsgebiete:
Mode, Innenausbau, Haushalt Anwendungsbeispiele:
Jacken, Decken, Teppiche, Bürsten, Wedel, Pinsel Sammlungen

Muster in folgenden Sammlungen: Gewerbemuseum Winterthur, HSLU T+A Campus Horw, ZHdK Medien- und Informationszentrum
Standort in der Sammlung: Gewerbemuseum Winterthur:
Tierische Werkstoffe > Schublade 45 HSLU T+A Campus Horw:
auf Assistenz D401 Quellennachweis Verwendete Quellen:
Schenek, Anton (2001): Naturfaserlexikon. Frankfurt am Main, Deutschland: Deutscher Fachbuchverlag GmbH. Weitere Quellen:
www.naturbuersten-versand.de/warenkunde/ziege (Stand: November 2012)
www.baunetzwissen.de (Stand: November 2012) Material-Archiv-Signatur:
TIE_HAA_5 Bilder

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