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Cocciopesto

Cocciopesto
Materialgruppen:
Mineralische Werkstoffe > Kalkwerkstoffe Materialbeschrieb Cocciopesto ist ein [[Glossar:Luftkalk|Luftkalk]]mörtel, dem zusätzlich zum Sand oder stattdessen feine Tonscherben bzw. feiner Ziegelsplitt mit Ziegelmehlanteilen beigemischt werden. Cocciopesto gleicht Kalkmörteln mit Zuschlägen aus anderen [[Glossar:Puzzolane|Puzzolanen]] (Schlacken oder vulkanische Sande). Durch die Beimischung des Tons (eines sogenannten künstlichen Puzzolans) verfügt er über hydraulische Eigenschaften und eignet sich daher besonders für feuchte Umgebungen. Er erlangte vor allem im Venedig der Neuzeit Bedeutung, fand aber auch in anderen italienischen Städten Verwendung. Heutzutage wird sogenannter Cocciopesto als Naturbaustoff von verschiedenen Herstellern vertrieben – dabei wird allerdings oft die nicht mehr vorhandene Wirkung der Ziegel aufgrund zu hoher Brenntemperaturen durch andere hydraulische Bindemittel ersetzt. Cocciopesto verfügt über hydraulische Eigenschaften, die allerdings nur bei der Zugabe von niedrig (unter 900 °C) gebrannten Tonscherben oder Ziegelscherben wirksam sind. Moderne, hochgebrannte Ziegel reagieren mit dem Kalk nicht hydraulisch und sind daher für Cocciopesto ungeeignet. Bei erhöhter Festigkeit durch die hydraulische Reaktion von Tonscherben und Kalk weist er ansonsten dem [[Kalkputz|Kalkputz]] ähnliche Eigenschaften auf. Die Mischung aus [[Glossar:Sumpfkalk|Sumpfkalk]], Sand und Tonscherben oder Ziegelsplitt muss sofort verarbeitet werden, da die hydraulische Reaktion von Kalk und Tonscherben schnell einsetzt. Cocciopesto kann man sowohl als Putz als auch als Fussbodenbelag (grober Ziegelsplitt als Zuschlag im [[Terrazzo_kalkgebunden|Kalkterrazzo]]) verwenden. Zum venezianischen [[Marmorino|Marmorino]] gehört klassischerweise eine Unterputzschicht aus Cocciopesto. Italienische Bezeichnung:
cocciopesto Hintergrund Etymologie:
Cocciopesto ist ein italienischer Begriff und bedeutet übersetzt «zerstossene Tonscherbe». Geschichte:
Cocciopesto wurde bereits von den Phöniziern und Israeliten verwendet – auch im alten Rom war er bekannt. Vitruv empfiehlt diese Art des Mörtels zum Verputzen von feuchten Wänden im 4. Kapitel des 7. Buches seiner De architectura libri decem. Cocciopesto, der sowohl als Wandverkleidung wie auch als Bodenbelag verwendet werden kann, ist nicht zu verwechseln mit dem ebenfalls bei Vitruv (8. Buch, Kapitel 6, Bau von Zisternen) erwähnten sowie von den Römern zum Bau von Aquädukten, Wasserbecken und Brunnen verwendeten opus signinum, das keinen Putz, sondern einen Mauerwerksmörtel bezeichnet (Grandi Carletti, 185). Hinsichtlich der Zusammensetzung dieser antiken Werkstoffe herrscht allerdings in der Forschung kein Konsens, oft werden die Begrifflichkeiten synonym gebraucht. Eine mögliche Unterscheidung zwischen Cocciopesto und opus signinum wäre die, dass es sich bei letzterem – einem Gemisch aus Kalk, Sand, Ziegelmehl sowie Ziegel- und gegebenenfalls Keramikfragmenten – um eine Form von hydraulischem Beton handelt, während Cocciopesto lediglich ein Putzmörtel mit hydraulischen Eigenschaften wäre (Vassal, 32–33). Cennino Cennini, Leon Battista Alberti und Andrea Palladio erwähnen den Ziegelmörtel in ihren Traktaten. Ökologie:
Cocciopesto ist hinsichtlich seiner Inhaltsstoffe ökologisch unbedenklich. Herstellung Fertigung:
Cocciopesto wird auf der Basis von Sumpfkalk hergestellt. Dieser wird auf der Baustelle mit Sand sowie Tonscherben oder Ziegelsplitt gemischt und danach sofort verarbeitet. Eigenschaften Besonderheiten:
Cocciopesto verfügt über ein hohes Wasserrückhaltevermögen und dient aufgrund dieser Eigenschaft als Grundputz für Marmorino. Ansonsten weist er, bei erhöhter Festigkeit durch die hydraulische Reaktion von Tonscherben und Kalk, dem Kalkputz ähnliche Eigenschaften auf. Erscheinung: Cocciopesto ist ziegelrot, rotbraun oder rotbraun gesprenkelt. Bearbeitung Arbeitsschutz:
Arbeitsschutz ist aufgrund der ätzenden Wirkung von Kalkmörtel notwendig, jedoch sind bei sachgemässer Verarbeitung keine gesundheitlichen Auswirkungen zu befürchten. Lagerung und Aufbewahrung:
Cocciopesto kann nur als Trockengemisch (trockenes Kalkhydrat, Sand und Tonscherben) gelagert werden. Anwendung Anwendungsgebiete:
Bauwesen Sammlungen

Muster in folgenden Sammlungen: ETH Zürich Baubibliothek, Gewerbemuseum Winterthur, HSLU T+A Campus Horw
Standort in der Sammlung: ETH Zürich Baubibliothek:
BK-PU | Bindemittel Kalk > Putze Gewerbemuseum Winterthur:
Mineralische Werkstoffe > Schublade 40 Bezugsquelle Musterherstellung:
Carlo Forster, Erwin Forster Maler GmbH, Schondorf, D Quellennachweis Verwendete Quellen:
Crovato, A. (2002). I pavimenti alla veneziana. Resana (Treviso): Edizioni Grafì, S. 3–7.
Forster, C. (2003). Kalkputz Techniken. Klassische und moderne Wandgestaltung. München: Verlag Georg Callwey, S. 70–75.
Giuliani, C. F. (1992). Opus Signinum e Cocciopesto. In: Segni I, Quaderni del Dipartimento di Scienze dell’Antichità, Università di Salerno, Bd. 11, S. 89–94.
Grandi Carletti, M. (2001): Opus signinum e cocciopesto: alcune osservazioni terminologiche, in: A. Paribeni. Atti del VII Colloquio dell’Associazione italiana per lo studio e la conservazione del mosaico, Pompeji, 22. –25. März 2000, S. 183–197.
Vitruv (1976). Zehn Bücher über Architektur, übersetzt und mit Anmerkungen versehen v. C. Fensterbusch. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, S. 329, 401.
Vassal, V. (2006). Les pavements d’opus signinum. Technique, décor, fonction architecturale. Oxford: Hadrian Books Ltd. Expertin / Experte:
Dr. Karl Stingl/Graz Material-Archiv-Signatur:
MIN_WER_KAL_1 Text verfasst von:
ETHZ, KB, 2013 Bilder

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