MATERIALARCHIV

Tadelakt

Tadelakt
Materialgruppen:
Mineralische Werkstoffe > Kalkwerkstoffe Materialbeschrieb Marokkanischer Tadelakt ist ein polierter Putz auf Basis eines hydraulischen Kalkes. Die jahrhundertealte Putztechnik wurde in der Gegend um Marrakesch entwickelt und basiert auf einem dort vorkommenden [[Glossar:Hydraulkalk|hydraulischen Muschelkalk]]. Tadelakt ist eng verwandt mit anderen Kalkedelputzen wie Kalkglätte, Stuccolustro oder Marmorino. Der wesentliche Unterschied zu anderen Techniken besteht, abgesehen von der (Orts-)Spezifik des Ausgangsmaterials, in der Dicke des Auftrags sowie in der Art des Polierens. Der Putz zeichnet sich durch besondere Härte aus und ist wasserfest. Wie alle natürlichen Kalkprodukte hat Tadelakt antibakterielle und fungizide Eigenschaften. Fertigprodukte auf Basis hydraulischer Kalke oder Tadelakt weisen in ihren bauphysikalischen Eigenschaften deutliche Unterschiede zu echtem Tadelakt auf, der nur mit geringem Feinzuschlag auf der Baustelle direkt hergestellt werden muss. Aufgrund seines hydraulischen Anteils kann man Tadelakt (im Gegensatz zu Stuccolustro) nach geringem Verpressen und nur zweimaligem Auftrag bereits mit einem Stein polieren. Durch Polieren mit Seifen -, Öl- oder Wachsmischungen entsteht eine wasserfeste glänzende Oberfläche. Tadelakt lässt sich zudem mit kalkechten Pigmenten einfärben. Tadelakt findet sowohl im Innen- als auch im Aussenbereich Anwendung und eignet sich ebenso für Boden- wie für Wandflächen. Ursprünglich wurde Tadelakt nicht als Edelputz verwendet, sondern aufgrund seiner hydraulischen Eigenschaften ähnlich wie der Romankalk zur Abdichtung von Zisternen und Wasserleitungen eingesetzt. Die gute Wasserbeständigkeit und seine hervorragenden hygienischen Eigenschaften prädestinieren ihn für die Anwendung in Krankenhäusern, Moscheen und Bädern. Heutzutage findet Tadelakt als Edelputz insbesondere in Restaurants, Hotels und Wellnessbereichen, aber auch in Privathäusern immer grössere Verbreitung. Hintergrund Etymologie:
Der Begriff leitet sich vom arabischen Begriff dlek [kneten, zerdrücken, massieren] ab, was auf den für Tadelakt charakteristischen Verarbeitungsprozess verweist. Geschichte:
Die Ursprünge der Technik liegen in der Herstellung von wasserabweisenden Putzen mit Zuschlägen von hydraulisch aktivem Ziegelsplitt (Cocciopesto). Vermutlich hatten die Römer einen nicht zu vernachlässigenden Anteil an der Entdeckung des Tadelakts, indem sie ihr Wissen um die Herstellung wasserabweisender Putze in die römische Provinz Mauretanien importierten und dieses anhand der lokal vorkommenden Rohstoffe testeten und modifizierten. Ökonomie:
Der marokkanische Tadelakt wird noch immer vor Ort in Handarbeit gefertigt. Aufgrund der gestiegenen Nachfrage nach diesem Putz in Europa wird Tadelakt heutzutage auch in unseren Breitengraden auf der Basis von natürlichen hydraulischen Kalkhydraten und [[Glossar:Luftkalk|Luftkalk]]hydraten sowie speziellen Zuschlägen (u. a. Dolomitmehl, Marmorsande oder -mehl, Kalkbrechsand, Porzellanerde, Quarzsande, Tonerde, Diatomeenerde, Asche und ggf. Zellulose) dem originalen marokkanischen Produkt möglichst nachempfunden (Fromme, Herz, 71) oder aus Marokko direkt importiert. Ökologie:
Wie alle Naturkalkprodukte ist der Tadelaktputz ökologisch unbedenklich, da er nach dem [[Glossar:Branntkalk,_Stückkalk|Brennen]], [[Glossar:Kalklöschen,_Löschkalk|Löschen]] und Aushärten dem natürlichen Kalkkreislauf folgend chemisch gesehen wieder zu Kalkstein wird und daher problemlos entsorgt werden kann. Durch seine Alkalität wirkt er wie alle Kalkputze als natürliches Fungizid und Bakterizid. Zudem ist er frei von Schadstoffen. Eine komplette Ökobilanz lässt sich für den Tadelakt allerdings nicht erstellen, da wesentliche Daten hinsichtlich der wirtschaftlichen Aspekte seiner Gewinnung nicht bekannt sind. So wäre zu fragen, wieviel Gewinn den Menschen vor Ort bleibt, wie ergiebig die marokkanischen Kalkvorkommen sind und ob ein zunehmender Export zum Raubbau an regionalen Ressourcen führt. Die weiten Transportwege von Marokko nach Europa sind aus ökologischer Sicht definitiv problematisch (Fromme, Herz, 71). Herstellung Herkunft, geografische Region:
Marrakesch, Marokko Ausgangsmaterial:
Marrakesch-Kalk Gewinnung:
Der originale Tadelakt aus Marrakesch wird aus dem in jener Gegend als natürlicher Rohstoff vorkommenden Muschelkalk produziert. Dieser hochhydraulische Kalk liegt etwa 1,5 m unter der Erdoberfläche und wird im Tagebau gewonnen. Je nach Beschaffenheit des verwendeten Rohstoffs variiert das nicht genormte Endprodukt. Fertigung:
Zur Herstellung von Tadelakt-Pulver wird Marrakesch-Kalk ohne weitere Zusätze [[Glossar:Branntkalk,_Stückkalk|gebrannt]], [[Glossar:Kalklöschen,_Löschkalk|gelöscht]] und gesiebt, woraufhin der verarbeitungsfertige Tadelakt in Pulverform vorliegt. Das Tadelaktpulver wird ggf. mit geringen Mengen an feinkörnigen Zuschlagstoffen und mit wenig Wasser zu einer sämigen Masse angemischt und in einer dünnen Schicht auf einen vorgenässten Unterputz aufgetragen. Nach dem Abtrocknen erfolgt der Auftrag einer zweiten, dickeren Schicht, die man mit einem Spatel verpresst. Kurz bevor die Fläche trocken ist, wird sie mit einem Stein poliert. Eigenschaften Zusammensetzung/Analyse:
Tadelakt besteht aus ca. 95% gebranntem Marrakesch-Kalk sowie aus rund 5% durch den Brennvorgang unweigerlich hinzukommenden Verunreinigungen wie Mineralen, Erzen und Asche. Besonderheiten:
Tadelakt ist extrem frost- und witterungsbeständig. Alterungsverhalten:
Noch heute sind zum Teil jahrhundertealte Fassadenputze aus Tadelakt in einem guten Erhaltungszustand. Erscheinung:

Farbe: Beigetöne
Grautöne Haptik: glatt

Beständigkeit: Tadelakt ist sehr feuchtigkeitsresistent und frostsicher und damit allgemein witterungsbeständig, allerdings wird er von Laugen, Lösungsmitteln und Säuren angegriffen. Brandverhalten:

Rauchentwicklung (EN 13501-1:2002): s1 keine / kaum Rauchentwicklung


Bearbeitung Lieferformen:
Pulver Formen und Generieren: frei auftragen
Arbeitsschutz:
Gelöschter Kalk reizt aufgrund seines hohen pH-Wertes Augen, Atemwege und Schleimhäute. Augen und Haut sind deshalb bei der Verarbeitung des Tadelakts vor Spritzern zu schützen (Handschuhe und Schutzbrille tragen); auch sollte der Staub von Tadelaktpulver nicht eingeatmet werden. Anwendung Anwendungsgebiete:
Architektur, Kunsthandwerk Sammlungen

Muster in folgenden Sammlungen: ETH Zürich Baubibliothek, Gewerbemuseum Winterthur, HSLU T+A Campus Horw, Sitterwerk St. Gallen, ZHAW Winterthur Halle 180
Standort in der Sammlung: ETH Zürich Baubibliothek:
BK-PU | Bindemittel Kalk > Putze Gewerbemuseum Winterthur:
Mineralische Werkstoffe > Schublade 22 ZHAW Winterthur Halle 180:
BauStoffArchiv Bezugsquelle Musterherstellung:
Lanatherm, Sennwald, CH Quellennachweis Verwendete Quellen:
Benad, M. (2003). Das 1 x 1 der Spachteltechniken. Von Kalk bis Kunstharz: Trends mit Tradition. München: Deutsche Verlags-Anstalt, S. 30–31.
Forster, C. (2003). Kalkputz-Techniken. Klassische und moderne Wandgestaltung. München: Verlag Georg Callwey, S. 50–59.
Fromme, I. & U. Herz (2012). Lehm- und Kalkputze. Mörtel herstellen – Wände verputzen – Oberflächen gestalten. Staufen bei Freiburg: ökobuch Verlag, S. 70–71, 137–139.
Mees, G., & Slaets, P. (2012). Materialien für den Innenraum. Eigenschaften – Funktion – Ästhetik. München: Deutsche Verlags-Anstalt, S. 181–183.
Ochs, M. J. (2007). Tadelakt. München: Deutsche Verlags-Anstalt.
Raith, W. (2005). Lehm, Tadelakt, Kalk. Anleitungsbuch für die Baupraxis. Ditzingen bei Stuttgart: Tervehn, S. 66–79.
Ziesemann, G. & M. Krampfer (2007). Tadelakt. Sehlem: Kreidezeit Eigenverlag. Weitere Quellen:
Le Roy, V. (2011). Le Tadelakt. Chanteloup les vignes: 2eme edition. Expertin / Experte:
Dr. Karl Stingl/Graz Material-Archiv-Signatur:
MIN_WER_KAL_10 Text verfasst von:
ETHZ, KB, 2013 Bilder

Flashplayer nicht installiert
Um die Materialsuche zu tätigen, benötigen Sie einen aktuellen Flash Player.
Sie können es hier kostenlos runterladen.
Alternativ können Sie auf aktuellen Browsern auch die HTML5-Version mit leicht eingeschränktem Funktionsumfang aufrufen.

Über MATERIAL ARCHIV
können Sie auch ohne Flashplayer anschauen: www.materialarchiv.ch/cms