MATERIALARCHIV

Schellack

Schellack
Materialgruppen:
Tierische Werkstoffe > Ausscheidungsprodukte Materialbeschrieb Schellack ist ein natürliches Harz, das aus dem Ausscheidungsprodukt bestimmter Schildlausarten hergestellt wird. Der Rohstoff Schellack stammt von dem in Indien und Thailand beheimateten Insekt Laccifer lacca. Die Weibchen saugen während der Fortpflanzungsphase den aus Zweigen bestimmter Baumsorten austretenden Saft auf und schwitzen diesen als bernsteinfarbene harzige Substanz aus. Durch Zerkleinern, Ausschmelzen und Abreinigen wird Schellack direkt von den Ästen und Zweigen der Bäume gewonnen, auf denen die Lackschildlaus lebt. Für ein Kilogramm des Lacks ist das Sekret von etwa 300'000 Lackschildläusen nötig. Schellack ist ein gelblich-transparentes, sehr sprödes und brüchiges Harz. Es ist geruch- und geschmacklos, schmilzt beim Erhitzen und verbreitet bei höherer Temperatur einen angenehmen Geruch. Schellack brennt mit hell leuchtender Flamme, ist unlöslich in Wasser, quillt aber bei Kontakt mit Wasser auf und ist daher nicht wasserfest. Schellack lässt sich in Ethanol, Borax, Ammoniak und Alkali-Carbonaten sowie in einer Mischung von einem Teil Wasser und zehn Teilen Aceton, jedoch nicht in wässrigen Säuren lösen. Filmartige Überzüge aus Schellack lassen sich stark glänzend polieren und haften sehr gut. Das Material lässt sich durch Reibung elektrostatisch aufladen. Schellack lässt sich in Lösungsmitteln verflüssigen und in dieser Form als Überzug für verschiedene Einsätze nutzen sowie hochglänzend polieren. Schellack wird hauptsächlich für die Herstellung von Lacken, Firnissen, Polituren, Kitten, Appreturen und Kunststoffen verwendet. Schellackpolituren dienen zur Restaurierung und Pflege von Möbeln und Musikinstrumenten. Daneben verwendet auch die Lebensmittelindustrie Schellack: Als Lebensmittelzusatzstoff E 904 ist er als Überzugsmittel für Schokolade oder Kaugummi zugelassen, ebenso in der Medizin für die Beschichtung von Tabletten und Kapseln. Hintergrund Etymologie:
Das Wort Schellack leitet sich vom niederländischen Ausdruck schellak (Schuppe) ab. Aus der Kombination der englischen Ausdrücke shell (Schale, Hülse oder auch Kruste) und lac (Lack) ergibt sich die Bedeutung Schalen- oder Krustenlack. Geschichte:
Schellack wird in Indien und Thailand seit langem gewonnen; er war dort schon um 2000 v. Chr. bekannt. In Europa diente Schellack traditionell zur Herstellung von Siegellack für Urkunden und Briefe, als Abschlussfirnis für Ölgemälde, als Politur für Hölzer sowie als Kitt oder in Borax gelöst als extrem beständige Tinte. Schellack war das Material der ersten Schallplatten, bis er in den 1960er-Jahren endgültig durch Vinyl abgelöst wurde. Bis heute sind Farben und Lacke auf Schellackbasis weit verbreitet. Ökonomie:
Die Kolonialmächte England und Holland waren die ersten Exporteure von Schellack aus Indien nach Europa und Amerika und gaben dem Naturharz daher auch für den Handel verbindliche Bezeichnungen. Im Laufe des 19. Jahrhunderts verhundertfachte sich der Weltverbrauch und vervierfachte sich von 1900 bis in die 1960er-Jahre nochmals. Um 1860 begann die industrielle Grossverarbeitung von Schellack, der in etlichen Bereichen eingesetzt wurde und besonders in der Farben- und Lackherstellung eine wichtige Rolle spielte. Trotz der Entwicklung von künstlichen Harzen haben sich bis heute mehrere Verwendungszwecke für Schellack erhalten. Ökologie:
Das natürliche Harz ist biologisch abbaubar und physiologisch unbedenklich. Herstellung Herkunft, geografische Region:
Indien, Thailand Entstehung:
Ungefähr 50 verschiedene Baum- und Straucharten (z. B. Pappelfeigen) können den Lackschildläusen als Lebensraum und Nahrungsquelle dienen. Die Insekten stechen die Zweige mit ihrem Rüssel an, saugen den Saft als Nahrung heraus und scheiden die darin enthaltenen harzartigen Stoffe über die gesamte Körperoberfläche wieder aus. Mit dieser Substanz umhüllt sich die Laus auch selbst, um dann in dieser schützenden Hülle ihre Eier zu legen und schlüpfen zu lassen. Bei diesem Prozess werden sämtliche Zweige und Äste des Baumes mit dem Harz überzogen. Gewinnung:
Die harzig umkrusteten Zweige werden abgeschnitten, gesammelt und das Harz wird abgetrennt; in diesem Zustand wird es als Stocklack bezeichnet. Stocklack enthält je nach Holzanteil 60-80% Reinschellack. Die Holzbestandteile werden abgesammelt und abgesiebt. Anschliessend wird der Stocklack auf Erbsengrösse zerkleinert, in Wasser von wasserlöslichen Farbstoffen befreit und getrocknet. Dieser rohe, holzfreie Schellack wird Körnerlack genannt. Er enthält nur noch 5-6% Verunreinigungen. Fertigung:
Der gewaschene Körnerlack wird heute noch in Indien von Heimbetrieben in dieser Form in den Handel gebracht. Wird das Harz umgeschmolzen und zu einer dünnen Haut ausgezogen, zerbricht die Haut nach dem Trocknen und man erhält Blätterschellack. Eigenschaften Zusammensetzung/Analyse:
Das natürliche Harz hat eine uneinheitliche chemische Zusammensetzung. Abhängig ist diese von den Baumsäften, die das Insekt aufnimmt, der Region, in der das Harz gewonnen wurde, sowie vom Verarbeitungsprozess. Hauptbestandteile sind nieder-molekulare Polyester mit Aleuretinsäure und Schellolitinsäure als essentieller Bestandteil sowie Fettsäuren und Wachs. Besonderheiten:
Durch verschiedene Verarbeitungsverfahren lässt sich der Helligkeitsgrad von Schellack verändern und, für besondere Anwendungen, der natürliche Wachsgehalt von 3-5% fast vollständig herausfiltern. Erscheinung: Je nach Zusammensetzung variiert die Farbigkeit von Schellack von transparent über Gelb- und Brauntöne bis zu Rot. Geruch: neutral
Haptik: glatt, hart

Verträglichkeit: Bioverträglichkeit:
Da selbst die hellen Sorten immer noch viel Farbe aufweisen, wird Schellack häufig nachgebleicht. Während ungebleichter Schellack als weitgehend unbedenklich gilt, sind chlorgebleichte Sorten für medizinische Zwecke und in Lebensmitteln nicht zugelassen. Brandverhalten:

Rauchentwicklung (EN 13501-1:2002): s1 keine / kaum Rauchentwicklung


Bearbeitung Lieferformen:
Schellack gibt es im Handel in Form dünner, eckiger Bruchstückchen (Blätterlack), aber auch von Kuchen (Kuchenlack) oder Klumpen (Klumpenlack). Am gebräuchlichsten ist Granulat. Eine weitere Form sind glatte Tafeln; in Indien findet man auch Rundstäbe von 5-8 cm Durchmesser. Schellack kommt in verschiedenen Veredelungen in den Handel. Folgende Sorten lassen sich unterscheiden: 1. Indischer Eingeborenenschellack (Blätter- oder Knopfschellack), 2. indischer Fabrikschellack (wachshaltig oder wachsfrei, als Blätter oder in Plattenform), 3. ausserhalb Indiens weiterverarbeiter Schellack: Pulver- und Zopfschellack sowie wasserlösliche, chlorgebleichte Spezialschellacke. Lieferbare Materialqualitäten:
Es gibt unterschiedliche natürliche Sorten von Schellack, z. B. den dunkelroten Rubinschellack oder den gelben Lemonschellack. Die hellen, wachsfreien Sorten aus Indien eignen sich für die Farben- und Lackindustrie am besten. Je nach Zusammensetzung, d. h. dem Anteil an Wachs oder auch an Schmutzpartikeln, ist Schellack mehr oder weniger rein. Je nach Verwendung sollte auf gut gefilterte Ware geachtet werden. Oberflächenbearbeitung: polieren
Konservierung: Schutz und Pflege:
Bei Kontakt mit Wasser quillt Schellack auf. Nutzt man das Harz als Möbellack, ist Wasserkontakt zu vermeiden. Schellack ist kratzempfindlich, kann aber durch Anlösen mit Ethanol erneut aufgebaut und poliert werden. Anwendung Anwendungsgebiete:
Holzoberflächen, Bauwesen, Lebensmittelindustrie, Kosmetik Anwendungsbeispiele:
Lacke, Firnisse, Polituren, Kitte, Appreturen, Tinten, Tuschen, Glasuren, Kunststoffe, Schallpaltten, Überzüge auf Lebensmitteln und Medikamenten Besonderheiten:
Da Schellack mit heller Flamme brennt, eignet er sich als Zusatz in bengalischen Feuern. Die Naturkosmetik setzt ihn für Haarsprays ein. Darüber hinaus kommt er als Klebemittel in zahlreichen Anwendungen vor, beispielsweise in Zigaretten oder in Perlenketten. Sammlungen

Muster in folgenden Sammlungen: Gewerbemuseum Winterthur, Sitterwerk St. Gallen, ZHdK Medien- und Informationszentrum
Standort in der Sammlung: Gewerbemuseum Winterthur:
Tierische Werkstoffe > Schublade 38 Quellennachweis Verwendete Quellen:
Marx, E. L. (1967). Schellack. Herkunft, Eigenschaften, Verwendung. Mainz, Deutschland: Verlag Herbert Ditter. Weitere Quellen:
www.seilnacht.com/Lexikon/schella.htm Material-Archiv-Signatur:
TIE_AUS_1

Flashplayer nicht installiert
Um die Materialsuche zu tätigen, benötigen Sie einen aktuellen Flash Player.
Sie können es hier kostenlos runterladen.
Alternativ können Sie auf aktuellen Browsern auch die HTML5-Version mit leicht eingeschränktem Funktionsumfang aufrufen.

Über MATERIAL ARCHIV
können Sie auch ohne Flashplayer anschauen: www.materialarchiv.ch/cms