MATERIALARCHIV

Stroh

Stroh
Materialgruppen:
Pflanzliche Werkstoffe > Gräser Materialbeschrieb Als Stroh werden gedroschene, trockene Halme und Stängel fasriger Feldfrüchte wie Getreide (z. B. Weizen, Gerste, Hirse, Roggen, Hafer, Dinkel) und Faserpflanzen (z. B. Reis, Flachs und Hanf) bezeichnet. In Mitteleuropa spielt vor allem Weizenstroh, seltener auch Roggen- und Dinkelstroh eine Rolle. In der Schweiz, Deutschland und Österreich wird ausschliesslich Weizenstroh verwendet. Gelegentlich nutzt man Hafer- und Gerstenstroh, die aber relativ instabil sind. Ausserhalb Europas, insbesondere im asiatischen Raum, wird aufgrund der hohen Festigkeit und grossen Verfügbarkeit häufig Reisstroh verwendet. Die Wände eines sogenannten Strohballenhauses bestehen aus Ballen (lastabtragende und nicht lastabtragende Wände), die zwischen Fachwerk geklemmt und häufig nur mit Lehmputz verputzt werden. Dabei lassen sich die wärmedämmenden Eigenschaften von Stroh optimal nutzen. Stroh besteht aus Zellulose, Lignin und Kieselerde. Die Halme haben eine wachsartige, wasserabweisende Aussenschicht, die sie unempfindlich gegen äussere Einflüsse macht. Ihre rohrförmige Struktur hat eine hohe Elastiziät und Reissfestigkeit des Materials zur Folge. Die in den Hohlräumen eingeschlossene Luft bewirkt zudem ein hohes Dämmvermögen der Strohhalme. Neben der landwirtschaftlichen Nutzung hat Stroh in der Papierherstellung, als Flechtmaterial und als Baustoff Bedeutung. Es wird als armierender, fasriger Zuschlag in Lehmprodukten sowie als Pressspanplatten verwendet. Strohballen im Ganzen dienen zwischen oder auf den Dachsparren als Dämmung und werden auch als eigenständiger Wandbaustoff eingesetzt. Italienische Bezeichnung:
Paglia Französische Bezeichnung:
Paille Englische Bezeichnung:
Straw Hintergrund Geschichte:
Traditionell und bis in die heutige Zeit wird Stroh zum Flechten von Körben, Schuhen und Hüten verwendet. Die technische Nutzung begann mit der Herstellung von Buntpapier aus Reisstroh in China und der in Europa im 18. und 19. Jahrhundert vollzogenen intensiven Erforschung des Materials aus unterschiedlichen Rohstoffpflanzen für die Papierherstellung. Die ersten bautechnischen Einsätze von ungebrochenem Stroh in Form von Halmbündeln dienten zur Eindeckung von Dächern. Wände aus ganzen Strohballen (Strohballenhäuser) entstanden erstmals um 1880 in den USA nach der Erfindung der Strohballenpresse um 1872. Unter dem Markennamen Solomite wurden in den 1920er-Jahren in Frankreich und in der Schweiz Pressspanplatten aus Stroh entwickelt, und seit den 1960er Jahren gibt es in Deutschland Strohplatten, die ohne zusätzliche Bindemittel unter Hitzeeinwirkung verpresst werden. Soziologie:
Strohgedeckte Dächer wurden nach dem Aufkommen der langlebigeren Reetdächer nur noch von ärmeren Bevölkerungsschichten verwendet und daher auch als Armeleutedach bezeichnet. Herstellung Gewinnung:
Die Strohernte erfolgt nach der Kornernte. Dabei wird das Stroh vom Feld aufgenommen und durch eine Kolbenpresse in Ballen gepresst. Wichtig ist vor allem die Feuchtigkeit des zu pressenden Strohs, denn der Feuchtegehalt darf für die spätere bautechnische Nutzung max. 15% betragen. Für die Bindung der Strohballen benutzt man meist Polypropylenbändern, seltener Kokos, Hanf- oder Sisalfasern. Eigenschaften Erscheinung:

Farbe: Beigetöne, Gelbtöne
Haptik: handwarm

Mechanische Eigenschaften:

Dichte [ρ]: 90.00 bis 110.00 kg/m3
Der Wert bezieht sich auf Stroh als Wärmedämmstoff, d.h. auf die Rohdichte der Menge aller Strohhalme (inklusive Hohlräumen). Thermische Eigenschaften:

Wärmeleitfähigkeit/-zahl [λ]: 0.038 bis 0.075 W/mK

Brandverhalten:

Rauchentwicklung (EN 13501-1:2002): s1 keine / kaum Rauchentwicklung


Bearbeitung

Fügen und Verbinden: kleben, pressverbinden
Trennen und Subtrahieren: schneiden
Konservierung: Schutz und Pflege:
Strohballen sind ausreichend belüftet zu lagern, um den Befall durch Mikroorganismen und die damit verbundene Verrottung zu verhindern. Anwendung Anwendungsgebiete:
Landwirtschaft, Baubereich, Energiegewinnung, Haushaltswaren, Papierherstellung Anwendungsbeispiele:
Einstreu für Ställe, Futtermittel, Naturdünger; Reisstrohpapier; Flechtprodukte (Hüte, Körbe, Schirme, Möbelelemente), Garne, Formguss, Strohkernmatratzen; Pressspanplatten; Dämmstoff (Strohballen oder loser Stroh), Faserzuschlag für Lehmputze, Stampflehm und Lehmziegel Sammlungen

Muster in folgenden Sammlungen: Gewerbemuseum Winterthur, HSLU T+A Campus Horw, ZHdK Medien- und Informationszentrum
Standort in der Sammlung: Gewerbemuseum Winterthur:
Pflanzliche Werkstoffe > Schublade 13 Quellennachweis Verwendete Quellen:
Schrader, M. (1998). Reet & Stroh als historisches Baumaterial. Suderburg-Hösseringen: Edition anderweit.
Holzmann, G. (2009). Natürliche und pflanzliche Baustoffe. Wiesbaden: Vieweg und Teubner.
Zwiener, G. & Mötzl, H. (2011). Ökologisches Baustoff-Lexikon: Bauprodukte, Chemikalien, Schadstoffe, Ökologie, Innenraum. Berlin: VDE-Verlag. Weitere Quellen:
www.fasba.de
www.natur-baustoffe.info
www.karphos.de Expertin / Experte:
Gerhard Holzmann, Klostergasse 27, D-86465 Welden Material-Archiv-Signatur:
PFL_GRA_1

Flashplayer nicht installiert
Um die Materialsuche zu tätigen, benötigen Sie einen aktuellen Flash Player.
Sie können es hier kostenlos runterladen.
Alternativ können Sie auf aktuellen Browsern auch die HTML5-Version mit leicht eingeschränktem Funktionsumfang aufrufen.

Über MATERIAL ARCHIV
können Sie auch ohne Flashplayer anschauen: www.materialarchiv.ch/cms