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Schilf

Schilf
Materialgruppen:
Pflanzliche Werkstoffe > Gräser Materialbeschrieb Schilf ist die allgemeine Bezeichnung für Schilfrohr (Phragmites australis), eine Art der Süssgräser (Poaceae), die mit drei Unterarten weltweit vorkommt. Schilfrohr ist eine Sumpfpflanze, die in ihrer Normalform (Phragmites australis) maximal 4 m hoch wird. In der Hauptwachstumsperiode verlängern sich die Rhizome an der Spitze täglich bis zu 3 cm. Die ältesten Rhizomteile sterben jeweils ab. Schilf bildet an Seen und Gräben natürliche Monokulturbestände und verdrängt bei optimaler Wasser- und Nährstoffversorgung andere Wildkräuter und Gräser. Als Werkstoff ist Schilfrohr auch unter dem Begriff Reet bekannt und diente aufgrund lokaler Verfügbarkeit als eines der ersten Bedachungsmaterialien. Schilf ist natürlich wasserfest und wächst rasch nach. Die äussere Halmschicht (Epidermis) besteht aus dickwandigen verholzten Zellen mit zwei Zonen: eine aus mittelstarken, verholzten Zellen und eine aus Zellen mit kleinerem Durchmesser und dickeren Wänden. Das Grundgewebe zwischen diesem sklerosen Randgewebe und dem hohlen Zentrum des Halms besteht aus Zellen mit grösserem Durchmesser. Die Fasern laufen in den Internodien parallel, so dass die Rohre unbegrenzt spaltbar sind. Aufgrund seines Gehalts an Kieselsäure ist Schilf überdies brandhemmend. Schilfrohre können gebündelt, zu Platten mit mehreren Rohrlagen zusammengefasst und zu Granulat gehäckselt werden. Für Letzteres werden auch Bruch, Blätter und sämtliche Reste genutzt. Das Granulat lässt sich, mit Leim vermischt, ebenfalls zu Platten pressen. Schilfrohr wird vor allem als Naturbaustoff eingesetzt. Als Reet dient es zum Dachdecken und in Form von mehrschichtigen Schilfrohrplatten oder einfachem Schilfrohr als Putzträger (Rabitzgeflecht) im Lehmbau. Zudem nutzt man es als Aussendämmung von Dach und Decke sowie als Zwischensparren- und Innendämmung. Weitere Bauelemente sind Schilfrohrgewebe oder Trennwände für den ökologischen Trockenbau. Andere Bezeichnungen/Synonyme:
Schilfrohr, Teichrohr, Reet, Reth, Ried, Ret, Rädje Italienische Bezeichnung:
Canna di palude, la cannizza Französische Bezeichnung:
Roseau à balais, jonc, canne Englische Bezeichnung:
Reed, reede common, cane, sedge Gleiche Familie:
Bambus und Miscanthus Unterarten:
Phragmites australis ssp. australis (Wuchshöhe bis 4 m)
Phragmites australis ssp. altissimus (Wuchshöhe bis 10 m)
Phragmites australis ssp. humilis (Wuchshöhe bis 1,2 m) Hintergrund Etymologie:
Der Begriff Schilf geht auf das lateinische Wort scirpus (Binse) zurück, das sich im Althochdeutschen zu sciluf und später zu Schilf entwickelte. Ökonomie:
Schon seit Ende des 19. Jahrhunderts ist Schilf als Rohstoff zur Herstellung von Schnaps, Kaffee, Mehl, Viehfutter, Papier, Korbwaren, Besen und Bürsten bekannt. Im Bauwesen wird das Material bereits seit der Frühsteinzeit für einfache Behausungen und Dachdeckungen verwendet. Heute spielt Schilf neben seiner Bedeutung als Festbrennstoff und Biomasse in der Energieerzeugung vor allem im Baubereich eine Rolle. Ökologie:
Seit der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts erfolgt die Schilfernte maschinell, wodurch sich grössere Bodenschäden vermeiden lassen. Schilfrohrdämmplatten und Bewehrungen haben einen niedrigen Primärenergieverbrauch. Im Entsorgungsfall fällt kein naturfremder Abfall an. Der Verschnitt lässt sich häckseln und einfach kompostieren. Herstellung Herkunft, geografische Region:
Schilf ist weltweit verbreitet. Gewinnung:
Schilfrohr wird heute maschinell geerntet. Dies geschieht, nach dem Absterben und Austrocknen der Pflanze, jeweils in den Wintermonaten. Der Ernteablauf ist daher stark witterungsabhängig, oft sorgen Frost und Regen für Ernteausfälle. Nach der Ernte ist das Material gut belüftet zu lagern, da sonst Verfaulung oder Pilzbefall drohen. Fertigung:
Nach dem Trocknen sortiert man die Halme nach Grösse. Lange, kräftige Schilfrohre werden für Dämmplatten verwendet. Dazu werden sie in einen Füllschacht gegeben, daraus in der gewünschten Plattendicke gefasst und durch verzinkte Läuferdrähte fixiert. Nach dem Zuschneiden ist keine weitere Behandlung notwendig. Die etwas dünneren Rohre dienen zur Dachdeckung. Man putzt sie aus und bindet sie zu gleichmässig dicken Büscheln, sogenannten Meterbündeln. Alle anderen Schilfbestandteile, auch Reste und geknickte Blätter, werden zu Schilfgranulat für Schilffaserplatten oder Briketts gehäckselt. Dazu wird das Granulat in einem Trommelmischer mit wasserlöslichem Leim gemischt, in einer Form vorgepresst und heiss nachgepresst. Nach dem Abkühlen sind die Platten direkt verarbeitungsfähig. Eigenschaften Zusammensetzung/Analyse:
Zusammensetzung: Zellulose, Lignin, Pentosane, mineralische Substanzen, Wachse, Fette und Harze. Besonderheiten:
Schilfdämmsysteme erhalten meist eine Dickputzschale, wodurch die Putzfläche wesentlich stabiler ist als bei herkömmlichen Dünnputzsystemen. Die untereinander verschiebbaren Schilfhalme innerhalb einer Dämmplatte können leichte Bewegungen im Untergrund problemlos ausgleichen. Erscheinung: Aussehen:
Der Halm des Schilfrohrs ist gerade, zylindrisch geformt, hohl und axial von leicht konischer Form. Der Stängel hat eine glatte, glänzende Oberfläche, ist grün bis gelblich-braun und wird bei der Reife gelb. Farbe: Beigetöne, Grüntöne
Haptik: glatt, hart
griffig, fest Beständigkeit:

Witterungsbeständigkeit: beständig
Schilf nimmt keine Feuchtigkeit auf und verrottet nur sehr langsam. In Verbindung mit einer Lehm- oder Kalkputzschicht überdauert Schilfrohr Jahrhunderte. Mechanische Eigenschaften:

Dichte [ρ]: 190.00 bis 225.00 kg/m3
Der Wert bezieht sich auf Schilf als Wärmedämmstoff, d.h. auf die Rohdichte der Menge vieler Schilfrohre aneinander (inklusive Hohlräumen). Thermische Eigenschaften:

Wärmeleitfähigkeit/-zahl [λ]: 0.055 bis 0.090 W/mK

Brandverhalten:

Rauchentwicklung (EN 13501-1:2002): s1 keine / kaum Rauchentwicklung


Bearbeitung Lieferformen:
Schilfrohr zur Dachdeckung wird in gleichmässig dicken Meterbündeln angeboten.
Schilfrohrdämmplatten lassen sich auf jedes gewünschte Mass zuschneiden. Standardgrössen: 1,25 m x 1 m und 1,25 m x 2 m; Standarddicke: 2-5 cm
Trockenausbauplatten aus Schilfgranulat: Grösse: 1,10 m x 0,60 m; Dicke: ca. 3 cm Im Wärmedämmverbundsystem (WDV-System) ist nur eine Dübelung notwendig, Verkleben ist nicht erforderlich. Trocknung:
Schilf ist nach der Ernte zum Trocknen gut belüftet zu lagern, da sonst Verfaulung oder Pilzbefall drohen. Der hohe Silikatgehalt des Schilfrohrhalms bewirkt kein bemerkbares Schwinden und Quellen. Anwendung Anwendungsgebiete:
Baubereich, Haushaltswaren, Brennstoff Anwendungsbeispiele:
Dämmplatten für Wand und Decke (innen und aussen), Putzträger (Rabitzgeflecht), Faserzuschlag für Leichtbeton, Biomasse zur Energiegewinnung, Sichtschutzmatten im Gartenbau, Besen, Körbe Sammlungen

Muster in folgenden Sammlungen: ETH Zürich Baubibliothek, HSLU T+A Campus Horw, ZHdK Medien- und Informationszentrum
Standort in der Sammlung: ETH Zürich Baubibliothek:
ZV-SC | Sonstige pflanzliche Werkstoffe > Schilf Spezialmuster: HSLU T+A Campus Horw:
Schilfmatte Quellennachweis Verwendete Quellen:
Holzmann, G. (2009). Natürliche und pflanzliche Baustoffe. Wiesbaden: Vieweg und Teubner.
Schrader, M. (1998). Reet & Stroh als historisches Baumaterial. Suderburg-Hösseringen: Edition anderweit.
Zwiener, G. & Mötzl, H. (2011). Ökologisches Baustoff-Lexikon: Bauprodukte, Chemikalien, Schadstoffe, Ökologie, Innenraum. Berlin: VDE-Verlag. Weitere Quellen:
www.hiss-reet.de
www.natur-baustoffe.info
www.baubegriffe.com/Bausachverstandiger_Holzmann-Bauberatung/Blog/Eintrage/2011/9/22_Schilf_das_Gras_fur_die_Fassade.html Expertin / Experte:
Gerhard Holzmann, Klostergasse 27, D-86465 Welden Material-Archiv-Signatur:
PFL_GRA_2

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