MATERIALARCHIV

Rindentuch

Rindentuch
Materialgruppen:
Pflanzliche Werkstoffe > Baumbestandteile Materialbeschrieb Rindentuch ist ein Vlies aus der äussersten Schicht des ostafrikanischen Feigenbaums Mutuba (Ficus natalensis). Rindentuch ist der textilhistorische Vorläufer heutiger Non-Woven (Vliesstoffe) und vermutlich eines der ältesten Bekleidungsstoffe der Menschheitsgeschichte. Pro Baum wird in traditioneller, aufwendiger Handarbeit ein Rindentuch hergestellt. Durch Astlöcher entstandene offene Stellen werden durch Nähte und Flicken geschlossen; dieses ursprünglich technisch bedingte Verfahren findet mittlerweile als stilistisches Mittel Anwendung und kann gezielt als Oberflächenstruktur-Design gesteuert werden. Das Material enthält keinerlei Textilhilfsmittel oder sonstige Additive wie Pestizide, Herbizide oder Fungizide. Nach der Ernte lebt der Baum dank einem Bananenblätterverband weiter, und der nachwachsende Werkstoff kann jährlich gewonnen werden. Die raportfreie Struktur von Rindentuch ist fein und lederartig; seine Farben reichen von Beige bis Dunkelbraun, je nach dem Baum, von dem es gewonnen wurde. Rindentuch wird traditionell als Bekleidungsmaterial eingesetzt. Heutzutage findet es versuchsweise auf vielfältige Art und Weise Verwendung, wobei das Oberflächendesign im innenarchitektonischen Bereich eine wesentliche Rolle spielt. Mit Rindentuch können Paneelen belegt oder tapeziert sowie dreidimensionale Elemente verkleidet werden.
Tapa aus Polynesien wird anders als Rindentuch aus Uganda nicht für Bekleidungen verwendet, sondern in bemalter Form als Stoff zur Aufbewahrung von Toten in zeremoniellen Zusammenhängen eingesetzt sowie als Schlafunterlage, Vorhänge und Wandschmuck genutzt. Handelsnamen:
BARKTEX®, BARK CLOTH® Ähnliche Materialien:
In Polynesien und Melanesien bezeichnet man Stoffe, die aus Rindenbast hergestellt werden als [[Tapa|Tapa]]. Das Ausgangsmaterial für Tapa stammt hauptsächlich vom Papiermaulbeerbaum (Broussonetia papyrifera aus der Familie der Moraceae). Hintergrund Geschichte:
Traditionell wird Rindentuch in Uganda als Kleidungsmaterial verwendet und war lange Zeit den Monarchen vorbehalten. 1999 nahm das ugandisch-deutsche Familienunternehmen BARK CLOTH® gemeinsam mit ugandischen Biobauern seine Tätigkeit als Pionier systematischer Rindentuchproduktion auf. Was 2001-2005 als ein Entwicklungshilfeprojekt in Kooperation mit dem BMZ-Ministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung begann, sichert heute hunderten kleinbäuerlichen Familien ein Einkommen. Ökologie:
Rindentuch wird ökologisch angebaut. Das EEC 2092/91-Bio-Zertifikat Ceres 068 garantiert rückstandsfreie Textilien ohne Pestizide, Herbizide, Fungizide oder Textilhilfsmittel. Herstellung Herkunft, geografische Region:
Uganda Fertigung:
Die nachwachsende Rinde wird in Handarbeit vom lebenden Baum in einem Stück geschält, anschliessend wird sie gekocht und mit speziell eingekerbten Holzklöppeln mehrere Tage lang weich geklopft, bis sie zu einem flachen Tuch ausgetrieben ist. Die Kombination aus dem archaischen Herstellungsprinzip, den Eigenheiten und dem Alter des Baums, dem Erntezeitpunkt der Rinde und der Verarbeitungsweise des Herstellers lassen Farbigkeit (kräftiges Beige bis dunkles Braun) und Struktur (fein bis ledrig) individuell erscheinen. Durch diverse Ausrüstungsverfahren der Textil-, Holz-, Leder- oder Papiertechnologie lässt sich das Material so verarbeiten, dass es ein anderes Aussehen und/oder zusätzliche Funktionen erhält, z. B. als Brandschutzausrüstung dient oder wasserabweisend wird. Eigenschaften Zusammensetzung/Analyse:
Unterrinde des Mutuba-Baums (Ficus natalensis, common wild fig). Erscheinung: Aussehen:
fell- oder lederartig Farbe: Brauntöne
Geruch: würzig
Die herbe Durftnote verflüchtigt sich nach Verarbeitung. Haptik: rau, handwarm

Beständigkeit: Rindentuch ist schmutz- und wasserabweisend sowie durch besondere Behandlung elastisch, feuer-oder reissfest. Bearbeitung Lieferformen:
Form/Masse: Stücke von durchschnittlich 2000x3000 mm Grösse und 0,3-3,5 mm Dicke. Bei Auftragsproduktion sind grössere/kleinere Masse möglich.
Handelsformen: Für das jeweilige Anwendungsgebiet sind individuelle Handelsformen erhältlich. Veredelung:
Rindentuch kann eingefärbt und lackiert werden. Anwendung Anwendungsgebiete:
Kleidung, Innenarchitektur Anwendungsbeispiele:
Kleidungsstücke, Mode-Accessoires, Wandverkleidungen, Wandbespannungen, Raumteiler-, Paneel- und Sonnenschutzsysteme, Leichtbauwände im Messe- oder Theaterbau, Wohnaccessoires, Lampenschirme Sammlungen

Muster in folgenden Sammlungen: Gewerbemuseum Winterthur, HSLU T+A Campus Horw, ZHdK Medien- und Informationszentrum
Standort in der Sammlung: Gewerbemuseum Winterthur:
Pflanzliche Werkstoffe > Schublade 22 HSLU T+A Campus Horw:
auf Assistenz D401 Bezugsquelle Bezugsquelle Sammlungsmuster:
Strasser AG Thun, CH. Quellennachweis Verwendete Quellen:
Kalweit, A., Paul, C., Peters, S., & Wallbaum, R. (Hrsg.) (2006). Handbuch für Technisches Produktdesign. Berlin/Heidelberg, Deutschland: Springer.
Peters, S. (2011). Materialrevolution. Nachhaltige und multifunktionale Materialien für Design und Architektur. Basel: Birkhäuser Verlag.
Gillow, J., Sentance, B. (1999). Atlas der Textilien. Bern: Verlag Paul Haupt. Weitere Quellen:
www.barkcloth.de Expertin / Experte:
Philipp Kuntze Material-Archiv-Signatur:
PFL_BAU_2 Bilder

Flashplayer nicht installiert
Um die Materialsuche zu tätigen, benötigen Sie einen aktuellen Flash Player.
Sie können es hier kostenlos runterladen.
Alternativ können Sie auf aktuellen Browsern auch die HTML5-Version mit leicht eingeschränktem Funktionsumfang aufrufen.

Über MATERIAL ARCHIV
können Sie auch ohne Flashplayer anschauen: www.materialarchiv.ch/cms