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Bois Durci

Bois Durci
Materialgruppen:
Kunststoff Materialbeschrieb Bois Durci besteht aus pulverisiertem Sägemehl von Palisander oder Ebenholz, sowie Rinderblut, Gelatine oder Eiweiss als Bindemittel. Der Werkstoff wurde 1855 von François Charles Lepage erfunden und patentiert. Noch im selben Jahr kaufte ihm A. Latry das Patent ab und stellte fortan Objekte aus Bois Durci her. Seine Firma A. Latry & Cie. in Paris war führend in der Herstellung von Gegenständen aus Bois Durci. Um 1900 übernahm die MIOM (Manufacture d'Isolants et Objets Moulés) Latrys Firma und produzierte bis ca. 1920 mit deren Gussformen weiter. Dabei wurde jedoch ab 1907/1908 die Rezeptur schrittweise verändert, da inzwischen geeignete synthetische und halbsynthetische Rohprodukte auf dem Markt waren. Neben A. Latry & Cie. gab es ab 1883 in Sézanne, östlich von Paris, eine Konkurrenzfabrik, die aus den gleichen Rohstoffen sehr ähnliche Produkte herstellte. 1926 wurde diese jedoch bei einem Feuer zerstört und die Produktion eingestellt. In den 1920er-Jahren wurde Bois Durci von neuen Kunststoffen verdrängt. Objekte aus Bois Durci weisen produktionsbedingt eine sehr glatte Oberfläche auf und sind sehr hart. Bois Durci aus Palisander ist braun, solches aus Ebenholz schwarz. Bois Durci lässt sich polieren und wie Hartholz bearbeiten. Bois Durci diente vorwiegend als Ersatzmaterial für Holz, Leder und Gusseisen. Hergestellt wurden dekorative Kleinobjekte wie Medaillons, Schreibtischgarnituren und Bilderrahmen. Andere Bezeichnungen/Synonyme:
Latrysches Kunstholz Hintergrund Ökonomie:
Produkte aus Bois Durci dienten vorwiegend als kostengünstige Substitute für ähnliche Erzeugnisse aus Holz, Leder oder Gusseisen. In den 1920er-Jahren wurde die Produktion von Bois Durci jedoch eingestellt, da es von anderen Kunststoffen verdrängt wurde. Herstellung Gewinnung:
Bois Durci besteht aus pulverisiertem Sägemehl von Palisander oder Ebenholz, sowie Rinderblut, Gelatine oder Eiweiss als Bindemittel mit einem Gewichtsanteil von 15–20%. Diese Mischung wird getrocknet und zu einem feinen Pulver zerrieben. Fertigung:
Das Pulver wird in eine Gussform aus Stahl gegeben, unter Hitze und Druck geschmolzen und gepresst. Nach ca. 30 Min. werden die Gussformen schockartig in kaltem Wasser abgekühlt und die Objekte herausgenommen. Zum Schluss werden die Kanten und Rückseiten der gegossenen Produkte geschliffen und die Oberflächen poliert. Eigenschaften Erscheinung:

Farbe: Brauntöne, Schwarztöne
Haptik: glatt

Mechanische Eigenschaften:

Dichte [ρ]: 1 300.00 kg/m3

Verträglichkeit: Bioverträglichkeit:
Gemäss Kunststoffsammler und -experte Hans Ulrich Kölsch stehen heute einer Produktion von neuen Bois Durci-Produkten die Hygienevorschriften im Zusammenhang mit einer BSE-Kontaminationsgefahr während der Verarbeitung von Rinderblut im Wege. Bearbeitung

Formen und Generieren: pressen
Fügen und Verbinden: kleben, schrauben
Oberflächenbearbeitung: polieren
Trennen und Subtrahieren: bohren, drehen, sägen

Anwendung Anwendungsgebiete:
Alltags- und Dekorationsobjekte, Technische Geräte Anwendungsbeispiele:
Schreibgeräte und -halter, Messergriffe, Kämme, Gürtelschnallen, Tablette, Medaillons, Bilderrahmen, Broschen, Schatullen, Tischkalender, Zierleisten, Briefbeschwerer, Barometer, Thermometer Sammlungen

Muster in folgenden Sammlungen: Gewerbemuseum Winterthur
Spezialmuster: Gewerbemuseum Winterthur:
Bilderrahmen in Schausammlung Quellennachweis Weitere Quellen:
Michel Ancel, www.kaftafex.free.fr/histoire_phota.html, 25.9.09
Figuier, L. (1865). L'anneé scientifique et industrielle. Paris: Hachette.
Philip and Harold Mernick, www.mernicks.com/BDWeb, 25.9.09
Plastics Historical Society, www.plastiquarian.com/lepage.htm, 25.9.09 Material-Archiv-Signatur:
KUN_4 Text verfasst von:
Gewerbemuseum, PM, 2010 Bilder

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