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Saftgrün aus Kreuzdornbeeren, NG 2

Saftgrün aus Kreuzdornbeeren, NG 2
Materialgruppen:
Farbmittel > Pigmente > Organische Pigmente > Natürliche organische Pigmente Materialbeschrieb Saftgrün ist ein natürlicher organischer Farbstoff, der aus nicht ganz reifen Kreuzdornbeeren gewonnen wird. Halbreife Kreuzdornbeeren liefern einen olivgrünen, gelbgrünen, gelbbraunen Farbstoff. Farbgebender Hauptbestandteil der Beeren sind Flavonoide.
Saftgrün taucht erstmals im 15. Jh. in der Literatur auf. Da das Pigment nicht beständig ist, verlor es ab dem 19. Jh. an Bedeutung. Saftgrün ist wasserlöslich und weder licht- noch farbbeständig. Da Saftgrün ein natürliches Produkt ist, kann der Farbton von Gelbbraun bis Hellgrün variieren. Je nach Reifegrad der Kreuzdornbeeren lassen sich verschiedene Farbtöne daraus gewinnen. Unreife Beeren (im Handel als Gelb- oder Kreuzbeeren) liefern ein leuchtendes Gelb. Halbreife Beeren liefern einen olivgrünen, gelbgrünen, gelbbraunen Farbstoff. Aus reifen Beeren kann ein purpurroter Farbstoff, Kreuzbeerenkarmin, gewonnen werden.
Aus Farbstofflösungen kann mit Pottasche und Alaun der Farblack Saftgrün als Pigment ausgefälltwerden. Saftgrün wurde in der Textil-, Papier- und Lederfärberei als Farbstoff eingesetzt und nur selten als Pigment in der Tafelmalerei. Abkürzung:
CI Natural Green 2 Andere Bezeichnungen/Synonyme:
Laubgrün, Moosgrün, grüner Lack, Blasengrün, Purgierkreuzdorn. Getrocknete Beeren werden Avignon-, Kreuz-, Persische- oder Gelbbeeren genannt Colour Index Number:
Natural Green 2 Lateinische Bezeichnung:
sucus viridis Italienische Bezeichnung:
spincervino, verde di veschia Französische Bezeichnung:
nerprun purgatif, vert de vessie I et II Englische Bezeichnung:
common buckthorn, sap green I and II, bladder green, juice green Gleiche Familie:
Es gibt verschiedene Arten von Kreuzdorn (lat. Rhamnus), deren Beeren zur Herstellung von Farbstoffen und Pigmenten verwendet werden: Immergrüner Kreuzdorn (NY 13, Sandbraun- Rotbraun- Goldgelb), Felsenkreuzdorn (NY 13, Goldgelb), Färberdorn oder Stinkender Kreuzdorn (Goldgelb), Färberwegdorn (NY 13, Goldgelb). Ähnliche Materialien:
Unreife Kreuzbeeren liefern einen gelben Farbstoff, aus dem durch Zugabe von Soda und Alaun, das Pigment Schüttgelb ausgefällt wird. Halbreife Beeren liefern einen olivgrünen, gelbgrünen, gelbbraunen Farbstoff, woraus ebenfalls unter Zugabe von Alaun und Pottasche ein Pigment ausgefällt werden kann. Aus reifen Beeren kann mit Soda ein purpurrotes Pigment, Kreuzbeerenkarmin, ausgefällt werden. Kreuzdornbeeren, die zur Herstellung von Farbstoffen verwendet werden, sind: Immergrüner Kreuzdorn, Felsenkreuzdorn, Färberdorn oder stinkender Kreuzdorn, Färberwegdorn, diese liefern einen gelben-goldgelben Farbton. Gleiche Provenienz oder Zusammensetzung:
Schüttgelb, Stil de grain Hintergrund Etymologie:
Der Name Saftgrün und Blasengrün kommt daher, dass der dicke Saft in Schweins-, Rinds- oder Kalbsblasen gefüllt, darin getrocknet und aufbewahrt wurde. Geschichte:
In der Literatur werden Kreuzdornbeeren zum ersten Mal im 15. Jh. im „Nürnberger Kunstbuch“ erwähnt. Dort wird beschrieben, wie Textilien gefärbt und Pigmente für den Zeugdruck und für die Malerei hergestellt werden. Im 16. Jh. erschien unter dem Titel „Plictho“ das erste gedruckte Färberbuch, welches Techniken des Textilfärbens mit Kreuzdornbeeren beschreibt. Frisch hergestelltes Saftgrün war im 17. Jh. das einzige Grün, das in der Malerei zum unmittelbaren Gebrauch zur Verfügung stand. Anwendung fand es in der Aquarelltechnik. Wegen seiner schlechten Lichtechtheit verlor Saftgrün Anfang des 19. Jh. an Ansehen, da in Gemälden braune Verfärbungen entstanden waren. Ökologie:
Saftgrün ist ein natürliches Produkt und nicht wassergefährdend. Mythologie:
Im volkstümlichen Aberglauben galt Kreuzdorn lange als hexenvertreibendes und dämonen-abwehrendes Mittel. Herstellung Herkunft, geografische Region:
Europa, Asien, Nordafrika. Die Persischen Beeren enthalten den besten und beständigsten Farbstoff. Entstehung:
Der ca. 3 m hohe, immergrüne, stachelige Strauch trägt von Mitte Juli bis Mitte Oktober erbsengrosse kugelige Beeren, die den Farbstoff liefern. Die Sträucher bevorzugen kalkhaltigen Boden und wachsen vor allem an Waldrändern und in Hecken. Gewinnung:
Die Kreuzdornbeeren werden zur Herstellung von Saftgrün acht Tage nach Sankt Michael (7.10.) in halbreifem Zustand gepflückt. Die Beeren sollen schwarz, aber noch fest sein. Früher gepflückte, unreife Beeren ergeben einen gelben, später gepflückte überreife Beeren ergeben einen purpurroten Farbstoff. Fertigung:
Im Jahr 1846 beschrieb Johann C. Leuchs zwei Varianten zur Herstellung von Saftgrün als Farbstoff:
1. Die halbreifen Beeren werden zerstossen, im Keller gegoren, gepresst und mit Alaun versetzt (oder halb Alaun, halb Pottasche). Anschliessend wird der Saft bei kleinem Feuer zu Honigdicke eingekocht. Die Farbstabilität kann erhöht werden, indem man die Beeren mit Essig auskocht. Die Lichtechtheit und die Intensität der Farbe kann durch Zugabe von Grünspan verbessert werden. Dieser löst eine chemische Reaktion zwischen dem Farbstoff der Kreuzdornbeeren und dem Kupfer des Grünspans aus.
2. Die Beeren werden mit Wasser zu einem Brei gekocht, durch ein Flanelltuch abgesiebt und dann zu einem Extrakt eindampft. Anschliessend gibt man 1/16 Alaun bei, dampft weiter ein und füllt den Brei am Schluss zum Trocknen in Kalbs-, Rinds- oder Schweineblasen. Der Name Blasengrün ist vom Trocknen in den Blasen abgeleitet. Saft- oder Blasengrün kann zur Herstellung von Schüttgelb verwendet werden. Dabei wird dem Blasen- oder Saftgrün Lauge beigemischt, welche das Grün in Gelb umschlagen lässt. Bleibt der Farbton grün, wird der Lack als Schüttgrün bezeichnet.

Pigmentherstellung: Um einen grünen Farblack (ein Pigment) für die Ölmalerei herzustellen, kann man den Saft zuerst mit Alaun versetzen und anschiessend langsam Pottaschenlauge zufügen, damit sich ein Niederschlag bildet. Dieser getrocknete Farblack kann in Öl und anderen Bindemitteln zum Malen verwendet werden. Eigenschaften Zusammensetzung/Analyse:
Der grösste farbgebende Anteil der Kreuzdornbeeren sind Flavonoide. Erscheinung: Aussehen:
Die Farbe des Beerensaftes hängt stark vom pH-Wert des Malgrundes ab. Wird zum Beispiel ein bräunlicher Saft auf eine alkalische Pergamentoberfläche gebracht vollzieht sich beim Trocknen der Farbe die Umwandlung zu einem lebhaften Grün. Dünn aufgetragene Farbschichten wirken grün, in dicker, deckender Farbschicht wirkt die Farbe braunviolett. Farbe: Grüntöne
Gelbbraun, helles Olivgrün bis Grün einer Frühlingswiese Beständigkeit: Saftgrün ist weder licht- noch farbbeständig. Auf Gemälden des 14. und 15. Jh. konnten in ursprünglich grünen Malschichten braune Flecken ausgemacht werden. Es wird angenommen, dass die Verfärbungen auf chemische oder fotochemische Prozesse zurückzuführen sind. Saftgrün gilt als nicht säurebeständig. Biologische Schadensfaktoren:
natürliches Produkt, nicht umweltgefährdend Laugenbeständigkeit: unbeständig
Laugen verfärben den Kreuzdornsaft gelb. Lösungsmittelbeständigkeit: bedingt beständig
schwer löslich in Alkohol Saftgrün gilt als nicht säurebeständig. Temperaturwechselbeständigkeit: unbeständig
UV-Beständigkeit: unbeständig
Durch Einfluss von UV-Strahlung hat sich Saftgrün auf Gemälden des 14./15. Jh. in ein Braun umgewandelt. Hygrische Eigenschaften:

Wasserbenetzung: hydrophil

Optische Eigenschaften:

Lichtechtheit: unbeständig
Die Farbstabilität kann erhöht werden, indem man die Beeren mit Essig auskocht. Die Lichtechtheit und die Intensität der Farbe kann durch Zugabe von Grünspan verbessert werden. Dieser löst eine chemische Reaktion zwischen dem Farbstoff der Kreuzdornbeeren und dem Kupfer des Grünspans aus. Farbechtheit: schlecht
Pigment: Das Pigment Saftgrün ist in Ölgemälden nicht farbecht. Innerhalb eines Jahres verblasst die Farbe zu Gelbgrün, später wird sie Braun. Als Aquarellfarbe ist Saftgrün nicht stabil, innerhalb eines Jahres kann die Farbe verblassen.

Farbstoff: Saftgrün ist auf Wolle, Leinen, Baumwolle und Seide farbecht, wenn das Färbegut im Voraus mit Alaun und/oder Weinstein gebeizt wurde und nach dem Färbeprozess in Essigwasser gewaschen wird. Lichtechte Olivtöne erzielt man durch Zugabe von Chrom- Eisen- oder Kupfersalzen. Maltechnische Eigenschaften:

Bindemittelechtheit: mittel
Deckvermögen: schlecht
lasierend bis transparent Färbevermögen: mittel
Lasurfähigkeit: gut
Saftgrün ist ein ausgesprochenes Lasurpigment. Quellen der Kennwerte: Kremer Bearbeitung Lieferformen:
Pulver, getrocknete Beeren Arbeitsschutz:
Bei sachgemässer Handhabung sind keine besonderen Vorsichtsmassnahmen nötig. Eine
Schutzbrille sollte bei starker Staubentwicklung getragen werden. Eine Atemschutzmaske wird nur empfohlen, wenn viel Staub entwickelt wird. Für gute Raumlüftung sorgen. Kreuzdornbeeren enthalten Antrachinon-glykoside, welche abführend wirken und deshalb in der Heilpflanzenmedizin zur Anregung des Magen-Darm-Trakts eingesetzt werden. Der Verzehr von Beeren des Purgierkreuzdorns kann bei Kleinkindern Vergiftungserscheinungen hervorrufen, die Rinde ebenso bei Erwachsenen. Konservierung: Schutz und Pflege:
Behälter kühl und trocken lagern. Lagerung und Aufbewahrung:
trocken lagern Anwendung Anwendungsgebiete:
Künstlerbedarf, Innenausbau, Papierfabrikation, Textilfärberei Anwendungsbeispiele:
Malerei, gefärbtes Papier und Leder. Bis ins 19. Jh. wurde Saftgrün zum Färben von Buntpapieren und im Tapetendruck verwendet. Umweltschutz:
keine besonderen Massnahmen erforderlich Sammlungen

Muster in folgenden Sammlungen: Gewerbemuseum Winterthur, HSLU D+K Luzern Sentimatt
Standort in der Sammlung: Gewerbemuseum Winterthur:
Farbmittel > Schublade 22 Spezialmuster: Gewerbemuseum Winterthur:
Pigmente HSLU D+K Luzern Sentimatt:
Pigment, getrocknete Beeren, gefärbte Wolle und Seide, Anstrichmuster auf A4-Platten: Eitempera, Öl, Acryl, Gummi arabicum, Fresko, Hinterglasmalerei Bezugsquelle Bezugsquelle Sammlungsmuster:
Kremer Pigmente GmbH & Co. KG, Aichstetten / D Musterherstellung:
HSLU D&K Quellennachweis Verwendete Quellen:
Doerner, M. & Hoppe, Th. (Hrsg.) (2006, 21. Auflage). Malmaterial und seine Verwendung im Bilde. Stuttgart: Urania Verlag.

Eastaugh, N., Walsh, V., Chaplin, T., Siddall, R. (2008). Pigment Compendium. A Dictionary and Optical Microscopy of Historical Pigments. Oxford: Butterworth-Heinemann/ Elsevier.

Harley, R. D. (1982, 1. Auflage). Artists’ Pigments c. 1600-1835. A Study in English Documentary Sources. Second Revised Edition (2001). London: Archetype Publications. Gleiche Familie siehe S. 86; Geschichte siehe S. 87.

Gewerbemuseum Winterthur & Muntwyler, S. (Hrsg.) (2010). Farbpigmente, Farbstoffe, Farbgeschichten. Winterthur: alataverlag.

Schweppe, H. (1992). Handbuch der Naturfarbstoffe. Vorkommen, Verwendung, Nachweis. Landsberg/Lech: Ecomed Verlagsgesellschaft. Synonyme, Entstehung, Fertigung siehe S. 378-380; Gleiche Familie siehe S. 380-382; Ähnliche Materialien siehe S.392, 381; Ethymologie siehe S. 379; Geschichte siehe S. 72, 81.

Wehlte, K. (1974, 2. Auflage). Werkstoffe und Techniken der Malerei. Ravensburg: Otto Maier Verlag.

Welsch, N. & Liebmann C. (2003). Farben, Natur, Technik, Kunst. Berlin: Spektrum Akademischer Verlag Heidelberg. Synonyme siehe S. 147. Weitere Quellen:
Hofenk de Graaff, J. H. (2004). The Colourful Past. London: Archetype Publications.

Schäffel, K. P. (2007). Wasserfarben aus Naturmaterialien selber machen. Basel: Basler Papiermühle. Aussehen siehe S. 62.

Woudhuysen-Keller, R. (2012). Das Farbbüchlein Codex 431. Aus dem Kloster Engelberg, Band II. Riggisberg: Abegg-Stiftung. Fertigung siehe S. 112.

www.awl.ch/heilpflanzen/rhamnus_catharticus/index.htm (Stand 12.7.2013) Gesundheitliche Auswirkungen.

www.kremer-pigmente.com/media/files_public/37390.pdf (Stand 12.7.2014) Eigenschaften. Expertin / Experte:
Prof. Dr. Stefan Wülfert Material-Archiv-Signatur:
FAR_FAS_ORG_NAT_19; FAR_PIG_ORG_NAT_14 Text verfasst von:
HSLU D&K, HS, 2014 Bilder

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