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Lac Dye

Lac Dye
Materialgruppen:
Farbmittel > Pigmente > Organische Pigmente > Natürliche organische Pigmente Materialbeschrieb Lac Dye ist ein natürlicher organischer Farbstoff, der verlackt als Pigment verwendet wird. Lac Dye wird aus dem harzigen Sekret von Schildläusen, die auf bestimmten Wirtspflanzen leben und sich von ihrem zuckrigen Saft ernähren, gewonnen. Man spricht deshalb von Lackschildläusen (Kerria lacca). Ihre Harzausscheidung ist so stark, dass die Läuse vollständig im Harz eingeschlossen werden und absterben. Die Krusten an den Baumzweigen, sogenannter Stocklack oder Gummilack, werden gesammelt und zum Lac-Dye-Farbstoff vermahlen oder in einem aufwendigen Verfahren zum Lac-Dye-Pigment, einem gelbstichigen roten Pulver, verlackt. Der in Wasser gelöste Farbstoff ergibt ein blaustichiges, dunkelrotes Rot. Mit anderen Lösungsmitteln lassen sich karmesinrote, scharlachrote oder orangefarbene Töne erzielen. Stocklack ist auch Rohmaterial für Schellack, der als Siegellack oder Firnis verwendet wurde. Lac Dye ist teilweise wasserlöslich, licht- und waschecht sowie hitzebeständig. 400 Jahre v. Chr. wird ein Käfer, der roten Farbstoff liefert schriftlich erwähnt, was auf Lac Dye hinweisen könnte. Lac Dye ist die älteste in der Malerei verwendete Lackfarbe. In Indien, Südostasien und Afrika verwendete man Lac Dye zum Färben von Baumwollstoffen in China auch für Seidenstoffe. Bis 1900 diente Lac Dye als Malmittel für Künstler sowie zum Färben von Leder, Wolle und Seide. Heute wird Lac Dye vor allem in der Textilfärberei und zu Restaurierungszwecken gebraucht. Andere Bezeichnungen/Synonyme:
Färberlack, Gummilack Chemische Formel:
C20H14O11 Laccainsäure Chemische Bezeichnung:
Wasserlösliches Gemisch aus verschiedenen Laccainsäuren A, B, C, D, E (Hauptanteil Laccainsäure A). Wasserunlösliche Bestandteile: Erythrolaccin, Desoxyerythrolaccin, Isoerythrolaccin Colour Index Number:
Natural Red 25, NR 25 Constitution Number:
75450 Lateinische Bezeichnung:
laccifera lacca, kerria lacca Italienische Bezeichnung:
lacca Französische Bezeichnung:
gomme laque Englische Bezeichnung:
gum-lac, lac-dye, Bengal lac, cake lac, caked lac, grained lac, kadi lakh, seedlac, rangbatti Gleiche Familie:
Rote Farbstoffe von Cochenille-Läusen:
- Dactylopius coccus, Amerikanische Cochenille
- Porphyrophora polonica, Polnische Cochenille
- Porphyrophora hameli, Armenische Cochenille
- Kermes coccus vermilio, Kermes der Schildlaus Hintergrund Etymologie:
Das Wort Lack geht auf das altindische Sanskrit-Wort Laksha, hunderttausend Läuse, zurück und kam im 16. Jh. über das Italienische „lacca“ ins Deutsche. Das Wort existiert auch im Hindi (Lakh) und im Singalesischen (Lakda). Die Bezeichnung Lac Dye kommt von engl. „dye“, Farbstoff, bedeutet also Lackfarbstoff. Geschichte:
Der griechische Arzt Ctesias beschreibt 400 v. Chr. einen Käfer, der den roten Farbstoff von Mennige habe. Dieser sei in Indien zum Färben von roten Gewändern verwendet worden. Dieser Hinweis lässt auf Lac Dye schliessen. Ausser in Indien wurden auch schon früh in Burma, Indochina und Siam (Thailand) Stocklack und Lac Dye gewonnen und exportiert. Bei Ausgrabungen von Palmyra (Syrien) wurde Lac Dye aus der Zeit von 200 bis 300 n. Chr. auf Baumwollstoffen nachgewiesen. Im 7. Jh. nach Chr. lassen sich in Ägypten ebenfalls mit Lac Dye gefärbte Gewebe nachweisen. Im 13. Jh. n. Chr. war der Farbstoff für Tonking (Nordvietnam) und Kambodscha eines der wichtigsten Handelsprodukte. Im Mittelalter war Venedig der wichtigste Handelsplatz für Stocklack und Lac Dye in Europa. Seine grösste Bedeutung für die Färberei hatte Stocklack in der Zeit von 1790 bis 1870, besonders in England. Ökologie:
natürliches Produkt, nicht umweltgefährdend Kunst, Handwerk, Design:
Lac Dye ist die älteste Lackfarbe in der Malerei. Besonders im Mittelalter und in der Renaissance wurde sie verwendet. Herstellung Herkunft, geografische Region:
Indien, Indonesien, Kambodscha, Thailand, Pegu (Bagu in Myanmar) Entstehung:
Die Weibchen der Lackschildlaus setzen sich nach der Befruchtung in grossen Massen auf eine Wirtspflanze, in Indien sind das Pappelfeigen (Ficus Religiosa). Die Schildläuse saugen der Pflanze den zuckerhaltigen Saft in den Zweigen aus. Durch die Verdauung wird dieser Saft chemisch verändert und als harziges Sekret ausgeschieden. Es bildet um die Zweige herum 3-8 mm dicke rotbraune Krusten, den so genannten Stocklack. Ein Baum liefert je nach Grösse 5-30 kg Stocklack. Gewinnung:
Zweimal im Jahr werden die verkrusteten Zweige geschnitten und der Stock- oder Gummilack mechanisch entfernt. Dieser ist das Rohprodukt für die Herstellung von Schellack wie auch von Lac Dye. Es besteht aus dem eigentlichen Schellack-Wachs, Feuchtigkeit und verschiedenen Verunreinigungen (Holz und Larvenreste). Fertigung:
Zur Herstellung von Lac Dye wird der Stocklack in Steinmühlen zerkleinert. In warmem Wasser wird das Pulver stundenlang bewegt, um den Farbstoff auszulösen. Anschliessend wird das Wasser in Kesseln über dem Feuer oder an der Sonne in flachen Gefässen eingedampft. Ein sehr reiner Farblack entsteht, wenn der Stocklack mit alaunhaltigem Wasser extrahiert und mit Soda oder Pottasche ausgefällt wird.

Lac Lake: Man löst den Farbstoff des gemahlenen Stocklacks durch Kochen mit einer verdünnten Soda- oder Pottaschelösung, filtriert und fällt den Farblack aus dem Filtrat mit Alaunlösung. Der Niederschlag wird getrocknet und in kleinen Vierecken in den Handel gebracht.

Ofenheimer Rot: Gepulvertes Lac Dye wird mit 4.5-facher Menge 80% Ethanol angerührt, erhitzt und abgepresst. Dabei löst sich das Harz und der Farbstoff bleibt zurück. Eigenschaften Zusammensetzung/Analyse:
50% Laccainsäure, 25% Harz, 22% feste Bestandteile: Aluminium, Eisen, Calciumkarbonat und Sand Erscheinung:

Farbe: Rottöne
Gelbstichiges, rotes Pulver, in Wasser gelöst blaustichiges dunkles Rot. In Natron- oder Kalilauge gelöst dunkelrot bis violett. Der färbende Bestandteil von Lac Dye ist die Laccainsäure, welche in Farbe und Zusammensetzung dem Karmin ähnelt. Geruch: neutral

Beständigkeit: In Wasser ist der Farbstoff schwer löslich. Laccainsäure ist unbeständig gegen Metallionen, besonders Eisenionen. Lösungsmittelbeständigkeit: unbeständig
Lac Dye ist löslich in Aceton und Ethyl-Methylalkohol. Säurenbeständigkeit: unbeständig
Das Pigment ist löslich in Essigsäure. Schweissbeständigkeit: unbeständig
Temperaturbeständigkeit: beständig
Die Schmelztemperatur liegt bei 180 °C, die thermische Zersetzung erfolgt bei 230 °C. Temperaturwechselbeständigkeit: unbeständig

Hygrische Eigenschaften:

Wasserbenetzung: hydrophob

Optische Eigenschaften: Absorbtionsmaximum 515 bis 555 nm Lichtechtheit: beständig
Der älteste Knüpfteppich der Welt, der Pasyryk-Teppich (5. oder 4. Jh. v. Chr.) ist noch sehr gut erhalten, ebenso Textilien der Inkas und der sizilianische Krönungsmantel der Stauferkaiser. Maltechnische Eigenschaften:

Bindemittelechtheit: mittel
Lac Dye eignet sich für Ölmalerei, für Eitempera und Aquarellmalerei ist das Pigment weniger geeignet. Nicht geeignet ist es für Fresko, da Ausblutungen entstehen können. Deckvermögen: schlecht

Verträglichkeit: Bioverträglichkeit:
Lac Dye ist ein natürliches Produkt und nicht umweltgefährdend. Quellen der Kennwerte: Harley, Schweppe, Doerner Bearbeitung Lieferformen:
Pulver Arbeitsschutz:
Lac Dye gilt als nicht toxisch. Jedoch sollte die Inhalation des Pigments vermieden werden, Schutzmaske tragen, Staubbildung vermeiden. Lagerung und Aufbewahrung:
Verschlossen, kühl und trocken aufbewahren. Anwendung Anwendungsgebiete:
Lac Dye ist ein historischer Farbstoff und wurde als Künstlerpigment für Malereizwecke verwendet. Grössere Bedeutung hatte der Farbstoff in der Textilfärberei, vor allem zum Einfärben von Baumwolle und Seide. Auch zum Färben von Leder und Teppichwolle wurde es verwendet. Als Ersatzfarbstoff für Henna benutzte man Lac Dye auch zum Färben der Haare und Fingernägel. Heute dient das Pigment dem Künstler- und Restaurierungsbedarf. Umweltschutz:
Es sind keine besonderen Massnahmen erforderlich. Wassergefährdungsklasse 0. Besonderheiten:
Das Einatmen des Pigments kann bei Allergikern Asthma auslösen. Sammlungen

Muster in folgenden Sammlungen: Gewerbemuseum Winterthur, HSLU D+K Luzern Sentimatt
Standort in der Sammlung: Gewerbemuseum Winterthur:
Farbmittel > Schublade 20 Spezialmuster: Gewerbemuseum Winterthur:
Pigmente HSLU D+K Luzern Sentimatt:
Pigment, Anstrichmuster auf A4-PLatten: Eitempera, Öl, Acryl, Gummi Arabicum, Fresko, Hinterglasmalerei Bezugsquelle Bezugsquelle Sammlungsmuster:
Kremer Pigmente GmbH & Co. KG, Aichstetten / D Musterherstellung:
HSLU D&K Quellennachweis Verwendete Quellen:
Eastaugh, N., Walsh, V., Chaplin, T., Siddall, R. (2008). Pigment Compendium. A Dictionary and Optical Microscopy of Historical Pigments. Oxford: Elsevier, Butterworth-Heinemann.

Harley, R. D. (1982). Artists’ Pigments c. 1600-1835. A Study in English Documentary Sources. 2nd Ed. London: Butterworth, Archetype Publications.

Schweppe, H. (1992). Handbuch der Naturfarbstoffe. Vorkommen, Verwendung, Nachweis. Landsberg/Lech: Ecomed Verlagsgesellschaft. Geschichte siehe S. 25, 36, 276; Enststehung, Gewinnung, Fertigung, Anwendungsgebiete, Farbe, Definition siehe S. 272-276; Lichtechtheit siehe S. 254; Nachweisreaktionen siehe S. 616-617; Kunst siehe S. 281. Weitere Quellen:
Doerner, M. (2006). Malmaterial und seine Verwendung im Bilde. Stuttgart: Urania Verlag. Farbe siehe S. 81.

Gottsegen, M. D. (2006). The Painter's Handbook. New York: Watson-Guptill Publication.

Kittel, H. (1998). Lehrbuch der Lacke und Beschichtungen, Band 1. Leipzig: S. Hirzel Verlag Stuttgart. Gewinnung siehe S.168.

Die Textilfärberei vom Spätmittelalter bis zur Frühen Neuzeit (14.-16. Jahrhundert) (Kap 5.1.3, S. 106f.) Links:
www.naturalpigments.com/lac-dye.html (Stand 27.12.2012) Bezeichnungen.

www.kremer-pigmente.com/de/farbstoffe-und-pflanzenfarben/lac-dye-36020.html (Stand 27.12.2012) Beständigkeit, Eigenschaften. Expertin / Experte:
Prof. Dr. Stefan Wülfert Material-Archiv-Signatur:
FAR_PIG_ORG_NAT_31 Text verfasst von:
HSLU D&K, HS, 2014 Bilder

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