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Elfenbeinschwarz echt

Elfenbeinschwarz echt
Materialgruppen:
Farbmittel > Pigmente > Organische Pigmente > Natürliche organische Pigmente Materialbeschrieb Das bräunlich bis bläulich-schwarze Pigment Elfenbeinschwarz wird durch Verkohlung (Erhitzung unter Sauerstoffmangel) von Elfenbeinabfällen, einem kohlenstoffreichen, organischen Material gewonnen. Im 4. Jh. v. Chr. hat der griechische Maler Apelles als Erster ein Schwarz aus Elfenbeinabfällen gebrannt und es „Elephantinum“ genannt. Über Jahrhunderte wurden zudem aus dem kostbaren Elfenbein praktische Gegenstände wie Nadeln, Speer- und Pfeilspitzen sowie kunstvolle Elfenbeinschnitzereien hergestellt.Infolge der Artenschutzgesetzgebung wird Elfenbeinschwarz seit dem zweiten Weltkrieg nur noch in kleinem Umfang, für die Restaurierung hergestellt. Elfenbeinschwarz ist für alle Techniken der Tafelmalerei geeignet. Als kohlenstoffhaltiges Pigment ist sorgfältiges Anreiben wichtig, beim Mischen mit Mineralpigmenten setzt sich der Kohlenstoff sonst gerne ab. Als ein hydrophobes Pigment muss es in wässrigen Techniken mit Brennsprit vorgenetzt werden. Auch durch Zugabe von einigen Tropfen Netzmittel wie etwa Ochsengalle lässt sich dieses Problem beheben. Nicht geeignet ist Elfenbeinschwarz für Freskotechniken, da die im Elfenbeinschwarz enthaltenen Salze zu Ausblühungen führen. Andere Bezeichnungen/Synonyme:
Tiefschwarz Chemische Formel:
Ca3(PO4)2 und C Chemische Bezeichnung:
Calciumphosphat und Kohlenstoff Colour Index Number:
Pigment Black 9, PBk 9 Constitution Number:
77267 Italienische Bezeichnung:
nero d’avorio Französische Bezeichnung:
noir d’ivoire Englische Bezeichnung:
ivory black Ähnliche Materialien:
Beinschwarz, Frankfurterschwarz, ist eine Mischung von Knochenschwarz und Elfenbeinschwarz, der Preussischblau, Berlinblau beigemischt wurde, auch bekannt als Lackschwarz und Pariserschwarz. Hintergrund Etymologie:
Als Elfenbein werden die Stosszähne des Elefanten und des Mammuts bezeichnet, ebenso das Zahnbein und die Stosszähne des Walrosses, Pottwals, Narwals und Flusspferdes.Das Wort Elfenbein bedeutet Elefantenknochen, mhd. „helfenbein“, ahd. „helfantbein“ (von gr. „ἐλέφας“ und lat. „ebur“). Geschichte:
Plinius d. Ä. berichtet vom Maler Appeles, der schon im 4. Jh. vor Chr. durch Verkohlung ein Pigment herstellte, das er Elefantenschwarz nannte, was auf Elfenbeinschwarz schliessen liess. In Europa wird Elfenbeinschwarz vom Mittelalter bis zur Renaissance in diversen Malerhandbüchern erwähnt. Durch Röntgendiffraktionsanalyse konnte Elfenbeinschwarz auf diversen Tafelmalereien nachgewiesen werden. Auch auf einer indischen Mogul-Malerei aus dem 16. Jh. vermutet man Elfenbeinschwarz. Auf Malereien der französischen Impressionisten wurde ebenfalls Elfenbeinschwarz nachgewiesen. Ab 1940 taucht Elfenbeinschwarz nicht mehr auf dem Markt auf. Ökologie:
Elfenbeinschwarz ist ein Naturprodukt und nicht wassergefährdend, es sind keine ökotoxischen Effekte bekannt. Mythologie:
In der indischen Tradition geniesst der Elefant hohes Ansehen. Er hat Flügel, kann fliegen und gilt als Regenmacher. Er besitzt einen hohen symbolischen Status. Und häufig tritt er mit Indra oder Buddha zusammen auf.Ein mit Elfenbeinschwarz gemaltes Bild oder ein damit geschriebener Text soll die Lesenden oder die Betrachtenden vor Unheil bewahren. Ebenso soll Elfenbeinschwarz - ein Produkt vom weisen Elefanten - pulverisierte Weisheit sein.Laut einem mittelalterlichen französischen Tierbuch soll Elfenbeinschwarz Giftschlangen vertreiben und den bösen Blick abwehren. Kunst, Handwerk, Design:
Rembrandt van Rijn (1606-1669) malte nachweislich mit Elfenbeinschwarz.John Singer Sargent (1856-1925) verwendete Elfenbeinschwarz in seiner Malpalette.Heute wird Elfenbeinschwarz nur noch zu Restaurierungszwecken verwendet. Herstellung Herkunft, geografische Region:
Indien, Afrika Entstehung:
Das Rohmaterial Elfenbein wurde früher aus Afrika und Indien importiert. Aufgrund der Artenschutzgesetze werden heute nur noch kleine Mengen an Elfenbeinschwarz für die Restaurierung hergestellt. Gewinnung:
Elfenbeinabfälle wurden in eisernen Töpfen dicht geschichtet und luftdicht verschlossen bei ca. 800 °C erhitzt und verkohlt. Für ein hochwertiges Elfenbeinschwarz wurden die in der zurückbleibenden reinen Tierkohle enthaltenen löslichen Salze ausgewaschen. Bei Fehlbränden, d.h. bei zu hoher Temperatur und zu langer Brenndauer kann Elfenbeinschwarz braunstichig werden (früher sprach man von Elfenbeinbraun). Fertigung:
Nach dem Feinmalen wurde das Pigment in 8 mm grosse Hütchen gepresst, um die Staubbildung zu vermeiden. Echtes Elfenbeinschwarz war also meist schon an der charakteristischen Handelsform der Hütchen erkennbar. Eigenschaften Erscheinung:

Farbe: Schwarztöne
Elfenbeinschwarz ist eine tiefdunkle Farbe, welche in der Weissausmischung blaustichig wird. Neben Flammruss/Lampenschwarz ist Elfenbeinschwarz das deckkräftigste und tiefste Kohlenstoffschwarz. Geruch: neutral

Beständigkeit: Elfenbeinschwarz gilt als säure-, laugen- und lösungsmittelbeständig. Feuchtebeständigkeit: beständig
Laugenbeständigkeit: bedingt beständig
Elfenbeinschwarz ist laugenbestänig. Wegen möglicher Phosphorausblühungen ist das Pigment ungeeignet für die Freskomalerei. Lösungsmittelbeständigkeit: beständig
Temperaturwechselbeständigkeit: unbeständig

Mechanische Eigenschaften: Bindemittelbedarf:
Bindemittelbedarf: 50%. Schwarzpigmente müssen sorgfältig gebunden werden, dazu gehört ein gutes Anreiben des Pigments. Hygrische Eigenschaften:

Wasserbenetzung: hydrophob
Durch Zugabe von einigen Tropfen Brennsprit kann man der schlechten Benetzbarkeit entgegenwirken. Optische Eigenschaften: um 1.65 Lichtechtheit: beständig
Elfenbeinschwarz vergraut nicht. Vollton: 8, Mittel: 8, Verdünnt: 8 Farbechtheit: gut

Maltechnische Eigenschaften:

Bindemittelechtheit: gut
Deckvermögen: gut, sehr gut
Lasurfähigkeit: schlecht
Wird nur als hauchdünne Lasur über vergoldeten und versilberten Bilderrahmen verwendet, um die natürliche Patina zu ersetzen. Trockenwirkung: schlecht
Schwarzpigmente trocknen schlecht in Öl, man reibt das Pigment deshalb mit Leinöl oder Nussöl an und gibt als Trockenbeschleuniger beispielsweise wenig „Verdigris“ (essigsaures Kupferoxid, Kupferacetat, Grünspan) dazu. Verträglichkeit: Kompatibilität:
Elfenbeinschwarz lässt sich mit allen Pigmenten mischen. Ein sorgfältiges Anreiben ist bei schwarzen Pigmenten wichtig. Wegen möglicher Phosphorausblühungen ist Elfenbeinschwarz ungeeignet für die Freskomalerei. Gefahrgut und Sicherheitshinweise: P-Sätze:
nicht toxisch S-Sätze:
keine besonderen Massnahmen nötig Quellen der Kennwerte: Kremer, Schweppe, Wehlte, Berrie Bearbeitung Lieferformen:
Pulver, Acrylfarbe, Ölfarbe, Retouchierfarbe, Aquarellfarbe Lieferbare Materialqualitäten:
Elfenbeinschwarz JU (Beinschwarz, verbesserte Qualität, gute Färbkraft und Schwärze, Kremer) Elfenbeinschwarz echt Arbeitsschutz:
Das Pigment ist nicht toxisch. Bei sachgemässer Handhabung sind keine nachteiligen Wirkungen bekannt. Leichte Schleimhautreizungen durch trockenes Material (Staub) möglich. Lagerung und Aufbewahrung:
Behälter trocken und verschlossen lagern, Lagerklasse 13, nichtbrennbare Feststoffe Anwendung Anwendungsgebiete:
Malerei, Gemälderestaurierung,alle Techniken der Tafelmalerei. Anwendungsbeispiele:
Elfenbeinschwarz und Beinschwarz in folgenden Gemälden:
Edouard Manet: „A Sunday on La Grande Jatte“ (1884-1886), Art Institute of Chicago. William Hogarth: 6 Gemälde „Marriage à la Mode“ (1743-1745), National Galerie London.
Jacopo Tintoretto: 8 Gemälde „Gonzaga-Zyklus“ (1579/80) für zwei Säle im Palazzo Ducale von Mantua. Besonderheiten:
Fr.384.00/kg Elfenbeinschwarz echt aus eigener Produktion (Kremer)Fr. 12.00/kg Elfenbeinschwarz JU (Beinschwarz, verbesserte Qualität, gute Färbkraft und Schwärze, Kremer) Sammlungen

Muster in folgenden Sammlungen: Gewerbemuseum Winterthur, HSLU D+K Luzern Sentimatt
Standort in der Sammlung: Gewerbemuseum Winterthur:
Farbmittel > Schublade 21 Spezialmuster: Gewerbemuseum Winterthur:
Pigmente, Anstrichmuster HSLU D+K Luzern Sentimatt:
Pigmente, Anstrichmuster auf A4-Platten: Eitempera, Öl, Acryl, Gummi arabicum, Fresko, Hinterglasmalerei Bezugsquelle Bezugsquelle Sammlungsmuster:
Kremer Pigmente GmbH & Co. KG, Aichstetten / D Musterherstellung:
HSLU D&K Quellennachweis Verwendete Quellen:
Berrie, B. H. (2007). Artists’ Pigments, A Handbook of Their History and Characteristics, Volume 4. National Gallery of Art, Washington. London: Archetype Publication. Geschichte und Kunst siehe S. 7-9.
Bucklow, S. (2009). The Alchemy of Paint. Art, Science and Secrets from the Middle Ages. London: Marion Boyars. Mythologie siehe S. 41, 156.
Doerner, M. & Hoppe, Th. (Hrsg.) (2006, 21. Auflage). Malmaterial und seine Verwendung im Bilde. Stuttgart: Urania Verlag.
Finlay, V. (2003). Das Geheimnis der Farben. Eine Kulturgeschichte. München: Claassen Verlag.
Gottsegen, M. D. (2006). The Painter’s Handbook. New York: Watson-Guptill Publications.
Muntwyler, S., Schneider, H., Gewerbemuseum Winterthur (2010). Farbpigmente, Farbstoffe, Farbgeschichten. Winterthur: Alataverlag.
Schweppe, H. (1992). Handbuch der Naturfarbstoffe. Vorkommen, Verwendung, Nachweis. Landsberg/Lech: Ecomed Verlagsgesellschaft.
Welsch, N. & Liebmann, C. (2003, erw. Auflage 2012). Farben: Natur, Technik, Kunst. Berlin: Spektrum Akademischer Verlag Heidelberg.
Wehlte, K. (1974, 2. Auflage). Werkstoffe und Techniken der Malerei. Ravensburg: Otto Maier Verlag.
Wülfert, St. (1999). Der Blick ins Bild. Ravensburg: Ravensburger Buchverlag. Eigenschaften und Kompatibilität siehe S. 172-173. Weitere Quellen:
www.kremer-pigmente.de (Stand 3.01.2013). Gewinnung, Fertigung.cameo.mfa.org (Stand 9.01.2013).
www.naturalpigments.com (Stand 15.03.2014). Expertin / Experte:
Prof Dr. Stefan Wülfert Material-Archiv-Signatur:
FAR_PIG_ANO_NAT_97 Text verfasst von:
HSLU D&K, HS, 2014 Bilder

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