Ton und Gips – Geschichte und Funktion im künstlerischen Gestaltungsprozess

Do 18. Juni 2009, 19.30 Uhr

Referat, Sitterwerk


Im Referat von Prof. Dr. Monika Wagner geht es um die Frage, warum Ton und Gips schon während des 19. Jahrhundert extrem konträr bewertet wurden und diese Urteile bis heute nachwirken. Dafür sind nicht allein die materiellen Eigenschaften der Werkstoffe ausschlaggebend, sondern auch deren unterschiedliche Gebrauchsweisen im künstlerischen Gestaltungsprozeß. Während Ton eine lange Tradition in der Verwendung für Bozetti der Bildhauer besitzt und als „plastischer Urstoff“ in hohem Ansehen stand, galt Gips als imitatorisches Material. Seine hervorragende Eignung für den Abdruck, der seinerseits wichtig Funktionen besaß, ließ den Gips zum Inbegriff eines „toten“ Werkstoffs werden. Wie Künstler des 20. Jahrhunderts solche Zuschreibungen genutzt und unterlaufen haben, steht ebenfalls zu Debatte.

Prof. Dr. Monika Wagner lehrt seit 1987 Kunstgeschichte an der Universität Hamburg. Der Fokus ihrer Publikationstätigkeit liegt seit der Mitte der 90er Jahre auf Bedeutung des Materials in der Kunst. Mit ihrer kritischen Rekonstruktion von Werkstoffverwendungen und Materialbedeutungen hat Monika Wagner in einer monografischen Untersuchung "Das Material der Kunst" 2001 einen völlig neuen Zugang zum Verständnis moderner Kunst eröffnet. In der Folge hat sie auch zwei Sammelbände zum Forschungsschwerpunkt der Materialästhetik herausgegeben.

Sitterwerk
Sittertalstrasse 34, 9014 St.Gallen